Paukenschlag bei der BBC: Die Zukunft von Doctor Who nimmt nun ganz offizielle, konkrete Formen an. Das angekündigte Ausschreibungsverfahren (Tender Process) für die nächste Ära ist jetzt offiziell gestartet. Das veröffentlichte Dokument enthüllt spannende Details – zeigt aber auch, dass Fans sich auf eine lange Wartezeit einstellen müssen.
Es wurde in den vergangenen Monaten viel spekuliert, diskutiert und gerätselt. Seit dem vorzeitigen Ende der Zusammenarbeit mit Russell T Davies und dem gestrichenen Weihnachtsspecial war bereits bekannt, dass die BBC die Zukunft der Serie neu ausschreiben möchte – wir berichteten ausführlich darüber. Nun ist das Ausschreibungsverfahren (die sogenannte Invitation to Tender) jedoch ganz offiziell gestartet, und die detaillierten Unterlagen liegen vor.
Das veröffentlichte Ausschreibungsdokument gibt uns seltene, faszinierende Einblicke in die Pläne des britischen Sendergiganten – und zeigt, wie sich die Kult-Sci-Fi-Serie neu erfinden soll. Wir dröseln für euch auf, wie es dazu kam, was die BBC exakt sucht und worauf wir uns als Fans einstellen müssen.
Wie es dazu kam: Das Ende der Disney-Ära und die BBC-Charta
Um die aktuelle Situation zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die jüngste Geschichte der Serie. Mit der Verpflichtung von Russell T Davies für die 60. Jubiläumsspecials und die zwei Staffeln mit Ncuti Gatwa als 15. Doktor schloss die BBC einen beispiellosen Deal mit Disney+ ab. Disney fungierte als internationaler Co-Produzent und Streaming-Partner außerhalb Großbritanniens, was der Serie ein nie dagewesenes Budget und cineastische Visual Effects bescherte.
Diese Partnerschaft endete jedoch wie geplant nach zwei Staffeln und dem Spin-off The War Between the Land and the Sea. Nachdem feststand, dass die Zusammenarbeit nicht fortgeführt wird, übernimmt die BBC wieder das alleinige Ruder. Zudem verpflichten die Bestimmungen der BBC-Charta (BBC Charter & Agreement) den Sender dazu, wichtige Sendereihen in regelmäßigen Abständen für unabhängige Produktionsfirmen neu auszuschreiben, um fairen Wettbewerb zu garantieren. Genau dieser Moment ist jetzt gekommen.
Was bedeutet der Tender-Prozess genau?
Ein „Invitation to Tender“ (ITT) ist ein förmliches Wettbewerbsverfahren. Die BBC lädt qualifizierte unabhängige Produktionsfirmen ein, ihr kreatives und finanzielles Konzept für die Zukunft der Serie vorzulegen. Es handelt sich hierbei um eine Auftragsarbeit („Work for hire“): Die BBC behält sämtliche Marken- und Ausstrahlungsrechte sowie die Hoheit über das Doctor Who-Franchise.
Die Rahmenbedingungen der Ausschreibung enthalten einige Überraschungen:
- Umfang des Vertrags: Die Ausschreibung umfasst zunächst fest eine volle Staffel (multi-episodic series) inklusive Specials. Die BBC sichert sich jedoch die Option, den Vertrag nach eigenem Ermessen um eine zweite Staffel zu verlängern.
- Episodenanzahl & Format: Hier lässt die BBC bewusst viel Spielraum. Es gibt keine starre Vorgabe zur Folgenanzahl. Bewerber können sowohl fortlaufende, zusammenhängende Geschichten (serialised) als auch klassische Einzelfolgen (story-of-the-week) vorschlagen.
- Kein Zwang zum Showrunner-Modell: Das ist eine bahnbrechende Neuerung! Seit dem Relaunch 2005 wurde die Serie stets von einem dominierenden Showrunner (RTD, Steven Moffat, Chris Chibnall) geprägt. Die BBC betont nun explizit, dass man „nicht notwendigerweise nach einem strikten Showrunner-Modell“ sucht. Auch eine Struktur mit variierenden Episoden-Autoren ist ausdrücklich erwünscht.
- Produktionsstandort Wales bevorzugt: Die Produktion muss als regionale Produktion außerhalb Londons qualifiziert sein. Die BBC nennt hier eine klare Präferenz für Wales als Produktionsbasis.
Kreative Vision: Was die BBC vom neuen Doktor erwartet
In den Ausschreibungsunterlagen formuliert die BBC sehr genau, welchen Ton und welche Inhalte sie sich von den Bewerbern wünscht. Gesucht wird eine „neue Perspektive“, die sich mutig, relevant und frisch anfühlt, ohne die Grundwerte der Serie zu verraten:
Die Kernanforderungen der BBC im Überblick:
- Gute alte „Behind the Sofa“-Schrecken: Die Folgen sollen Spannung, Gefahr und echten Grusel bieten, dabei aber weiterhin als Unterhaltung für die ganze Familie funktionieren.
- Der Doktor & Companions: Zum Geschlecht des Doktors schweigt das Dokument bewusst (es wird genderneutral nur von „the Doctor“ gesprochen). Bietende müssen ihre eigene Vision der Hauptfigur einreichen. Pflicht ist jedoch mindestens ein vollständig ausgearbeiteter Companion als Identifikationsfigur für das Publikum.
- Balance bei Monstern & Lore: Klassische, ikonische Schurken aus 60 Jahren Seriengeschichte dürfen vorkommen. Die BBC fordert aber explizit neue Aliens, Charaktere und Themen und warnt davor, sich zu sehr auf die bestehende Doctor Who-Lore zu verlassen.
- Diversität & Talentförderung: Produktionsteams müssen eine Diversitätsquote von mindestens 25% erfüllen sowie Konzepte vorlegen, wie gehörlose, behinderte und neurodivergenten Talente vor und hinter der Kamera gefördert werden.
Der Fahrplan: Wann kehrt Doctor Who zurück?
Der Entscheidungsprozess hinter den Kulissen läuft ab sofort auf Hochtouren, ist jedoch gründlich strukturiert:
| Datum | Meilenstein im Tender-Prozess |
|---|---|
| 2. Oktober 2026 | Schluss der ersten Teilnahmephase (Eligibility Deadline) |
| November 2026 | Bekanntgabe der Engeren Auswahl (Shortlist) |
| Dezember 2026 | Einreichung der detaillierten Bids und Pitch-Konzepte |
| Januar 2027 | Interviews und Gespräche mit den finalen Bietern |
| März 2027 | Offizielle Verkündung der siegreichen Produktionsfirma |
Ausstrahlung erst 2028 / 2029: Für uns Fans bedeutet dieser Zeitplan vor allem eines: Geduld. Die BBC nennt in der Ausschreibung das Zieljahr 2028/2029 für die Ausstrahlung der neuen Ära. Da der Zuschlag erst im Frühjahr 2027 erfolgt, müssen im Anschluss Verträge geschlossen, Drehbücher verfasst, Sets gebaut und Rollen besetzt werden. Eine Drehabwicklung ab Ende 2027 / Anfang 2028 macht eine Rückkehr im Laufe des Jahres 2028 zur realistischsten Option.
Fazit: Chance auf einen echten, frischen Neustart
Auch wenn eine mehrjährige Pause für Whovians schmerzhaft klingt, birgt dieser Schritt enorme Chancen. Die BBC verschließt sich nicht vor neuen Ideen und geht bewusst weg von festgefahrenen Strukturen. Der Verzicht auf einen strikten Showrunner-Zwang könnte frischen Wind durch wechselnde Autorenteams bringen. Gleichzeitig sorgt die Vorgabe, sich nicht zu stark in bisherigen Lore-Geflechten zu verfangen, dafür, dass auch neue Einsteiger ohne Enzyklopädie-Wissen wieder abgeholt werden können.
Wir von Whoview.de bleiben für euch am Ball und berichten, sobald im März 2027 der weiße Rauch über der neuen TARDIS-Produktionsstätte aufsteigt!
Ich bin seit fast 20 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.




