Review | 12×04 | Nikola Tesla’s Night of Terror

Doctor Who

„Nikola Tesla’s Night of Terror“


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 19. Januar 2020

Drehbuch: Nina Metivier
Regie: Nida Manzoor
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Nikki Wilson

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


„Nikola Tesla hat vom 20. Jahrhundert schon geträumt, bevor es begonnen hatte!“ 1903. Hier, am Rande der Niagara Fälle, stimmt etwas nicht mit Nikola Tesla’s Generatoranlage. Wer oder was sabotiert die Arbeit des menschenscheuen Erfinders? Hat er wirklich eine Nachricht vom Mars erhalten? Und wie passt sein großer Rivale Thomas Edison ins Geschehen? Der Doktor, Yaz, Ryan und Graham müssen sich mit einem der klügsten Köpfe der Geschichte zusammenschließen, um ihn und die Erde zu retten.


Endlich ist die neue Folge da. Diese Nachmittags-Schlaflosigkeit um 16:35 Uhr hat mich schon ganz kirre gemacht. Aber das ist nun vorbei, denn diesmal trifft der Doktor auf Nikolas Tesla, um … äh… – JA, sie TRIFFT ihn halt, Punkt! Was wollt ihr denn noch, ihr hyperaktiven Jäger des verlorenen ADHS-Schatzes, hä? – Ach, etwa einen Kapitalisten, der ab und an unmotiviert die Wort „Umsatz“ und „Geschäftstüchtig“ in die Kamera raunzt? Sollt ihr bekommen, ihr Raffgierigen! Aber nicht wieder alles auf einmal weg-kritisieren, ja?

Doch zuerst folgt ein Gedicht, das die Handlung zusammenfassen soll:

Tesla sieht in tote Augen,
welche entdecken unentwegt
dass Erfinder als Genies gut taugen.
Und die Companions sprechen unbewegt,
dass viele Menschen nicht erkennen,
wie schlaue Leute Fortschritt bringen.

Die Städter wollen‘s nicht bekennen,
nein, als Statist nur durch Kulissen springen!

Und auch die Aliens wollen was…
Im Zweifel geht es um’s Erzwingen
Von Dies und Jenem, Dies und Das.

Und die Heldin?

Der Doktor besucht Industrielle,
die mal richtig fiese gucken.
Dann rollen Jodies Augen schnelle,
wobei oft ihre Eier jucken.

Denn die Monster laufen lahm
und beamen nur im Jubeljahr,
wedeln langsam mit dem Arm,
denn Hektik gibt’s nicht – ist doch klar.

Und mit roten Augen rennt besessen
Der Alien-Hans gern gegen Tische.
So schleicht man dann wie überfressen
Zur Flucht um‘s Eck‘ wie tote Fische.

Ihr seht es schon: Die neueste Folge hat mich so gelangweilt, dass ich mir selbst was Kreatives auf „Vier Plus“-Niveau ausdenken musste.

Gab es in den „alten“ Folgen (= letzte Woche) wenigstens Doofmanns-Kost für junggebliebene 4-Jährige, so kann man sich bei all der mentalen Abregung kaum noch aufregen…

Hatte Frau Doktor für den (Mit-)Erfinder des Computers vor 3 Folgen leeeider keine Zeit, da zufällig eine Frau daneben stand, so geht man jetzt den umgekehrten Weg: Nikolas Tesla wird derartig verehrt und als „Genie“ bezeichnet, dass es einem dezent unangenehm wird (also als echtes Genie jetzt).

Gefühlt stundenlang geht es nur darum, warum der begnadete Erfinder ein Erfinder ist – der zufällig auch noch begnadet daherkommt. Hier wäre man wohl deutlich besser gefahren, wenn man uns 50 Minuten lang einfach den Link zum Wikipedia-Artikel eingeblendet hätte.

Die Aliens sind wieder mal die korrumpierten Standardgesichter, die diesmal halt (*Würfelbecher umdreh*) staksige Herren mit roten Augen sind. Uuuiii, da habe ich aber Angst… – vor der Diagnose Narkolepsie!

Wenn die Bösen dann beim zwielichtigen Industriellen reinschneien und vor lauter Antagonisten-Arbeitseifer erst mal sinnfrei gegen den Tisch(!) rennen, ist der Ton der Episode eigentlich schon gesetzt. Ja, die Folge hätte daher auch gerne „Blauer Fleck am Knie“ heißen können. Oder „Kasperletheater – Abgang Bühne Links“.

Kein Wunder, dass der Doktor samt Gefährten da kaum panisch werden und eher laaangsam durch die nächste Tür treten – ohne sich überhaupt umzudrehen. Man weiß mit ein bisschen Berufserfahrung im Schmu-Business halt, dass die Fieslinge nur die Anzeige auf ihren Schrittzählern befüllen wollen. Im Ernst: Warum LAUFEN die sinnfrei herum, wenn sie sich doch überallhin BEAMEN können?!

Überhaupt versprühen die neuen Episoden kaum noch Spaß an irrer Ausleuchtung oder trashigen Kulissen (siehe Eccleston oder Tennant). Hier trotte(l)t man bei grauem Licht auf grauem Grund stets so unmotiviert durch Hinterhöfe, Keller- und Büroräume, dass sich die eigenen Augäpfel von innen viel größer als von außen anfühlen…

Während die unmotiviert brummende Schnarchmusik abgedudelt wird, verpatzt man dann auch gerne jegliche Timing- und Kamera-Elemente. Wenn der Böse z.B. halb angezündet wird, sieht man nur seinen Kopp mit ein paar Flammen davor – nicht etwa den Boden, die Verpuffung oder den sanft kokelnden Lodenmantel. Das sieht zwar alles so schön „realistisch“ aus wie ein Tatort in einer Eifeler Sparkassenfiliale, experimentiert wird aber mit nichts mehr. Höchstens noch mit der Dopaminausschüttung des BBC-Kassenwarts. Wegen der eingesparten Kohlen.

Und wenn sich mal einer vor den Fiesbolden versteckt, tut er das im 90-Grad-Winkel hinter‘m Schreibtisch, nur einen Meter entfernt. Okay, durchaus verständlich im Großraumbüro, aber filmisch trotzdem nur so spannend umgesetzt wie ein Wettrennen von zwei Kurtzman-Gedanken. Hier fragt man sich nicht, ob jemand etwas überlebt oder nicht, sondern nur, ob man die Szene hinter sich bekommt – und zwar, bevor man jede verdammte Faulheit der Macher in eine sehr aufwendige Excel-Tabelle tippen konnte…

Wenn DANN noch der Doktor mit der Ausstrahlung einer Hausfrau auftritt, die beim „Kaffee und Kuchen“ einen Espresso zu viel hatte, kann auch der Timelord-Bonus nicht mehr viel retten. Wenn unsterbliche, fast allmächtige Wesen das Gefühl verbreiten, dass sie ein liebes Muttchen sind, das von allen geliebt werden möchte, betreut man vielleicht das falsche Franchise?

Aber ich verstehe schon. Was sollen die Filmemacher auch machen, die in den 90ern noch Kaffee-Werbespots drehten – und heute keinen Job mehr haben?

Ach ja, die Geschichte ist diesmal, dass die langsamen Aliens unseren Herrn Tesla auch voll geil finden. Und da man den nicht einfach mitnehmen kann, muss man erst mal 138 Mal erwähnen, wie überlegen, skrupellos, brutal, machtvoll, entschlossen und finster man doch ist. Natürlich nur, um sich mit alten Kindergartentricks überrumpeln zu lassen („Hey, ist das da etwa eine billige Trottelmaske in deinem Gesicht?!“), bevor alle schenkelklopfend abhauen – und das Spielchen in der nächste Szene wieder von vorne beginnt.


Fazit

Uuuuh, ich werde so ein böses Review schreiben, uhuuuu! Ihr Erdlinge werdet furchtbar staaaaaunen. Ich bin einfach so ruchlos und gemein, dass ich es jederzeit beenden kann, mit jeeeedem Fazit, daaaas mir nur ge-fä-hä-häää-hääällt (*mit einem übertriebenen Hauchen ausklingen lass*).

Ja, ich bin unaufhaltsaaam, unbeugsaaaam, unausgeschlafen-saaam!
Und ich werdeee euch ooohne Fraaage aaalleees schreiben könneeen, das mir gefäääällt…

(*Von Sparkiller mit Regenschirm hinter Kulissen gezogen werd*)

Autsch! Aua! Ah! Nein, nicht meinen Schniepimann! Alles, nur nicht den Schniepimann!

(*der selbe Regenschirm schiebt unter einem Quietschgeräusch den folgenden Kasten rein:*)


Bewertung: 1,5 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!


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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

Daniel Klapowski

Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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