Review | 1×05 | Dot und Bubble (Dot and Bubble)

Doctor Who

“Dot und Bubble”
“Dot and Bubble”


Erstausstrahlung: 1. Juni 2024

Drehbuch: Russell T Davies 
Regie: Dylan Holmes Williams
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Jane Tranter,
Joel Collins, Phil Collinson & Vickie Delow

Der Doktor: Ncuti Gatwa
Ruby Sunday: Millie Gibson


Die Welt von Finetime, einer Kolonie auf einem fremden Planeten, scheint ein idyllischer Ort zu sein, an dem die Jungen und Reichen arbeiten und leben. Doch etwas Schreckliches lauert außerhalb der Bubble, und seltsame Vorkommnisse haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen in Finetime verschwinden. Lindy Pepper-Bean muss sich dieser Gefahr stellen, die jenseits ihrer Bubble lauert, und sich mit Hilfe des Doktors und Rubys mit einer außer Kontrolle geratenen gefährlichen Situation auseinandersetzen.


Da Ncuti Gatwa zur Zeit der Dreharbeiten noch bei “Sex Education” verpflichtet war, haben wir hier nicht nur die zweite Doktor Lite Episode in Folge, sondern können uns auch über den offensichtlich falschen Schnurrbart des Doktors amüsieren. Doch dabei bleibt es, was den Humor betrifft, denn “Dot und Bubble” ist trotz seiner leuchtenden Pastellfarben erstaunlich ernst und düster geraten.

Das Leben in der Bubble…

Wir tauchen ein in eine Welt, in der jeder Bewohner in einer buchstäblichen “Bubble “, innerhalb einer Siedlungs-Bubble, lebt. Eine Dystopie, die völlig von KI und sozialen Medien beherrscht wird. Privilegierte, elitäre, weiße Bonzenkinder, die nur auf ihren Twitter-Feed und ihre TikTok-Follower hören und in der realen Welt ohne Hilfe so verloren sind, dass sie nicht einmal mehr ohne Anleitung geradeaus gehen können. So auch die Hauptprotagonistin Lindy, deren Alltag darin besteht, gleich nach dem Aufstehen die “Bubble” zu starten, mit ihren Freunden zu plaudern und sich lustige Tanzvideos anzuschauen. Doch schon hier wird angedeutet, dass mit dieser “Idylle” etwas nicht stimmt … denn noch vor dem Vorspann sehen wir am Rand, dass etwas Monströses auf Lindy lauert.

Mampf…

Die Monster sind, wie sich herausstellt, große, nacktschneckenähnliche Aliens, die nichts lieber tun, als Menschen bei lebendigem Leib zu verspeisen. Doch bis die Protagonisten das begreifen, vergeht einige Zeit. Das Einzige, was nach und nach auffällt, ist, dass immer mehr Menschen offline sind. Es dauert nicht lange, bis der Doktor auf der Bildfläche erscheint und versucht, Kontakt zu Lindy aufzunehmen, was diese jedoch sofort blockiert. Zu diesem Zeitpunkt kann man noch denken, dass es einfach daran liegt, dass sich ein Fremder in ihre Blase einklinkt, aber im Laufe der Folge wird das Bild immer klarer. Lindy und auch die anderen Bewohner der Finetime-Siedlung sind von dem Doktor angewidert und wollen nichts mit ihm zu tun haben. Wer aufmerksam ist, dem fällt auch sofort auf, dass alle Bewohner der Siedlung weiß sind. Nicht ganz so subtil, wie es sich Drehbuchautor Russell T. Davies gedacht hat, wie er im Behind The Scenes vollmundig verkündete. Der unterschwellige Rassismus gipfelt schließlich darin, dass die Bewohner die Hilfe des Doktors ablehnen, selbst nachdem er ihnen das Leben gerettet hat.

Das ist doch mal ein Zoom-Call!

Dies gelang dem Doktor, indem er mit Hilfe von Ruby (die zum Glück weiß ist) Kontakt zu Lindy (und ihren Freunden) aufnahm und sie überredete, über den Rand ihrer Bubble hinauszusehen, um die Monster zu erkennen. Lindy muss nun versuchen, einen der Fluchttunnel unter der Stadt zu erreichen, um sich in Sicherheit zu bringen. Unterstützt wird sie dabei von Ricky September, einem Influencer, der einer der wenigen zu sein scheint, die nicht rund um die Uhr in der Bubble sind und deshalb das Laufen noch nicht verlernt haben. Obwohl Lindy ihn anhimmelt und von ihm schwärmt, nimmt die Episode eine unerwartet düstere Wendung, als sie, um ihr eigenes Leben zu retten, Ricky verrät und dem Bösewicht opfert, um selbst entkommen zu können.

Hilfe? Von dir? Iiiih!

Es stellt sich heraus, dass der Dot (der die Blase projiziert) von einer KI gesteuert wird, die durch den ganzen Blödsinn, den die Menschen in der virtuellen Welt von sich geben, verrückt geworden ist und nun die Menschen ausrotten will. Hätte James Cameron in den 80er Jahren schon etwas von Social Media gewusst, hätte Skynet vielleicht ganz andere Gründe gehabt, warum die Menschen ausgelöscht werden müssen. Die eiskalte Zurschaustellung von Lindys Entscheidung, Ricky zu opfern, und die anschließende Lüge und weitere Schwärmerei für den soeben zum Tode Verurteilten gipfelt in der finalen Konfrontation mit dem Doktor und Ruby. In einer Art Flüchtlingskolonie bietet der Doktor den Bewohnern an, sie alle zu retten und mit der TARDIS wegzufliegen, um eine neue Heimat für sie zu finden. Doch die angewiderten Reaktionen der Flüchtlinge, die sich nicht vom Doktor “kontaminieren” lassen wollen, sprechen Bände. So darf Ncuti Gatwa auch in dieser Episode wieder zeigen, dass er auf Kommando Tränen aus den Augen drücken kann (es sei denn natürlich, jemand vom Produktionsteam steht mit einer Zwiebel für die vielen Heulszenen bereit) und die Episode lässt den Zuschauer mit einer unerwartet harten Realität und dem absolut gegenteiligen Gefühl von “Happy End” zurück.

“Echt jetzt?”

Für Doctor Who wirkt die ganze Handlung ungewöhnlich und originell, dabei wurde das Thema in Serien wie “The Orville” oder “Black Mirror” schon behandelt – und dort noch viel schärfer. Leider kommt Doctor Who nicht über den Aspekt “Menschen sind Scheiße (weil sie dumme Rassisten sind)” und “Technik ist böse” hinaus. Aber gerade die harte Darstellung von Lindys eiskaltem Handeln und das Ende, das zu einem verzweifelten Doktor führt, der helfen will – aber nicht darf, gibt der Folge doch eine originelle Note, die so in Doctor Who selten behandelt wurde.


Fazit

Unterm Strich kann man sagen, dass gerade in gesellschaftskritischer Hinsicht mehr drin gewesen wäre, die Episode aber gerade durch die hervorragende Regie, die tolle Kameraarbeit und die guten Darsteller zu überzeugen weiß. Leider ist sie dennoch nicht frei von (Logik-)Fehlern und verliert deutlich, wenn man über bestimmte Dinge nachdenkt. Auch der unterschwellige Rassismus ist nicht so subtil, wie es sich der Autor der Episode vielleicht erhofft hat, und am Ende hakt es vielleicht an vielen Kleinigkeiten. Dennoch ist die Episode besser, als man nach dem Trailer hätte vermuten können und regt gerade durch das drastische Ende zum Nachdenken an.


Bewertung: 3 von 5 TARDISse


Wichtige Links zu der Folge:


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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
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André McFly

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