Rezension | Doctor Who – Technophobie | Hörspiel

Technophobie

Doctor Who – „Technophobie“
Erstveröffentlichung: 27.04.2018
Format: Hörspiel (CD & Audiodownload)
Minuten: 62 (Auf einer CD)
Autor: Marc Fitton
Sprecher: Axel Malzacher, Kordula Leiße, Julia Stoepel, Cathlen Gawlich uvm.
ISBN: 978-3-7857-5682-9

Als der Doktor und Donna das Technische Museum in London besuchen, um einen Blick in die Zukunft zu werfen, läuft nicht alles nach Plan. Englands größtes IT-Genie ist unfähig, ihren Computer zu benutzen. Noch besorgniserregender allerdings sind Exponate, die plötzlich Museumsbesucher attackieren. Und draußen verlieren die Menschen die Kontrolle über die Technik, die ihr Leben bestimmt. Liegt es schlicht an menschlicher Dummheit, oder ist etwas Finsteres im Gange? Die Koggnossenti lauern schon und warten nur darauf, dass alle Londoner der Technophobie zum Opfer fallen.


Rezension

Das ist schon etwas Außergewöhnliches. Seit vielen Jahren werden die Big Finish Hörspiele als das Non-Plus-Ultra bezeichnet, was von Doctor Who seit den 90ern produziert wurde – und das auch im deutschen Fandom. Dies bezieht sich zwar gerade auf die Anfangszeit von Big Finish und nicht unbedingt die aktuellen Veröffentlichungen – aber trotzdem hätte wohl niemand gedacht, dass wir irgendwann einmal deutsche Big Finish Hörspiele zu hören bekommen. Doch Bastei Lübbe hat uns eines besseren belehrt und bringt die ersten beiden Hörspiel-Staffeln des zehnten Doktors auf Deutsch heraus. Bei der Sprecherauswahl wurde auf Kontinuität geachtet und so wurden für die Hauptrollen, sofern möglich, die Originalsprecher aus der deutschen Synchronisation der TV Serie engagiert. Einzige Ausnahme: Der zehnte Doktor, dessen ursprünglicher Sprecher, Philipp Brammer, 2014 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Als Ersatz holte man Axel Malzacher ins Boot, der schon als deutsche Stimme von David Tennant in Broadchurch und weiteren Serien eingesetzt wurde. Ob dies eine gute Entscheidung war, dürfte vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks sein.

Der Bruch zu Brammer oder Tennant ist mit Malzacher groß, denn dieser besitzt eine komplett andere Stimmfarbe und driftet, wenn er etwas höher spricht – gerade in Momenten, wo der zehnte Doktor aufgeregt ist – in eine etwas comichaftere Richtung ab. Wenn man sich jedoch mit der Tatsache anfreunden kann, dass der zehnte Doktor hier eben nicht klingt, wie man es bisher gewohnt war, wird man zumindest schauspielerisch mit einem sehr guten Sprecher belohnt, der den Charakter des Doktors ziemlich auf den Punkt trifft. Man kann dies in etwa mit Tobias Nath und den elften Doktor vergleichen. Nath klingt auch ganz anders als Matt Smith im Original, trifft den Charakter jedoch genau ins schwarze. Man ist beim zehnten Doktor bisher nur schlicht etwas anderes gewohnt gewesen und dementsprechend kann es schwer fallen, sich hier das bekannte Gesicht zur neuen Stimme vorzustellen. Kordula Leiße hingegen klingt wie man sie aus der deutschen Synchronisation der Serie als Donna Noble bereits kennt. Teilweise wirkt sie sogar schwächer als Malzacher – denn wo dieser voller Euphorie und Tatendrang seinen Text von sich gibt, klingen einzelne Passagen von Leiße mitunter etwas lustlos und/oder trocken abgelesen. Die übrigen Sprecher des Hörspiels sind hervorragend gecastet und machen ihren Job sehr gut. Allen voran Julia Stoepel als Bex. Generell scheint Lübbe bei den Nebenrollen auch auf hochkarätige Sprecher gesetzt zu haben, was die allgemeine Qualität dieser Hörspiele deutlich anhebt.

Über die Regie, Tonabmischung und ähnliches kann man sich kaum beklagen. Soundtechnisch liefert das Hörspiel eine hervorragende Qualität ab, wo man keine Kritik äußern kann, oder möchte. Anders hingegen verhält es sich bei der Übersetzung, die teilweise nicht nur holprig, sondern manchmal auch schlicht falsch ist, oder gar Begriffe, die schon seit Jahren eine eingedeutschte Übersetzung haben, anders, falsch, oder gar nicht übersetzt. So spricht der zehnte Doktor erstmals auf deutsch von seinem „Sonic“ und die Polizei Notrufzelle wird tatsächlich als „Telefonzelle“ bezeichnet. Diese und weitere unglückliche Übersetzungen schmälern ein wenig den ansonsten absolut positiven Eindruck zur Produktionsqualität. Man kann nur hoffen, dass für weitere Veröffentlichungen eine bessere Übersetzung zu Stande kommt.

Das erste Hörspiel der Reihe, Technophobie, könnte genau so aus der vierten Staffel entsprungen sein. Es trifft die Charaktere und den Tonus der Staffel genau ins schwarze. Bemüht modern, irgendwie moralisch und am Ende doch hilflos belanglos. Ein Skript, welches sich offensichtlich an hochkarätigen Konzepten wie „Black Mirror“ zu orientieren versucht, aber kläglich an seiner Vorhersehbarkeit scheitert. Von den drei Hörspielen der Veröffentlichungen ist Technophobie definitiv der schwächste Part, jedoch werden insbesondere Fans des 10. Doktors und Donna auf ihre Kosten kommen, sofern sich diese auf die neue Stimme einlassen.


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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
André McFly

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Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.

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