Review | 12×03 | Orphan 55

Doctor Who

„Orphan 55“


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 12. Januar 2020

Drehbuch: Ed Hime
Regie: Lee Haven Jones
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Alex Mercer

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Nachdem der Doktor kurzerhand entschlossen hat, dass alle einen Urlaub gebrauchen könnten, bringt sie Graham, Yasmin und Ryan zur Entspannung an einen luxuriösen Erholungsort. Allerdings muss die Gruppe feststellen, dass der Ort, an dem sie eine Pause einlegen wollten, eine Reihe von tödlichen Geheimnissen verbirgt. Was sind das nur für bösartige Monster, die das Tranquillity Spa angreifen?


Alles ist wie immer im Hause „Who“: Aus dem einst herrischen – oder zumindest mysteriösen – Weltenreisenden ist eine nuschelnde Bastlerin geworden, die keinem weh tun möchte. Und genau diese spricht mit brutalsten Monstern regelmäßig in Babysprache („Duuu muuuuusst jetzt maaachen, was ich saaageee!“), damit die Fieslinge ihre Killerinstinkte mal kurz in die Werbepause schicken. Zumindest so lange, bis Frau Doktor aus einem Mülleimer (der komischerweise oft die Aufschrift „Deus Ex Machina“ trägt) hilfreichen Krempel zusammengebaut hat…

So läuft es dann auch diesmal wieder, wenn auch diesmal in einer Art Erholungs-Ressort. Das spielt aber eigentlich keine große Rolle. Denn die Kritikpunkte sind stets die gleichen:

Monster zerfleischen die Menschen – gefühlt – schon auf mehrere Meter Abstand (ist das etwa diese … MACHT aus Star Wars?), bevor sie DANN wieder nur dösig-dämmernd in der Ecke stehen – weil der Doktor seine Selbstgespräche als eine Art „Plot-Schutzschild“ vor sich her trägt.

Die Logik der Angriffe ist dabei völlig Random: Eigentlich hassen die Monster Sauerstoff, bewegen sich aber die meiste Zeit ohne Murren durch unsere Atmosphäre. Das Loch, die Hintertür oder das kaputte Fliegengitter im Holodeck, durch die die Biester anscheinend eingedrungen sind, scheint übrigens keinen zu interessieren. Mit solch komplizierten Dingen wie „Tür auf / Tür zu / Tür vielleicht auf“ sollen sich lieber Quantenphysiker beschäftigen. – Schrödingers Katze vielleicht?

Mal sind die Biester blutschlürfende Bestien, die (für‘s Klischee) auch mal EXTRA mit den Gummikrallen über Metall schleifen, damit der Tontechniker später einen unpassenden Quietsch-Sound drüber legen kann.

Dann wiederum verstehen sie sofort, was der Doktor von ihnen will: Nämlich bei einem komplizierten Spiel namens „Rein in die luftdichte Kammer / Raus aus der luftdichten Kammer“ mitspielen. Doch das geht nur, wenn sich das Biest freiwillig(!!) einsperren lässt, weil ihm sonst in drölfundsechzig Tagen die Atemluft ausgeht. Ja, ich bin mir ganz sicher, dass die Kurzzeitmotivation von mutierten Sabberköppen mal eine äuuußerst interessante Forschungsdisziplin darstellen wird!

Logische Fragen sollte man sich eh keine stellen. Sonst stellt man sich eh nur ein (mentales) Bein und fliegt auf die Nase! Dazu gehört auch diese hier: „Warum können die Ressort-Besucher mit Bauklötzen mitten aus der TARDIS gebeamt werden (= Ort im Universum ist völlig egal?), während man danach wieder stundenlang zu Fuß rumflüchten muss?“ – Klar, auch das wird irgendwann erklärend runtergenuschelt, aber die Grautöne zwischen „ALLES können“ und „GAR NIX mehr können“ sind mir hier einfach zu krass in ihrer Abwesenheit, sorry.

Bis kurz vor dem Ende ist das alles also eine normale Who-Episode: Doofe Leute, die doofe Sachen an doofen Orten machen. Oder, wie die Macher es wohl nennen würden: „Intelligente Unterhaltung für Alt und Jung.“

Geradezu ärgerlich plump ist jedoch das ENDE dieses Schnarchfest-Dauerlaufs. So kommt nämlich heraus, dass Massenmigration, Klimawandel und Egoismus der Menschheit das alles eingebrockt hat. Puh, Glück gehabt! Und ich hatte schon die Befürchtung, dass Mikroplastik und Luftverschmutzung uns in zehnbeinige Trump-Doppelgänger verwandeln wird. Oder dass wir uns in grüne Aliens verwandeln, wenn wir alte Batterien in der Biotonne entsorgen. Von der Gefahr des Rückenmarkschwunds will ich gar nicht erst anfangen…

Leider wird aber NICHT erklärt, wie mental minderbehämmert ein Zuschauer (egal wie alt!) eigentlich sein muss, wenn er aus einem mutiertem Kasperletheater-Drehbuch irgendwelche Handlungsoptionen(!) für sein Umweltgewissen mitnehmen soll.

Menschen, die sich von solchen Kindereien tatsächlich beeindrucken lassen („WAS? Wir werden alle zu Monstern, wenn wir die Frühstücksbanane nicht aus unserer Region kaufen!?“), sind gemeinhin weder Wähler noch aktive Konsumenten, sondern verbringen ihre Zeit eher damit, sich in gepolsterten Räumen fortzubewegen. Und beim Rumbrüllen extrem viel CO2 auszustoßen?

Wieso diese Zukunft der Erde jetzt plötzlich nur eine „mögliche“ ist (war das nicht der Gag der Serie, dass man sich Paralleluniversen meist für besondere Gelegenheiten aufspart?) und man das ja noch alles verhindern könne, unterstreicht dann nur, wie „preachy“ diese Episode für bekokste Grundschulpädagogen ist.

Dabei hätte man das alles auf einer anderen Welt stattfinden lassen können, um danach darauf hinweisen, dass die Urspezies (am besten keine Menschen!) halt sehr empfindlich auf CO2 reagierte. Aber okay: Dann hätten viele Leute mit Low-Level-IQ ja NICHT verstanden, dass man seine Plastiktüten nicht gewaltsam über Meeresschildkröten stülpen darf.

Wer allerdings schlaue SF sucht, wird nach dem Konsum diese Schwachfugs eher so dasitzen


Fazit

Eigentlich ist das hier ein tolle, ganz normal schlechte Who-Folge.

Die Schauspieler geben (wie immer) ihr Schlechtestes, Motive und Bedrohungssituationen entstammen der mentalen Krabbelschule, während der Doktor einfach am Drehbuch mitschreibt, um alle zu retten („Hey, ich bleibe einfach mal vor den Biestern STEHEN, was soll schon passieren?“)… Für Menschen mit geistigen Einschränkungen oder Trash-Freunde ist’s sicherlich sogar unterhaltsam.

Das Schlimmste ist aber das dusselige Gefasel am Ende, bei dem man sich ernsthaft fragt, ob der Doktor demnächst auch Plastikbecher von der Straße sammeln wird – während er Dieselfahrer ganz freundlich und sachte … äh… beschimpft?


Bewertung für die ersten 35 Minuten: 2 von 5 TARDISse

 

 

 

 

Bewertung inklusive Ende: 1 von 5 TARDISse

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!


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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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