Review | 12×07 | Can you hear me?

Doctor Who

„Can you hear me?“


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 09. Februar 2020

Drehbuch: Charlene James & Chris Chibnall
Regie: Emma Sullivan
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Alex Mercer

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Es geht vom antiken Syrien, übers heutige Sheffield, bis in die Wildnis des Weltraums! irgendwas verfolgt den Doktor und ihre Freunde… Als Graham, Yaz und Ryan Nachhause zurückkehren, um ihre Freunde und Familie wiederzusehen, erleben sie sehr unterschiedliche Vorkommnisse. Wer hat den Hilferuf von jenseits der Sterne geschickt – und warum? Und was sind diese furchteinflößenden Chagaskas, die Aleppo im Jahre 1380 terrorisieren? Um die Antworten darauf zu finden, muss das Team TARDIS auf eine Mission, die es mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert.


Als Companion hat man es nicht einfach: Da wird man vom Doktor rausgeschmissen, um daheim dringende Hausarbeiten zu erledigen (= divers und multikulti sein – PLUS Staubwischen), doch iiirgendwie mag dabei keine rechte Stimmung aufkommen. Nehmen wir zum Beispiel Ryan, der von heute auf vorgestern stockschwul geworden ist? Oder habe ich das falsch verstanden, als er verkniffen mit seinem „Mate“ an der Haustür rumdödelte und dabei aussah wie eine Nonne, die zum ersten Mal ein Hentai-Pop-Up am Laptop sieht?

Okay, eine spontane Verschwulung ohne Schwulsein kann man durchaus mal machen. Passiert ja auch höchstens zweimal pro Episode… ?

Allerdings habe ich nicht ganz verstanden, wie deren Beziehung funktioniert: Beide schauen sauertöpfig in die Glotze, nachdem Ryan die Tür von innen verrammelt hat (damit die Nachbarn nicht reinkommen und „Homooo“ rufen?) zocken FIFA, kauen Chips und erwecken ungefähr so viel Freund- und Liebschaftsstimmung, als hätten sich beiden gerade erst auf der Castingcouch kennengelernt – und als wäre selbiges Sitzmöbel ohne Vorwarnung in ein Wohnhaus ausgekippt worden. Dass Ryans „Freund“ beim Erzählen seiner Alpträume ungefähr so gut schauspielert wie Angela Merkel als Hauptdarstellerin im Film „Birds Of Prey“, sorgt ebenfalls nicht gerade für Hochstimmung.

Währenddessen wird der Doktor spontan von einer geisterhaften Erscheinung nach Syrien gerufen („Komm her, ich habe hier eine Story für dich!“), wo sie eines der ersten „Mental Hospitals“ der Geschichte kennenlernt. Laut einer fünfsekündigen Wikipedia-Recherche stimmt das sogar grob – die hatten damals tatsächlich die ersten Therapie-Ideen und machten was draus.

Allerdings vermutlich MEHR als das, was den Machern zu ihrem selbstgewählten Erziehungsthema dieser Episode einfiel: Im „Psychiatrischen Krankenhaus“ sehen wir eigentlich nur ein paar Palmblätter und miese Schauspieler, die ebenso auch am Bahnsteig oder in der Kinderdisco stehen könnten. – Voll knorke, Alter!

Statt „Ärzte“, Gespräche oder Therapien sehen wir lediglich zwei jungen Eierkopp-Frauen, die sich gegenseitig erklären, wie totsicher (bzw. tödlich) dieser Ort doch ist.

Im Ernst, seit ein paar Folgen habe ich das akute Gefühl, dass man einfach Leute in der BBC-Verwaltung anspricht („Du hast braune Haut! Mitkommen und Text aufsagen, sonst Gulag!“). Und wenn diese Figuren z.B. die Emotion ANGST spielen müssen, wirkt das immer so, als wären sie mit dem rechten Bein in einen Putzeimer getreten: Ein bisschen angepisst, aber trotzdem mit guter Stimmung aufgrund des nahenden Feierabends.

Nach der üblichen „Da ist ein Monster!“-Feststellung präsentiert man uns ein CGI-Wesen, dessen Qualität an finstere Christopher-Eccleston-Zeiten erinnert. Sogleich sackt der Doktor die syrische „Mrs. Anti-Mimik“ ein, holt dann noch schnell ihre anderen Companions ab, die gerade unter mentalen Ausfallerscheinungen leiden (äh… was war jetzt noch mal der Unterschied zu sonst?) und landet zur Klärung des Problems auf einer Raumstation.

Und auf der zeigt sich plötzlich, dass alte weiße Männer gaaar nicht so übel sind. So ist der „fingerfertige“ Bewohner der Station (siehe Bild unten) ein recht belesener Genosse, der über die Langeweile von Unsterblichen referiert, Menschen als Spielzeug tituliert und generell alle Anwesenden so sehr an die Wand spielt, das man aufgeplatzte Hinterköpfe befürchten müsste. Klar, das riecht etwas nach Kindergrusel in der 1980er-Geisterbahn, hat aber sofort gewisse Theater- und Kammerspiel-Momente. Da zeigt sich mal, dass man mit so etwas Abwegigem(?) wie Schauspielern in einer Serienproduktion gar nicht so viel falsch machen kann. Bisher sahen wir ja meist nur „Offener Mund-Fachpersonal“…

Doch leider fuhr man die interessante Geschichte um zwei „Götter“, die einst zwei Planeten quälten und dabei aufgehalten wurden, vollkommen gegen die Wand. Die beiden halbintellektuellen Wackeldackel stehen ab der Mitte der Folge nämlich nicht mehr für das Grausame, Unberechenbare und Ewige, sondern … für eine gebrochene Hüfte und das falsche Haarfärbemittel? – Eben noch hatten die beiden unseren GANZEN Planeten eingesackt (auf der Straße die Mülltonnen vollschwafeln reicht hierfür), im anderen Moment aber leeeider vergessen, ihre mächtigen Technik-Gadgets wegzuschließen. Und außerdem vergaßen sie auch, dass der Doktor NICHT nur alles Mögliche mit dem Screwdriver herbeiwedeln kann, sondern ihre Jacke(!) neuerdings ihren Screwdriver einen Meter in die Luft „hochwedeln“ kann.

Wer die Szene nicht gesehen hat, mag es kaum glauben. – War das etwa der patentierte Hüftschwung eines Timelords? Quasi ein „Sonic Hip-Driver“? – Oder war das der feministische Gedanke, dass Frauen sich stets ihren eigenen Penis(-Ersatz) besorgen können? Erklärt es mir bitte, denn sonst müsste ich annehmen, dass die Serienmacher inzwischen sogar zu FAUL sind, um die gefesselte Hauptdarstellerin nach Regeln zu befreien, die wenigstens mit denen der Physik lose verwandt sind. Und hier wäre echt ALLES besser gewesen, sogar das Überreden eines verwirrten Alien-Hausmeisters („Hey, willst du dir dein erstes Woke-Sternchen verdienen, mein Junge?“)…

Die beiden Albtraum-Lords mit der Lizenz zum Scheißelabern haben da ihre Rechnung jedoch ohne die Ga… Hast-Geberin gemacht. Ja, die beiden mögen tatsächlich Götter für elfjährige SF-Feministen sein, aber als die Bekopftuchte in Aleppo plötzlich lernt, ihre Ängste zu lenken (WANN hat die das eigentlich geübt? Staffel 13?), war ganz schnell Schluss mit „HARHARHAR“. Im Ernst, wer hier geblinzelt hat, hat deren Niederlage fast schon wieder verpasst.

Blöd nur, dass die Episode hier noch ewig weitergeht. So erfahren wir, dass Yaz nur deswegen Polizistin wurde, weil sie vor drei Jahren als ausbrecherische 25-Jährige(?) an der Landstraße aufgegriffen wurde. Die ältere Polizistin erkannte damals schnell, was das Problem vom kleinen Regengesicht war (= Kein Ernsthaftes, der Rucksack saß nur etwas unbequem) und überredete sie quasi dazu, selbst Bulle zu werden. Äh… Auch, wenn das bis heute keiner so richtig gemerkt haben dürfte.

Trotzdem hält das die Episode nicht davon ab, uns Yaz beim tränenreichen Wiedersehen mit jener Polizistin von damals zu zeigen. Klar, die war damals natürlich toootal beeindruckt von der jungen Frau, die immerhin drei Zecken am Po und dazu noch miese Laune hatte. Tja, so einem grausamen Schicksal begegnet man als Ordnungshüter schließlich auch nicht an allen (arbeitsfreien) Tagen!

Noch schlimmer war da nur noch Graham, der sich dem Doktor anvertraut („Habe Angst, dass der Krebs wiederkommt.“) und dafür nur eine Antwort erhält, die wohl aufgrund der derzeitigen „Nerd-Culture“ sehr in Mode ist: „Chihiii… Ich bin ’social akward’… Weiß nicht, was ich sagen soll. Ich gehe dann mal langsam zur Konsole rüber, okaaay?“

Getreu dem Motto: Der Doktor kann zwar Microplastic-Ausschlag heilen und Nanobots programmieren, ist mit Krebs und tröstenden Gesprächen aber leeeider überfordert. Es reicht eben doch nur für bedeutungslose „Wir haben uns alle lieb“-Ansprachen ohne Substanz. Denn leider hat sie nach Hunderten Lebensjahren leeeider keine Erfahrung in sowas irgendwas.

So dreht sich diese Episode dann leider nicht um echte Alpträume, begründete Ängste und Wesen wie aus dem trek’schen Q-Kontinuum. Nein, es geht um die Mini-Probleme von jungen Menschen, die plötzlich merken, dass sie nicht gleichzeitig aus der WG ausziehen und trotzdem regelmäßigen Sex mit Mitbewohner-Topfpflanzen haben können.

Dass man das Ganze wohl auch noch als Folge über/gegen Schizophrenie verstand, obwohl das nicht im Geringsten thematisierte, spuckte all meinen multiplen Persönlichkeiten mit Anlauf ins Gesicht. Außer Gabi und Bernd. Die waren gerade zur Geschlechtsumwandlung.


Fazit

Okay, ich mochte den tätowierten Opa kurzzeitig als Gegenspieler! Aber das hat das Produktionsteam dann wohl leider geahnt und ihm noch schnell eine recht unpassend wirkende 20-Jährige an die Seite gestellt.

Tja, so eine Durchschnittsnote muss man auch irgendwie nach unten diversifizieren, da kennen die nichts.

Am Schlimmsten war jedoch das hilflose Massengestammel am Ende. Welche seelische Qual uns das Produktionsteam da noch schnell aufdrücken wollte (= Polizisten-Homophobie in Bezug auf untätige Ärzte im Körper einer 14-Jährigen?!), werde ich wohl niemals erfahren…

Trotzdem wurde beim Abspann tatsächlich eine Anlaufstelle für Notfallseelsorge(!) beworben. Na, die hatten bestimmt „Spaß“ an diesem Abend?


Bewertung: 2 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!


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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

Daniel Klapowski

Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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