Review | Neujahrsspecial 2021 | Die Revolution der Daleks (Revolution of the Daleks)

Doctor Who

„Die Revolution der Daleks“
(„Revolution of the Daleks“)


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 01. Januar 2021

Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Lee Haven Jones
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Alex Mercer

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill
Captain Jack Harkness: John Barrowman


Der Doktor sitzt noch immer im Hochsicherheitsgefängnis, in welches sie von den Judoon gesperrt wurde. Ihre Freunde Yaz, Ryan und Graham sind derweil auf sich allein gestellt und versuchen in ihr normales Leben zurückzukehren… Doch dann greifen plötzlich die Daleks an. Ganz schlechtes Timing!


Eigentlich sollte dieses Review schon vor Tagen erscheinen, doch ich musste das Schauen immer wieder abbrechen. Auch nach 20 Minuten geschah in der Episode nichts von Belang oder künstlerischer Einprägsamkeit. Stattdessen sehen wir der Schultheatergruppe „Die TARDIS-Mäuse“ zu, wie sie chemie- und ideenlos durch ein weiteres Comic-Abenteuer stolpern. Aber eines, das eher wie die Vorgeschichten aus den alten Lustigen Taschenbüchern wirkt… („Schnell noch 2 Seiten Panzerknacker beim Handtaschenraub, bevor es um Klaas Klever geht?“)

Review

Überhaupt erinnert der Beginn dezent an die Dalek-Geschichte vom letzten Special, wo ebenfalls in unserer Zeit ein Mensch von den Tentakelmonstern gesteuert wird. Nur, dass es halt diesmal keine (toll schauspielernde) Frau ist, sondern ein (mittelmäßig schauspielernder) Mann. – Okay: Der Trump-Verschnitt aus der miesen Spinnenfolge ist wieder da und benutzt die Daleks als Kampfmaschinen. Aber auch das wurde bereits mehrfach erzählt. Spontan fällt mir da Winston Churchill ein, der die Daleks im Zweiten Weltkrieg einsetzte. Nur halt in „amüsant“.

Okay, ich muss keine Krampf-Geschichte rund um das Weihnachtsfest haben (gibt es eh nicht mehr, wegen der dringend nötigen Trennung von Spaßfernsehen und Fantasy-Religion?), aber ein bisschen mehr Fun und irre Einfälle würden der Serie mal wieder gut tun. Statt uns demnächst wieder mit Klimawandel-Aliens, Mülltüten-Außerirdischen und Trenn-deine-Rohstoffe-ETs zu „verzaubern“.

Wobei das reale Gefahr sogar aktuell ist. Nämlich eigenständige Drohnen zur Bekämpfung von Demonstrationen und/oder Aufständen zu benutzen. Doch leider agieren gerade die Bösewichte so platt und gedankenlos, dass einem die Gesellschaftskritik quasi im Schlumpfkostüm stecken bleibt. Wer die Bösen sooo eindimensional zeichnet, dass man sich als Zuschauer einbilden kann, niemals auf solche Deppen-Gedankler reinzufallen, nimmt weder die heutige Gefahr NOCH die fiktive Handlung ernst.

Zumal das alles so langsam erzählt wird, dass man beim beidseitigen Nasepopeln schon Erstickungssymptome bekommt. Konnte ich in vorherigen Staffeln oft der atemlosen Handlung und den schnellen Dialogen kaum folgen, so ist hier nun das Gegenteil der Fall: Jeder Dialog ist ca. 30% zu lang. Und jede Stimmungsszene mit wenig Gesprächen (= Gefängnis, erstes Aufsuchen des Geschäftsmannes, Geschäftsbesprechung, Labor…) würde ich sogar um 50% kürzen.

So hätte man den Doktor z.B. schon beim ersten Zeigen des Knastes zum Ausbruch zwingen können, während der schwarze Laborant bereits vom Dalek übernommen wird – statt irgendwelche Politiker beim sinistren Wald-Schwätzchen zu zeigen… („Der Steuerzahler soll entlastet werden.“ – Okay, gilt das auch für das Budget dieser Serie oder warum glotze ich auf Regenschirme und Autoscheinwerfer?)

So wäre vermieden worden, dass der Zuschauer nach fast 25 Minuten so schwarze Augenränder wie Yaz hat, die seit Wochen versucht, den Doktor zu retten – indem sie erfolglos Zettelchen an eine Wand klebt.

Auch nach der Enthüllung der kilometerhohen Dalek-Klon-Fabrik (hätte gerne gesehen, wie der EINE besessene Laborant die Arbeiter mittels Skype anleitet) geht es nur langsam voran. Ständig wird die Handlung unterbrochen, damit der Doktor z.B. die Mütze(!) eines Companions bewundern kann. Und der anarchistische Captain Jack philosophiert beim nächtlichen Spaziergang erneut über die Großartigkeit des Doktors, was Yaz natürlich mit großen Burnham-Äuglein bestätigt.

Überhaupt geht es ständig um irgendwelche Verluste oder um’s Vermissen („Buhuu, sie war 10 Monate weg, ich bin fast gestorben vor Schauspielunterricht Angst!“), was „witzig“ ist, weil WIR seit einiger Zeit ja ebenfalls auf spaßige Doktor-Storys verzichten müssen. Hier wäre es nett gewesen, mal EIN Thema rauszusuchen, statt Chibnalls Autorenteam dabei zuzusehen, wie sie sich selber der Bedeutung des Doktors zusammenzureimen versuchen… („Ist immer da, wenn man sie braucht?“ – „Aber geht dann oft weg, wenn man’s nicht will?“ – „Hm. Sie ist also immer da, bis sie weggeht?“)

Immerhin erklären uns die Autoren, wie die Fans mit den Enthüllungen rund um das „Timeless Child“ umzugehen haben:

„Einfach mal gucken.“
„Du bleibst ja trotzdem der Doktor, Doktor.“
„Du bist wütend, aber das gibt sich schon.“
„Dinge ändern sich (oder halt nicht).“

Einerseits nett, dass man die letzten Deppen-Enthüllungen in Form einer Therapiesitzung reflektiert, andererseits bleibt weiterhin der fade Nachgeschmack, dass man damals IRGENDEINE schockierende Enthüllung wollte. Hauptsache, es wurde jemand ausgenutzt? Stellvertretend für die misshandelten Kinder in Indien, Afrika und in jenem Nachbarhaus, in dem nachts immer so laut geschrien wird? – Ich finde nur weiterhin, dass man solche Themen besser über den „Planetenbesuch der Woche“ abhandeln kann.

Zumal die Heldin hier nix mehr reißen kann, außer schulterzuckend auf uralte Timelords zu zeigen und „Arschlöcher!“ zu murmeln.

Aber in Zeiten, in denen Picard sich selbst in Frage stellen muss, statt die egoistischen Anführer anderer Rassen, ist diese Dekonstruktion von Hauptfiguren wohl konsequent. Es wäre trotzdem nett, wenn man hierauf was NEUES aufbauen könnte (darf dann auch gerne aussehen wir FRÜHER), statt uns weiterhin durch diese Poesiealbum-Psychologie zu prügeln.

Im letzten Drittel kommt die Folge dann doch mal zu Potte: Der Doktor ruft eine riesiges Dalek-Raumschiff, auf dass die „unreinen“ Klon-Daleks von der eigenen Spezies dezimiert werden. Während der böse Industrielle sich in einem Anflug von Hirnschmelze zu den Aliens überläuft. Ja, das ist alles Over The Top, aber immerhin flott und unterhaltsam inszeniert.

Was lustigerweise mehr an Trump & Captain Jack liegt, als an dem doktorösen Trauergehabe im Selbst- und Fremderklärungswahn. – Tja… Leute, die ständig „Ihr seid alle meine beeesten Freunde“ faseln, sind zwar nützlich (zum Leihen von Autos oder TARDISen), werden aber selten mitgenommen, wenn die echte Party abgeht.

Lässt man das ganze Blabla und die Selbstfindung raus, bleibt in den letzten Minuten eine solide Episode, die früher eine normale Staffel-Folge gewesen wäre: Bombe ins Raumschiff schmuggeln, zwei Gastcharaktere wiedereinführen, kurzes Gespräch zum derzeitigen Befinden („In dieser Woche muss ich zwanghaft das Verhältnis zu meiner geplanten Hochzeit aufarbeiten.“) plus ein paar Deppen auf der Erde zeigen, die abermals mit außerirdischer Technologie rumspielen. Weil ja alle zwei-vier Staffeln der große RESET-Knopf im Volk gedrückt wird. („Ach, das ist also ein Dalek? Nie gesehen, so’n Teil!“)

Der stärkste Moment ist wohl jener, in dem die Daleks in eine Fake-TARDIS fliegen, um dort von einer Raumfalte ausgelöscht zu werden. Und ja, ich nehme das einfach mal so hin, dass da ALLE reingeflogen sind, die gerade über Großbritannien unterwegs waren. Bleibt einem bei einer Popkorn-Serie mit Ohne-Gehirn auch nichts anders übrig…

Der Abschied zweier Companions macht’s am Ende leider wieder dröge und trocken. All diese Sätze wie: „Ich weiß nun, dass mein Planet mich da draußen braucht. Und meine Baseball-Brothers sowieso!“ und „Ich will meine Enkelkinder noch sehen, bevor ich den Grauen Star bekomme!“ ließen mich so emotionslos zurück, dass mir fast die Tränen vor Rührung kamen… Äh, oder so ähnlich.

Hier ist weiterhin so wenig Chemie zwischen den Hauptfiguren, dass es nicht mal zur Konstruktion von Wasserstoff reicht. Da hilft es auch nichts, dass die Doktorin was von einem „lachenden und einem weinenden Herzen“ erzählt,. Oder man die ständigen Umarmungen mit kleinen Sprüchen zu konterkarieren versucht. („Bleib du ruhig beim Doktor, dann kann ich dir den Kühlschrank leerfressen, harhar.“)

Am Ende muss man sich wahrlich fragen, ob die Autoren neuerdings nur noch Mimosen ansprechen wollen, die bei jedem (temporären) Abschied denken, dass die andere Person STIRBT, sobald sie um die Ecke geht. Was in einer Raumzeit-Maschine doppelt seltsam wirkt. Besuche sind neuerdings ausgeschlossen, oder watt? Yaz und der Doktor guckten nämlich so verzweifelt, dass man sich fragt, wie der Timelord jemals jahrelang alleine unterwegs sein konnte, ohne vor Einsamkeit die Tapete vom Kommandoraum zu fressen.

Moment maaaal, da ist ja tatsächlich keine Tapete mehr…?

Und wieso konnte Ryan in den letzten zwei Staffel stets Klettern, Laufen und Springen, muss am Ende aber erneut über den Fahrradlenker fliegen? Will der sich nur seinen Behindertenzuschuss vom Amt sichern, oder was? („Guck mal, Frau Sachbearbeiterin. Grasflecken auf der Stirn!“)

Und was sollte das Bild der schwarzen Time-Lady bedeuten? Dass man alles SCHAFFEN kann, sobald man tot und vergessen ist? Oder hatte sie etwa zwei Stützräder in der Hand? So ein Hautfarben-Ding will ich da nämlich nicht unterstellen – da es in diesem Kontext schon seeehr oberflächlich und überflüssig wäre.


Fazit

Was als dröges „Will nicht schon wieder ein Special schreiben, Menno“-Special beginnt, nimmt kurz vorm Wertungskeller noch mal kurz Fahrt auf.

Lässt man das langweilige Geplauder über persönliche Befindlichkeiten („Geh nicht weg, bevor ich nicht fortgegangen bin, buhuuu!“) außen vor, so ist dies eine Folge, die sich in der Mitte einer regulären Staffel gut gemacht hätte.

Nichts Besonderes, wenig Neues, aber dafür ein Versöhnungsangebot an alle, die neben Pipifax-Persönlichkeitsentwicklungen einfach mal wieder ein Dalek-Raumschiff explodieren sehen wollten.

Eigentlich standen hier sogar bereits 2,5 Sterne, aber die letzten zwei Minuten haben leider meinen Kopf auf die Tastatur knallen lassen und 0,5 gelöscht.


Bewertung: 2 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

Daniel Klapowski

Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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