Rezension | Doctor Who – Die Macht des Doktors | DVD & Blu-ray


Achtung: Der folgende Artikel enthält Spoiler.


Als “Die Macht des Doktors” im Dezember zum ersten Mal auf Deutsch bei Amazon Prime ausgestrahlt wurde, waren viele Fans verwirrt. Warum haben all die alten Doktoren, die in dem Special immer wieder auftauchen, andere Stimmen als gewohnt? Die Antwort war so ernüchternd wie befürchtet: Michael Schwarzmaier (Doktor 1-7) und Kai Henrik Möller (Doktor #8) standen zum vereinbarten Termin für die Synchronisation leider nicht zur Verfügung. So wurden alle Doktoren (und auch alte Begleiter des Doktors) mit neuen Stimmen versehen – was bei vielen Fans auf wenig Gegenliebe stieß. Da sich diese aber mit ihrem Unmut an die Verantwortlichen bei BBC und Polyband wandten, entschloss man sich tatsächlich, eine zweite Synchronfassung in Auftrag zu geben, damit zumindest die Doktoren ihre gewohnten Stimmen haben – und diese dann auch auf die geplante DVD & Blu-ray-Veröffentlichung zu packen. Und genau diese Veröffentlichung wollen wir uns hier genauer ansehen.

Die Macht des Doktors” ist das dritte und letzte Special des Jahres 2022 von Doctor Who und wurde am 23. Oktober 2022 auf BBC One ausgestrahlt, sowie in zwei Teilen in Deutschland am 9. und 16. Dezember 2022 auf Amazon Prime veröffentlicht. Die Episode wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens der BBC produziert und im Zuge dessen ausgestrahlt. Sie wurde von Chris Chibnall geschrieben und von Jamie Magnus Stone inszeniert.

Jodie Whittaker hat ihren letzten regulären Auftritt als dreizehnte Inkarnation des Doktors, an der Seite von Mandip Gill und John Bishop als ihre Begleiter Yasmin Khan und Dan Lewis. In der Episode kehren auch Jacob Anderson als Vinder und Jemma Redgrave als Kate Stewart zurück, die beide zuletzt in Staffel 13 zu sehen waren, sowie Sacha Dhawan als Master und Patrick O’Kane als Ashad, die beide zuletzt in Staffel 12 auftraten. Außerdem spielen die ehemaligen Begleiterinnen Janet Fielding als Tegan Jovanka und Sophie Aldred als Ace eine größere Rolle. Am Ende der Episode ist David Tennant, der zuvor den zehnten Doctor verkörperte, als vierzehnter Doctor zu sehen.

„Doctor Who – Die Macht des Doktors“ könnt Ihr hier bestellen.

Doctor Who – Die Macht des Doktors

Veröffentlichungsdatum:
31. März 2023
Darsteller:
Jodie Whittaker, David Bradley, Colin Baker, Sylvester McCoy
Peter Davison, Paul McGann, David Tennant
Bildformat:
16×9 anamorph (1,78:1)
Ton:
DVD: Dolby Digital 5.1
Blu-ray: DTS HD 5.1
Sprachen:
Deutsch | Englisch
Untertitel:
Deutsch | Englisch

Laufzeit:
90 Minuten

FSK:
12
EAN:
4006448772147 | 4006448367060


Aufmachung & Inhalt

Natürlich ist die Veröffentlichung passend zu den übrigen Staffel- bzw. Specialboxen gestaltet. Die Box, die in der Erstauflage mit Pappschuber veröffentlicht wird, ist gut und hochwertig verarbeitet. Es ist ein Wendecover vorhanden, damit man das FSK-Zeichen auf dem Cover verbergen kann.

Kleiner Schönheitsfehler: Die Disc hat einen kleinen Abspielfehler, wenn man die beiden Episoden des Specials einzeln anwählt. Nachdem die jeweilige Folge beendet wurde, wechselt die Disc nicht automatisch ins Hauptmenü, sondern verweilt mit einem schwarzen Bildschirm. Über das Pop-Up-Menü kann man jedoch Abhilfe schaffen und selbst manuell ins Hauptmenü gelangen. Das ist kein großes Manko, aber eines, das erwähnt werden sollte.

“Die Macht des Doktors” bietet auch Bonusmaterialien an. Neben Interviews mit den Schauspielern und den Machern der Serie gibt es außerdem Hintergrundinformationen zu den Dreharbeiten.

Folgendes Bonusmaterial ist vorhanden:

  • Abschied von Jodie und Mandip
  • Hinter den Kulissen
  • UK-Filmfassung (nur neue Synchronisation)
  • Audiokommentare

Menü

 

Das Menü ist optisch ansprechend dargestellt, mit einer Animation des Covers im Hintergrund und vier Hauptmenüpunkten, über die man wahlweise alles abspielen kann, zu der Episodenauswahl kommt, das Bonusmenü starten oder die Spracheinstellungen öffnen kann.


Bild

 

Die Bildqualität der Blu-ray-Box von Doctor Who “Die Macht des Doktors” ist gewohnt hochwertig. Die Farben sind kräftig und die Details sind gestochen scharf. Besonders die Effekte kommen auf einem großen Bildschirm voll zur Geltung und sorgen für ein wohlfühlendes Seherlebnis.


Ton & Untertitel

Auch der Ton der Veröffentlichung ist hervorragend. Die Dialoge sind klar verständlich und die Soundeffekte sind gut abgemischt.

Die Tonspuren liegen bei der DVD im Dolby Digital 5.1 Format vor. Die Blu-ray-Fassung hingegen kommt im DTS HD 5.1 Format daher.

Es liegen englische und deutsche Untertitel vor.

Standardmäßig ist die zweite Synchronisation mit den gewohnten Doktor-Stimmen ausgewählt. Wer die erste Synchronfassung hingegen hören möchte, der kann diese als Alternative Fassung im Soundmenü auswählen. Die UK-Filmfassung, die als Bonusmaterial vorhanden ist, beinhaltet nur die neue Fassung.


Synchronisation

Da diese Veröffentlichung extra mit einer zweiten Synchronfassung ausgestattet wurde, ist es nur fair, auch diese zu bewerten. Dazu gibt es allerdings nicht viel zu sagen, außer dass man als Fan hierzulande uneingeschränkt dankbar sein muss, dass sich die Verantwortlichen tatsächlich die Mühe gemacht haben, eine weitere Fassung zu erstellen, die den Wünschen der Fans entspricht. Gerade bei einer Folge wie “Die Macht des Doktors“, bei der die Auftritte der alten Figuren ausschließlich der Nostalgie dienen und ganz bewusst diese Knöpfe drücken sollen, war es wirklich schade, dass es zunächst einen so starken Bruch in der Kontinuität gab. Aber mit der neuen Synchronisation wirken die Auftritte genau so, wie sie wirken sollen.

Was für eine tolle Variation Michael Schwarzmaier an den Tag legt, wie er mühelos zwischen dem alten, grummeligen ersten Doktor, dem sanften und freundlichen fünften Doktor, dem leicht arroganten und überheblichen sechsten Doktor und dem verspielt mit dem “R”-rollenden siebten Doktor hin und her wechselt, wird einem erst so richtig bewusst, wenn man die Doktoren nacheinander sieht. Gerade der siebte Doktor mit seiner eigenwilligen, aber ikonischen, Aussprache sorgt direkt für Gänsehaut – die aber auch Kai Henrik Möller mit seinem achten Doktor direkt übernimmt. Möller hat Paul McGann nur einmal in “Doctor Who – Der Film” gesprochen und das ist schon über 25 Jahre her – und trotzdem erkennt man ihn sofort wieder. Natürlich wäre es schön gewesen, auch Carin C. Tietze wieder als Ace zu hören, aber Katrin Zimmermann nimmt man die ältere Ace so gut ab, dass es trotzdem passt.

Wobei man die alternativen Doktorensprecher nicht schlecht reden sollte. Mit Michael Tietz (1. Doktor), Helmut Gauß (5. Doktor), Hubert Burczek (6. Doktor), Friedrich Georg Beckhaus (7. Doktor) und Lutz Mackensy (8. Doktor) hat man sich um wirklich hochkarätige und würdige Namen bemüht, deren Leistung sicher kein Gegenstand der Kritik war. Weder den Sprechern noch dem Synchronstudio kann man einen Vorwurf machen, wenn die gewünschten Sprecher zum geplanten Termin nicht zur Verfügung stehen – umso erfreulicher ist es, dass beide Fassungen auf der DVD/Blu-ray vorhanden sind.

Ein weiterer Doktor, der einen neuen Sprecher bekommen musste, ist der vierzehnte Doktor, gespielt von David Tennant, in den sich Jodie Whittakers dreizehnter Doktor am Ende regeneriert. Tennants bisheriger Doctor Who-Sprecher Philipp Brammer war vor einigen Jahren bei einem tragischen Wanderunfall ums Leben gekommen. Seitdem konnte sich kein deutscher Sprecher so richtig auf dem Schauspieler etablieren. Doch mit Gerrit Hamann wurde für dieses Special ein Sprecher gewählt, der Tennant in den letzten Jahren bereits in den größten und bekanntesten Produktionen (wie “Jessica Jones“, “Good Omens” oder “In 80 Tagen um die Welt“) gesprochen hat. Und das ist wirklich ein Glücksgriff. Obwohl Hamann keine große Ähnlichkeit zu seinem direkten Doktor-Vorgänger hat, passt er mittlerweile einfach wunderbar zu Tennant. Man kann nur hoffen, dass er nicht nur hier im Cliffhanger zum Einsatz kommt, sondern Tennant auch in den folgenden drei Specials zum 60. Jubiläum vertonen wird.

Negativ zu erwähnen sind allerdings diverse Schnitzer in der Übersetzung der Episode. Abgesehen von verständlichen Kleinigkeiten, wie dass Ace im Deutschen nicht “Ätzend” (Original: “Wicked”), sondern “Abgefahren” sagt, gab es einige grobe Fehler, die man hätte vermeiden können. Prominentestes Beispiel: Als Tegan im Lüftungsschacht fast abstürzt, sagt sie im Original “Rabbits”, was in dem Kontext mit “verflixt” oder “Scheibenkleister” (wie in den deutschen Untertiteln) übersetzt werden müsste. Auf Deutsch sagt sie in dieser Szene aber tatsächlich “Kaninchen”, was nun vorne und hinten keinen Sinn ergibt. Nimmt man dann noch den Cyberman hinzu, der seinen Anführer mit “Chef” anspricht, kann man sich nur noch fragen, wie wenig Zeit dem Synchronstudio für die Erstellung der Synchro gegeben wurde, wenn solche Fehler nicht auffallen und die eigentlichen Sprecher nicht zur Verfügung stehen.

Unterm Strich muss man aber loben, was hier passiert ist. Es wurde zusätzliche Zeit und Geld investiert, um eine weitere Synchronfassung zu erstellen, obwohl es schon eine gab. Das ist nicht selbstverständlich und sollte von den Fans entsprechend gewürdigt werden. Was uns hier für ein kleines Nischenprodukt wie Doctor Who geboten wird, ist einfach Fanservice pur. Ein Fanservice, für den man einfach Danke sagen muss.


 Fazit

“Die Macht des Doktors” zeigt den Schwanengesang des dreizehnten Doktors, gespickt mit Gastauftritten alter Charaktere, die eine Nostalgierakete nach der anderen zünden. Wen das allein noch nicht überzeugt, der sollte schon allein deshalb zugreifen, weil die Verantwortlichen uns hier tatsächlich eine neue Synchronfassung spendiert haben, damit es auf Deutsch keinen Bruch in der Kontinuität gibt. Und wer damit immer noch nicht überzeugt ist, der freut sich vielleicht am sprichwörtlichen Ende über David Tennant. Viele Gründe zum Zugreifen!



 

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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
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André McFly

Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
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2 Comments
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HiFive789
HiFive789
11 Monate her

Das heißt Prime hat noch die alte Synchro und die DVD hat die neue? Oder hat Prime mitlerweile auch die neue und hat die DVD auch die alte?