Review | Torchwood – 2×06 | Nebenwirkungen (Reset)

TORCHWOOD

„Nebenwirkungen“
(„Reset“)


Erstausstrahlung DE: 15. Juli 2009
Erstausstrahlung UK: 13. Februar 2008

Drehbuch: J.C. Wilsher
Regie: Ashley Way
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Richard Stokes, Chris Chibnall

Captain Jack Harkness: John Barrowman
Gwen Cooper:
Eve Myles
Ianto Jones:
Gareth David-Lloyd
Owen Harper:
Burn Gorman
Toshiko Sato:
Naoko Mori
Rhys Williams:
Kai Owen


Eine alte Freundin aus Jacks Vergangenheit taucht auf: Martha Jones, eine ehemalige Begleiterin des Doktors. Martha hat ihr Medizinstudium inzwischen vollendet und arbeitet als Ärztin für die internationale Organisation UNIT, welche sie auch zu Torchwood geschickt hat. Nicht nur Jack ist sehr angetan von Martha – schließlich hat sie die Welt vor dem Untergang gerettet – sondern das gesamte Team inklusive Owen, der sich von Toshiko zu einem ersten gemeinsamen Rendezvous hat überreden lassen. Zusammen untersuchen sie eigenartige Todesfälle. Es stellt sich heraus, dass in der medizinischen Forschungseinrichtung „The Pharm“ ein neuartiges Medikament getestet wird, das gegen sonst unheilbare Krankheiten wie HIV oder Diabetes wirkt. Doch für die Heilung bezahlen die Patienten nach einiger Zeit mit dem Leben: Die Alien-Larve, die für die wundersame Heilung sorgt, verursacht langfristig im Körper des Patienten einen tödlichen Kollaps. Um diese „Nebenwirkung“ zu vertuschen, lässt „The Pharm“ die Probanden von einem Auftragskiller ermorden, bevor die Larven schlüpfen können. Martha lässt sich undercover als Testperson einschleusen, gerät dabei jedoch bald in höchste Gefahr … (Text: RTL II)


Anmerkung: Diese Review wurde ursprünglich 2009 veröffentlicht. Sämtliche zeitorientierten Diskrepanzen und/oder altbackenen Anspielungen sind mit einem Lächeln zu genießen.

Inhalt: Eine neue Sensation revolutioniert den Medizinbetrieb: Mit außerirdischen Fliegen im Bauch wird man nie wieder krank! – Da fahre ich persönlich, dieser Logik folgend, ja lieber mit dem Auto vor die Wand, um Benzin zu sparen… – Jedenfalls stößt Martha Jones zum Team, um die perversen(?) Erfinder dieser Therapie bloß zu stellen.

Review

„Ich wurde gebeten, diesen kurzen Text zu verfassen, um zu beweisen, dass auch schwarze Frauen es schaffen können, geil auszusehen und alle 5 Sekunden vom Kameramann von den schönsten Seiten gezeigt zu werden! Also ICH fühle mich überhaupt nicht diskriminiert, ganz im Gegenteil! Der Autor und Regisseur dieser Folge hat mich sogar noch häufiger gepimpert als den Rest des Casts! Und bei Torchwood sind die Männer als Begattungskonkurreten untereinander ja sogar noch mit dabei!

Und auch meine Rolle zeigte, dass junge Frauen, die sich regelmäßig mit Tipp-Ex die Zähne putzen und süß lächeln, überall beliebt und begehrt sind! Mein Chef, Jack, hat mich sogar mit sexuellen Anspielungen überschüttet, was ich im femni… femini… im frauentechnischen Bereich total gut finde und was zeigt, dass auch WIR unseren Mann im Berufsleben stehen (lassen) können! Jack musste mir für jeden ranschmeißerischen Spruch nämlich exakt 100 Pfund geben, jawohl! – Also Britische Pfund, nicht sein Körpergewicht. Das kam dann später noch auf mich drauf, höhö!“

Willkommen zur Martha-Jones-Show! Denn eine der objektiv heißesten Seriendarstellerinnen musste hier als Blickfang und -behalt herhalten. Beim Doktor viel zu schnell wieder ausgemustert, durfte die „Blutjunge Weltenpraktikantin – Was Eltern nicht zu träumen wagten“ (Titel eines Softsexfilms, Sat.1, 1972) hier noch mal zeigen, dass man als Anfang-20-Jährige alle zwei Voraussetzungen mitbringen kann, um bei einer paramilitärischen Gruppe im erotischen Dauereinsatz im optischen Notstandsgebiet (Torchwood) zu sein…

Da könnte man uns vermutlich sogar irgendeine Story um außerirdische Insekten bringen, die sich… hmmm… als (Un)Heilsbringer in Menschen einnisten, damit diese niiiee wieder krank werden. Wie? Nein, dass war keine satirisch-hypothetische Story, sondern der tatsächliche Baukastensatz, aus dem diese Episode bestand.

Niemand geringerer als Doktor Alt&Ruchlos nutzte hier außerirdische DNA, um allerlei unethische Versuchs- und Verfluchsanordnungen anzuordnen. Was ja auch alles Okay ist, vom Stand eines qualitätsbewussten Antichristen betrachtet… Was ich mich im Whonisverum nur immer frage, ist: Gibt es hier irgend eine Ordnung, die über ein wohlsortiertes Gewürzregal in der Küche hinausgeht?

Torchwood ist also eine Institution, die unbehelligt von irgendwelchen anderen Instanzen die Welt retten oder fast vernichten kann, je nach aktueller Endziffer (gerade/ungerade) des Kalenderdatums. Die Soldaten von UNIT machen alientechnisch aber im Prinzip das gleiche, sind halt nur 146 Mal zahlreicher und verehren den Doktor wie wir einst Rommel, den Wüstenfuchs. Und was Martha – als UNIT-Leihgabe – wiederum von der Regierung und/oder Torchwood gesagt bekommen kann, weiß ich auch nicht.

„Jack, wie weit ist Toshi mit der Programmierung der riesigen CGI-Fliegenklatsche?“ – „Nicht weit! Die BBC hat uns noch mal 3 Grafikprogramme weggenommen und jetzt völlig auf Windows-Paint umgestellt!“ – Computer(d)effekte: Genau so groß waren auch die zwei Mücken, die Martha schon mal als Teenager in den Oberkörper gestochen haben. Die beiden Schwellungen sind bis heute noch deutlich zu sehen…

Dieses Pervertierten-Krankenhaus hier wiederum scheint von der Regierung geführt /geduldet /finanziert zu werden, was weitere Fragen mit dem Schaufelbagger aufwirft. So langsam bekommt man hier das Gefühl, dass die Briten lieber zum Schlammcatchen gehen, als endlich dieses sehr ähnlich wirkende Kompetenzgerangel abzuschließen. Aber was soll’s: Diese Folge ist flott geschrieben, bietet erstmals seit langer Zeit wirklich brauchbare CGI-Monster und einen moralischen Plot (wie weit dürfen Mediziner gehen, ohne… öh… stehen zu bleiben?), der sich einfach so gehört.

So richtig aufgewertet wird der „Ich glaub‘, ich hab‘ eine Fliege verschluckt“-Alptraum aber erst durch den überraschenden und erfreulich sinnlosen Tod von Owen. Vermutlich war es den Autoren zu unheimlich, den Mann 2 Folgen hintereinander in interessant und sympathisch zu sehen. Oder sie glaubten im Umkehrschluss, dass solche Anwandlungen nur der unabwendbare Lockruf des lokalen Grabsteinparks sein kann. – Aber ich stehe ja auch auf beiläufige „Killed in Action“-Szenen, die auch mal bei scheinbaren Durchschnittseinsätzen eingebaut werden. Muss ja nicht immer groß angekündigt am Ende einer Staffel passieren, gelle?

In Afghanistan kündigt sich der Tod für unsere deutschen Jungs schließlich auch nicht durch tagelange Charakterfolgen vorher an und mündet dann ebenfalls NICHT in einen tränenreichen Schlussmonolog („Sag dem Kommandanten, dass ich ihn immer geliebt habe, Ächz!“), wenn der Sensenmann zuknüppelt.


Fazit

Ein eigentlich öder Aliendurchschnitt mit überfälliger Medizinmann-Schelte. Doch die süße Martha Jones sowie der spontan umkippende Owen Harper bringen den nötigen Charakter-Pfeffer in Doktor Mengeles drögen Klinikalltag. Ewig wird das Martha-Rezept zwar nicht funktionieren, aber wir haben ja auch zum Glück keine jack’sche Lebenserwartung in Höhe von „Wann ist die irdische Sonne noch mal ausgebrannt?“


Bewertung: 3,5 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

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