Review | 12×05 | Fugitive of the Judoon

Doctor Who

„Fugitive of the Judoon“


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 26. Januar 2020

Drehbuch: Vinay Patel & Chris Chibnall
Regie: Nida Manzoor
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Nikki Wilson

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Weil die Judoon einen Flüchtigen jagen, finden sich diese im Gloucester der Gegenwart ein. Wer ist dieser Flüchtling? Und warum sind die außerirdischen Söldner hinter ihm her?


Kommt mit ins Remember-Land, auf deine eigene Reise! Der Eintritt kostet den Verstand… – Oh, entschuldigt. Ich habe nur gerade die neue Hymne der Serie gesummt. Ich finde das nämlich gaaaanz toll, dass die gerade sooo liebevoll die alten Who-Elemente auswählen und ausgraben, die zufällig am wenigsten mit Erde bedeckt waren. Wollt ihr auch mit ins Remember-Land? Dann begleitet mich einfach hinter diesen magischen Vorhang. (*Stapel mit alten EMMA-Zeitschriften wegtret*)

Zur Feier des Tages (Mittwoch) haben wir diesmal das Review in die Form eines Interviews gegossen. Viel Freude!

Interviewer: „Mister (*In Unterlagen wühl*) ‚Diverso‘? Sie haben also die neueste Who-Episode geschrieben? Mögen Sie uns kurz sagen, was ihr Grundgedanke für die Geschichte war?“

Mister Diverso: „Wie bitte?! Sie können vielleicht Fragen stellen. Ich bin fast gewillt, Sie ‚Mister Unholdo‘ zu nennen, Sie frauenfeindlicher Mensch!“ (*spuckt sich selbst aufs Kleid*)

Interviewer: „Nana! Ich bitte Sie sehr höflich, mich nicht mit Ihrem afrikanischen Stammessymbol gegen den Arm zu stupsen! Ich habe lediglich eine Frage gestellt.“

Mister Diverso: „Und ich denke, dass meine Folge so selbsterklärend ist, dass das Fehlen einer spontanen Lobpreisung ihrerseits bereits einen Angriff darstellt!“

Interviewer: „Sie meinen, weil in dieser Folge herauskommt, dass der Doktor anscheinend vor allen anderen bekannten Doktoren bereits eine Frau war? Und alle haben es nur vergessen, sie selbst inklusive?“

Mister Diverso: „Sind Sie farbenblind oder einfach nur unhöflich, Sie Arsch? Wollen wohl mit Ihrem unglaublich großen Gemächt angeben, was? – Es geht vor allem darum, dass der Doktor mal eine SCHWARZE Frau war. Ist das nicht toll? Von wegen, das aktuelle Geschlecht des Doktors sei nur eine Ausnahme! Weiblichkeit ist der Grundzustand des Charakters! Und das haben wir uns garantiert nicht erst in den letzten Monaten ausgedacht! – Und hören Sie sofort auf, mir geheime Penissymbole zu zeigen!“

Interviewer: „Sorry… Äh… Ich habe doch nur… meine Finger auf meine Knie gelegt…? Ähm… Okay, wenn Sie über den afrikanischen Hintergrund der Figur reden wollen, dann können wir das sehr gerne machen.“

Mister Diverso: „Tun Sie nicht so großkotzig, als wäre ‚Afrika‘ ein großer, gleichförmiger Verein und damit alles gesagt! Sie sagen doch auch nicht Westeuropa, wenn Sie ‚Britannien‘ meinen, oder? Es handelt sich hier um einen Timelord, der das Aussehen einer afrikanischen Frau aus Subsahara-Afrika verwendet. Wobei ich hinzufügen möchte, dass dieses Wort oft als falsche Alternative zu ‚Schwarzafrika‘ verwendet wird. Wikipedia meint dazu: ‚Obgleich der rassentheoretische Hintergrund des Begriffes hier weniger offenkundig ist, impliziert dieser Begriff dennoch fälschlicherweise, dass afrikanische Staaten nördlich und südlich der Sahara homogene Räume seien.[5‘!“

Interviewer: „Könnten wir BITTE kurz über die eigentliche Story sprechen??“

Mister Diverso: „Natürlich… Sie möchten bestimmt über Captain Jack sprechen, oder?“

Interviewer: „Eigentlich wollte ich das erst später…“

Mister Diverso: „ER IST WIEDER DA! Fanboys lieben diesen Trick! Fangirls sind ganz aus dem Häuschen! Warum dieser omnisexuelle Mann das Franchise wieder ganz nach vorne bringt! Lesen Sie hier, wie das neue Doctor Who mit den alten Episoden verknüpft ist! Kaum zu glauben: Captain Jack ist einer der beliebtesten Charaktere!“

Interviewer: „Zitieren Sie etwa gerade einfach nur die Clickbait-Artikel der bezahlten Jubelpresse?“

Mister Diverso: „Na, da röst‘ mir einer mal einer einen Massage… äh… Marderschaden… äh: Mysogonisten! Sie sind ja ein richtiger Schnellmerker!“

Interviewer: „Okay. Wenn Captain Jack wirklich nur mitspielt, um alte Fans ruhig zu stellen, würde das erklären, warum der einfach nur sinnfrei auftaucht, die langweiligen Companions mit seinem Raumschiff um den Block fährt, mit ALLEN am liebsten Bumsen möchte (der Gag war 2006 schon alt?!) und nach einer Quasselrunde mit seltsamen Story-Andeutungen einfach wieder abzischt. Ist das nicht ein bisschen arm? Ich meine, der könnte doch einfach SAGEN, was er genau mit dem Cyberman meint, mit dem der Doktor bloß nicht Eis-Essen gehen soll!“

Mister Diverso: „Noch nie was von tiefgreifenden Story-Andeutungen gehört? Wir werden uns zu diesem Blödsi… dieser premiumhaften Luxus-Andeutung nämlich noch eine total geile Geschichte ausdenken! Und wir wissen jetzt schon, dass es dabei irgendwie um die Cybermen gehen wird! Alte Fans liiieben diesen Kniff!“

Interviewer: „Apropos alte Figuren: Die Nashorn-Aliens haben Sie auch nur deswegen ausgegraben, weil die bei David Tennant so beliebt waren und so kultig gesprochen haben?“

Mister Diverso: „Natürlich nicht nur deswegen! – Auch aus dem Grund, dass Aliens, die wir uns SELBST ausdenken, sogar als Erschrecker in der Kindergeisterbahn noch von 6-Jährigen verprügelt wurden. Weil unsere Ideen so dämlich sind. Aber wir müssen es ja auch nicht besser machen! Wir haben FEMINISMUS. Und für den Rest halt das alte Zeug.“

Interviewer: „Apropos Erschrecker… Ich fand das irgendwie komisch, wie die nette Omi, der nette Servicebedienstete und der fast-nette Mann (von dem schwarzen Doktor) kaltblütig ermordet wurden. Ich meine, das waren ja noch nicht mal kreative Tode? Die wurden dreimal einfach weggeschossen und fertig!“

Mister Diverso: „Richtig. Das waren ja auch alles Männer. Sogar die Omi, glauben Sie mir. Und zwar hier oben, im Geiste! (*tippt sich verschwörerisch an die Stirn*) Und ihnen wird in diesem Zusammenhang nicht entgangen sein, dass unser schwarzhäutiger Doktor ebenfalls ein seeehr cooler Doktor ist! Die benutzt nämlich auch richtig große Waffen! So richtig große, harte, plumpe Waffen! Wie früher nur die Männer in Serien und Filmen, verstehen Sie mich?!“

Interviewer: „Ja, schon verstanden. Frauen dürfen diese alten archaischen Dinge jetzt wieder ausgraben. Schusswaffen, die man – aus gutem Grunde – schon 1960 nicht großflächig für die männlichen Doktoren eingeführt hat. Ich habe mir zwar oft gewünscht, dass die Serie etwas härter wird, aber das wirkte irgendwie aufgesetzt. Vor allem: Als die Doktorin am Ende ihre Gegner zuschwafelt, hätten die anderen Nashörner ihr problemlos(!) in den Rücken schießen können. Man sieht ja sogar die ganze Zeit, wie die Aliens einfach nur reglos hinter ihr stehen!“

Mister Diverso: „Was wollen Sie denn noch?! Sie haben die Judoon wieder bekommen, danach hat Captain Jack unserer trantütigen Trauertruppe man ordentlich in die Diversität geblasen, es wurden Cybermen erwähnt, außerdem gleich ZWEI Vernichtungen von Gallifrey…“

Interviewer: „DAS habe ich auch nicht kapiert. Wieso ist das jetzt neuerdings angeblich ‚nicht mehr rückgängig‘ zu machen? Und wieso muss man das jemanden von Gallifrey extra erklären, die doch das Zeitreisen mit der Mutter- und Vatermilch aufgesogen haben? Gibt es hier noch irgendein übergeordnetes Konzept, eine Idee, eine Timeline, der man als Zuschauer folgen kann, ohne sich dabei mit dem Bügeleisen ins Gemächt gehen zu müssen?“

Mister Diverso: „Dazu habe ich nur 5 klare Antworten: Ja, Nein, Jein, Trans-Jein und Gender-Jein.“

Interviewer: „Ich bedanke mich für dieses Interview – irgendwie.“


Fazit

Cool! Endlich tut man nicht mal mehr so, als wollte man irgendwelche spannenden Geschichten erzählen.

Man nimmt einfach coole alte und nervige neue Elemente, wirft sie in einen Topf, erzählt irgendeinen Schmarrn, schiebt die Enthüllung 30 Minuten vor sich her, indem man die Nashörner vor einem Plattenbau arme Leute schikanieren lässt und nennt DAS dann „aufgeklärtes Fernsehen“.

Schade nur, dass man dabei nur mitbekommt, wie viel besser vor Jahren noch die Aliendesigns waren. Und wie spaßig die Figur des Jack Harkness doch war.


Bewertung: 2 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!


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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

Daniel Klapowski

Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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