Rezension | Doctor Who und die Krikkit-Krieger | Buch

„Doctor Who und die Krikkit-Krieger“

„Doctor Who und die Krikkit-Krieger“
Erstveröffentlichung: 31.10.2016
Format: Hardcover
Seiten: 448 
Autoren: Douglas Adams, James Goss
Übersetzung: Axel Merz
ISBN: 978-3785726440

 

Der Doktor hat Romana versprochen, sie mit zum Ende des Universums zu nehmen. Ihre Erwartung ist also hoch – und wird bitter enttäuscht, als er sie nur zu einem Cricket-Spiel bringt. Doch während der Siegeszeremonie tauchen plötzlich 11 Gestalten in weißen Uniformen mit spitzen geschlossenen Helmen auf und schwingen schlägerförmige Waffen, die tödliche Lichtblitze verschießen. Die Krikkit-Roboter sind zurück.

Millionen Jahre zuvor hatten die Bewohner von Krikkit erfahren, dass sie nicht alleine im Universum sind (was sie bis dahin fest glaubten) – und beschlossen, die Realität ihrer Weltsicht anzupassen. So begann der erste Krikkit-Krieg, mit dem Ziel, alle Lebensformen im Universum auszulöschen. Nach einem langen, blutigen Kampf gelang es den Timelords schließlich, den Planeten Krikkit in einem Zeitlupenfeld einzuschließen, ein Gefängnis, das nur mit Hilfe eines Wicket-Schlüssels geöffnet werden kann, einem Gerät, das (zumindest in den Augen eines Menschen) wie ein übergroßer Cricket-Stab aussieht und sich aus fünf Teilen zusammensetzt.

Nun beginnt für Romana und den Doktor eine wilde Verfolgungsjagd quer durch die Galaxis in dem verzweifelten Versuch, die Krikkit-Krieger aufzuhalten und zu verhindern, dass sie alle fünf Teile des Schlüssels ausfindig machen und zusammensetzen, um ihr Volk zu befreien – was fatale Folgen hätte für das Leben, das Universum und den ganzen Rest …


Rezension

Von manchen Autoren findet man vergessene Manuskripte. Irgendwo, in verschlossenen Schubladen oder in privaten Bibliotheken. Douglas Adams war definitiv keiner von ihnen. Denn obwohl er sehr kreativ war, schrieb er meist langsamer als erwünscht. Doch nicht alles, was er skizzierte oder für andere Medien vorbereitete, fand zu Lebzeiten seinen Weg zwischen zwei Buchdeckel. Nachdem James Goss mit „Der Piratenplanet“ und „Stadt des Untergangs“ bereits zwei Drehbücher in Romanform umgewandelt hat, hat er mit „Doctor Who und die Krikkit-Krieger“ etwas ganz anderes betrieben: Schnitzeljagd und Reverse-Engineering.

Timelady Romana ist empört. Der Doktor hat sie schon zu vielen Orten im Universum geschleift. Aber noch niemals zu einem Cricket-Spiel. Doch wie so oft hat eine seltsame Aktion des Doktors einen tieferen Hintergrund. Denn im Zuge des Spiels treffen die seltsamen Krikkitmen ein, welche die Ashes, Teil einer legendären Trophäe, stehlen wollen, um anschließend das ganze Universum zu vernichten. Natürlich ist das etwas, das der Doktor nicht goutiert. Gemeinsam mit Romana und K-9 begibt er sich auf ein Wettrennen quer durch Zeit und Raum, um die weiteren Bestandteile, denen die unbarmherzigen Roboter nachjagen, vor ihnen zu finden. Was gar nicht so einfach ist.
Ganz nebenbei wird die die Rolle des unbeliebtesten Volks der Geschichte des Universums aufgerollt, ein Supercomputer, der die Ultimative Waffe erschaffen sollte, ein Volk von Xenophoben und nicht zuletzt ein Gott spielen eine wichtige Rolle. Ob ein geschickter Bluff, ein Filzstift und gerade geborene Alien-Zwillinge die Schöpfung doch noch einmal retten können?

Die Geschichte dieses Buchs wird in so vielen Versionen erzählt, dass man kaum mehr weiß, was wahr ist und was falsch. Tatsächlich handelte es sich nicht um eine abgelehnte (reguläre) Folge von Douglas Adams, sondern um die Pläne für einen TV-Film. Und ja, Teile flossen in die „Anhalter“-Reihe ein, darunter auch die Krikkitmen. Und viele vermuteten, dass es vermutlich nur einige Seiten an handschriftlichen Notizen gab. Doch tatsächlich waren es sogar 33 eng beschriebene A4-Seiten, die den kompletten Handlungsbogen umrissen. Genug Stoff für James Goss, der sich bereits vorher eingehend mit dem Schreibstil von Douglas Adams auseinandergesetzt hatte und zusätzlich verschiedene Stellen aus anderen Werken verwendete. So entstand der vorliegende Roman, der sich etwa bis zur Hälfte tatsächlich so liest, als hätte ihn Douglas Adams verfasst. Erst dann bekommen die Kapitel eine gewisse Länge, die Handlung wiederholt sich etwas und der rasante Stil lässt etwas nach. Dennoch wird die Geschichte dem vierten Doktor, Romana, K-9 und auch Douglas Adams über weiter Strecken sehr gut gerecht. Insofern kann man das Werk all jenen empfehlen, die Doctor Who mögen, den vierten Doktor mitsamt seiner kompliziertesten Begleitung, und auch Douglas Adams. Insbesondere die Vergleiche, die für Gallifrey, die Timelords und kosmische Ereignisse herangezogen werden, sind aberwitzig. Allein dafür lohnt es sich bereits, diesen Roman zu lesen.

„Doctor Who und die Krikkit-Krieger“ ist eine Adaption von Douglas Adams‘ Entwurf für einen Doctor Who Fernsehfilm durch James Goss. Nachdem er sich bereits vorher eingehend mit dem bereits verstorbenen Autor beschäftigt hatte, fällt es Goss erstaunlich leicht, einen Schreibstil zu führen, der Adams wirklich gerecht wird. Das Buch ist über weite Strecken gelungen und sehr unterhaltsam, auch wenn der kundige Leser schon im Vorfeld vermuten kann, wie viele Kapitel der Roman wohl haben würde.


Diese Rezension ist im Original bei Janetts Meinung zu finden.



 

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Stefan Cernohuby
Redakteur
Geboren 1982 in Wien, studierte Elektronik und ist nach einem mehrjährigen arbeitsbedingten Auslandsaufenthalt wieder in seiner Heimatstadt ansässig. Er war er zwei Jahre lang als leitender Redakteur für ein internationales Magazin ist auch heute noch als (Chef)Redakteur für mehrere bekannte deutschsprachige Onlineredaktionen aktiv. Zudem hat er bereits sieben Anthologien herausgegeben und zahlreiche weitere Werke veröffentlicht.
Stefan Cernohuby

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Geboren 1982 in Wien, studierte Elektronik und ist nach einem mehrjährigen arbeitsbedingten Auslandsaufenthalt wieder in seiner Heimatstadt ansässig. Er war er zwei Jahre lang als leitender Redakteur für ein internationales Magazin ist auch heute noch als (Chef)Redakteur für mehrere bekannte deutschsprachige Onlineredaktionen aktiv. Zudem hat er bereits sieben Anthologien herausgegeben und zahlreiche weitere Werke veröffentlicht.

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