Review | Torchwood – 1×08 | Sie haben Suzie schon wieder getötet! (They Keep Killing Suzie)

TORCHWOOD

„Sie haben Suzie schon wieder getötet!“
(„They Keep Killing Suzie“)


Erstausstrahlung DE: 29. April 2009
Erstausstrahlung UK: 03. Dezember 2006

Drehbuch: Paul Tomalin & Dan McCulloch
Regie: James Strong
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Richard Stokes, Chris Chibnall

Captain Jack Harkness: John Barrowman
Gwen Cooper:
Eve Myles
Ianto Jones:
Gareth David-Lloyd
Owen Harper:
Burn Gorman
Toshiko Sato:
Naoko Mori
Rhys Williams:
Kai Owen


Als am Tatort eines grausamen Doppelmordes das Wort „Torchwood“ an die Zimmerdecke geschmiert wird, ruft das die Spezialisten vom gleichnamigen Institut für Paranormales auf den Plan. Anhand einer Haarprobe finden sie heraus, dass der Mörder offenbar mit der Droge „Retcon“ in Berührung gekommen ist, mit der Torchwood das Gedächtnis unliebsamer Zeugen zu löschen pflegt. Leider kommen damit immer noch über 2000 Menschen als Täter in Frage. Um die Suche nach dem Mörder abzukürzen, schlägt Gwen vor, den Wiederbelebungshandschuh zu verwenden. So könnte man die Opfer kurzzeitig ins Leben zurückholen und fragen, wer sie auf dem Gewissen hat. Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht: Das Team erfährt lediglich, dass ein gewisser „Max“ der Mörder ist – aber nicht, um wen es sich dabei handelt. Außerdem soll eine ehemalige Torchwood-Mitarbeiterin in die Verbrechen verwickelt sein: Suzie Costello. Dumm nur, dass diese ebenfalls schon seit Monaten tot ist. Obwohl Suzie ihr einst nach dem Leben trachtete, beschließt Gwen, den Wiederbelebungshandschuh bei Suzie einzusetzen. Keine gute Idee, wie die Torchwood-Mitarbeiter bald merken … (Text: RTL II)


Anmerkung: Diese Review wurde ursprünglich 2008 veröffentlicht. Sämtliche zeitorientierten Diskrepanzen und/oder altbackenen Anspielungen sind mit einem Lächeln zu genießen.

Inhalt: Nach dem brutalen Tod mehrerer Menschen führt die Spur zu einem kriminellen Mitglied des Torchwood-Teams, das bereits in der ersten Folge per Kopfschuss verstarb. Um den Fall aufzuklären, wird Suzie wieder kurzfristig zum Leben erweckt. Doch als diese – wider Erwarten – nicht ins Reich der Toten zurückkehrt, kommt es zu moralischen Problemchen…

Review

Hui! Kaum droht man damit, die werbefreien Downloads (heruntergeladen aus dem DVD-Kaufregal, selbstverständlich) nicht länger zu konsumieren, schon geht den Serienmachern die Muffe! Anders ist es mir nicht zu erklären, dass plötzlich ein echter „5-Ohrer“ vor der Tür steht. Diese Episode stellt nämlich alle spannenden Fragen, die man von einem guten Landeskirchentag erwartet: Was kommt nach dem Tod? Sollten wir Menschen über Leben und Sterben entscheiden dürfen? Und ist das da tatsächlich ein Loch in deinem Kopp, oder bist Du einfach nur ein ganz normaler Katholik?

Bis zur Hälfte der Folge war mir noch nicht ganz klar, wohin das alles (ent)führen sollte. „Schon wieder Serienkiller? Können die Kriminellen heutzutage nicht mehr so angepasst und produktiv sein wie der Herr Fritzl?“ – Doch gerade in dem Moment, in dem ich die Wiedergeburt meines persönlichen Schlafrhythmus huldigen wollte, kam Tempo in die Sache! Großartig ist schon alleine die Idee, der durchgedrehten Selbstmordtante aus Folge 1 ein Forum zu geben. Sehr psycho(sym)pathisch, das Mädchen!

Dies mit ihrem eigenen Erweckungshandschuh zu tun, ist dann auch so logisch wie Algebra und mindestens fünfmal so interessant! Das Ende will ich an dieser Stelle nicht verraten, doch dieses reißt durchaus mit und den komischen Anfang raus… Zumindest, wenn ihr Leben und Tod emotional für mehr haltet als die zwei Aggregatzustände jeglicher Biomasse…

Besonders negativ ist mir jedoch Jack aufgefallen – was allerdings nicht zwangsläufig zu einer Abwertung führen muss. Mit zunehmender Laufzeit der Serie kommt er mir aber wie jener Personenschlag vor, der abends Frau und Kinder verprügelt, wenn nicht sein Bier im Kühlschrank wartet. Menschlich ist der Kerl eine sehr absonderliche Mischung aus Geheimniskrämer, cooler Grinsebacke und einem hammerhartem Hobbyrichter… Wer da nicht spurt, wird eingespart! Komischerweise aber nicht Gwen, die sich mal gerade einen weiblichen Zombie in’s Auto setzt, damit dieser seinen Vati im Krankenhaus tüchtig knuddeln und tot machen kann.

„Und…? Wie war das so, als du tot warst?“ – „Hübsch war’s dort. Schöne Gardinen! Ach, weißt du was? Komm doch einfach mal mit!“ – Totwood: Warum es in dieser Folge keinen Sex zwischen der Zombie-Rollstuhlfahrerin und Gwen gibt, ist für mich ein echtes Mysterium. Ich bin übrigens dafür, dass die Dame links als neue Compagnion bei Doctor Who eingeführt wird! Quasi als mutiges Außenseiterdrama, bei dem die Räder beim Zeitsprung auch schon mal gerne in der Tardis-Tür stecken bleiben dürfen…

Natürlich will man zum Ende hin wissen, was es mit dem prophezeiten Ding auf sich hat, das „im Dunkeln“ des Todes auf Jack wartet. Wer hier ein großes Staffelfinale riecht, hat wohl einen durchaus soliden Nasensinn. Schön auch, dass die Geschichte schnell von dem üblichen Serienmörderkäse abrückt und die killernde Dumpfbacke schnell hinter Rost und Riegel sitzt. – Nur ab und zu durch einen akustischen Trigger aus der mentalen Einöde gerissen („He, Du! Torchwood!“ – „Waaaah! Gaaaah! Maaaa!“). Aber ich verrate schon wieder zu viel…

Die durchtriebene Todesbezwingerin erlangt gegen Ende sogar eine recht psychologische Tiefe, was bei Torch-„Wir knutschen auch unter Lebensgefahr“-wood besonders herausgestellt werden muss. Und der Erweckungshandschuh, der Tote für normalerweise 2 Minuten wiedererweckt, ist sowieso das coolste Werkzeug seit der Erfindung der unsterblichen Seele. Da wird einem dann doch ganz anderes, wenn der Mann aus dem Kühlfach innerhalb von 2 Minuten seinen Mörder nennen soll, 1:50 Minuten lang aber nur nach seiner Frau, Kind, Mami und seinem Steuerberater ruft… Sehr mitreißend! Schöne Erkenntnis des Ganzen: Nach dem Tode ist nichts, nur Dunkelheit. Somit können alle Geistergeschichten bei Doctor Who (gab es doch bestimmt, oder?) als halluzinierter Blödsinn abgelegt werden. Schön, wenn Atheismus mit Zeugenaussagen belegt werden kann …

Allerdings kann man schon kritisieren, dass die „Voll-krass-dunkel“-Episoden einem doch langsam auf die Nerven gehen: Lesben, Kannibalen, Zombieaufstand… Was wie der Titel eines RTL2-Spätfilms klingt, ist bei Torchwood manchmal fast schon zuviel. Bis auf „Cyberwoman“, die aber auch nicht wirklich fröhlich war, lassen einem die Geschichten der Serie meist nur wenig Luft zum Atmen. Noch etwas mehr Humor und eine fröhliche Kinderzeichnung am Kühlschrank würden der Serie manchmal durchaus gut tun. – Und an den Titel „Doctor Jack“ könnte ich mich zur Not auch noch gewöhnen…


Bewertung: 4 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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