Review | Torchwood – 2×08 | Aus dem Leben eines Toten (A Day in the Death)

TORCHWOOD

„Aus dem Leben eines Toten“
(„A Day in the Death“)


Erstausstrahlung DE: 29. Juli 2009
Erstausstrahlung UK: 27. Februar 2008

Drehbuch: Joseph Lidster
Regie: Andy Goddard
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Richard Stokes, Chris Chibnall

Captain Jack Harkness: John Barrowman
Gwen Cooper:
Eve Myles
Ianto Jones:
Gareth David-Lloyd
Owen Harper:
Burn Gorman
Toshiko Sato:
Naoko Mori
Rhys Williams:
Kai Owen


Owen trifft auf dem Dach eines hohen Gebäudes auf die junge Maggie Hopley, die sich durch einen Sprung in die Tiefe das Leben nehmen will. Bevor sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, verwickelt Owen sie in ein Gespräch. Er berichtet ihr davon, dass er zu einer Existenz als lebender Toter verdammt ist – unfähig, Schmerz zu empfinden oder zu atmen. Zudem wurde er von Jack von seinen Aufgaben entbunden und durch Martha Jones ersetzt. Und dies ausgerechnet jetzt, wo auf dem streng abgeschirmten Anwesen eines steinalten Millionärs hohe Strahlungswerte verzeichnet werden, die auf ein möglicherweise gefährliches außerirdisches Artefakt hinweisen. Unbemerkt auf das Grundstück zu gelangen, scheint unmöglich, denn überall sind Wärmesensoren aufgestellt. Das Torchwood-Team ist ratlos, bis Owen darauf hinweist, dass er als Toter keine Körperwärme ausstrahlt und unbemerkt an den Alarmanlagen vorbeispazieren kann. Gesagt, getan: Owens Plan geht auf, und im Inneren des Gebäudes trifft er auf den im Sterben liegenden Besitzer. Dieser ist fest davon überzeugt, dass einzig und allein sein kristallförmiges Artefakt ihn bisher am Leben erhalten hat. Owen muss seine gesamte Überzeugungskraft aufbieten, um den Mann zur Herausgabe des Artefakts zu bewegen – denn nach Ansicht des Torchwood-Teams könnte der Kristall jederzeit mit verheerender Wirkung explodieren … (Text: RTL II)


Anmerkung: Diese Review wurde ursprünglich 2009 veröffentlicht. Sämtliche zeitorientierten Diskrepanzen und/oder altbackenen Anspielungen sind mit einem Lächeln zu genießen.

Inhalt: Owen ist immer noch tot und deshalb mies drauf. Jack lässt ihn an keinem Gerät mehr arbeiten, das OHNE Filtertüte funktioniert und behandelt Owen wie einen Außenseiter. Und Sex macht ohne Blutkreislauf auch keinen Spaß mehr. Dreht der Mann gar durch? (Ich meine Owen. – UND Jack!)

Review

Tot sein ist der blödeste Stimmungskiller seit der Erfindung von „Wieder nüchtern werden“!

Diese Episode fängt inhaltlich da an, wo die letzte endete. Nur mit dem Unterschied, dass der leibhaftige Sensenmann inzwischen wieder seinem Zweitjob als Kindererschrecker in der lokalen Geisterbahn angetreten hat und nicht mehr mit knochigen Füßchen deplaziert in einer Charakterstory herumtapst.

Die Grundidee ist ja nach wie vor sehr interessant: Was sind eigentlich die Nachteile, wenn man nicht mehr essen, atmen, ficken und aufs Klo gehen kann? Die ersten drei Dinge hat man vielleicht – sofern man in einer eher eingefahrenen Beziehung lebt – sowieso schon seit einiger Zeit gleichzeitig erledigt, um das Unangenehme mit dem Unnützen zu verbinden. Wenn man dieser Story glauben mag, ist tot sein (und danach trotzdem weiter herumlaufen) aber in jeglicher Hinsicht ein haltungsloser Zustand: Man fühlt rein nichts mehr und rutscht somit auf der Männlichkeitsskala auf Werte, die auch in Kegelclubs und NPD-Parteitagen nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert werden.

„Du lebst für immer und ich werde für immer sterben! Welche Ironie!“ sagte Owen an einer Stelle seinem Dienstherren Jack, was zusammen mit einigen anderen Dialogzeilen in dieser Richtung zu den besseren Gesprächen der Serie gehörte. Und das will schon was heißen, beschränkte sich Torchwood ja meistens auf „Das Gefühl der Woche“ („Hui, Heute bin ich mal in einen Soldaten aus dem Jahre 1918 verknallt!“), das dann dank mentaler Abwrackprämie schnell wieder gegen ein neues eingetauscht werden konnte…

Und zum ersten Mal war mir Owen auf seine oberarschige Weise fast so was wie Proto-Sympathisch! – Eine evolutionäre Frühform der „Figur ist ganz Okay“-Sympathie. Aber ich solidarisiere mich ja auch generell gerne mit Leuten, die vom Chef mit einer Zahnbürste zum Lokusschrubben geschickt werden. – Und Jack war auch dieses Mal wieder auf dem zwischenmenschlichen Stand eines Abteilungsleiters, der nach 42 Jahren im Dienst plötzlich meint, altgediente Kollegen zu Archivarbeiten verdonnern zu müssen, weil er nach dem 3. Rotweinpulle erstmals von einer möglichen Konkurrenzsituation phantasiert hat…

„Weißt Du: Sterben ist gar nicht sooo schlimm, so lange mich eine streng geheime Alienjägertruppe ein paar außerirdische Lichttentakel gut sichtbar über die ganze Stadt spannen lässt.“ – „Stimmt, DAS ist wirklich schlimm!“ – Ausstrahlung à la Torchwood: Lieber tot und gepflegt als lebendig und trotzdem nach Körpergeruch miefend. – Dicke Trekkies sollten sich an Owen also ein olfaktorisches Beispiel nehmen!

Dass Jack den Untoten vom Dienst suspendierte, war ja generell Okay, aber diese Paragraphenreiterei (wo „die“ Paragraphen noch nicht mal männlich sind und daher von Jack nicht beritten werden sollten) war ja wohl lächerlich! Kein nettes oder tröstliches Wort, sondern nur ein „Das sind die Vorschriften“ quälte der Waschbrettbauch-Wüstling aus sich heraus, ungeachtet der Tatsache, dass niedergeschriebene Vorschriften bei Torchwood generell nur dazu da sind, um Ianto als Ersatz-Kaffeefilter für seinen schwulen Bewirtungswahn zu dienen. – Und dass Owen tatsächlich als Heißgetränkmischer missbraucht wurde, lag dann doch etwas platt und mittig auf der plakativen „Er gehört nicht mehr richtig dazu, seht mal!“-Skala herum.

Das Ende riss allerdings noch mal einiges heraus, als Owen einem sterbenskranken Mann erklären musste, dass der Tod in all seiner dunklen Lebensabwesenheit vielleicht doch besser ist, als sich im Dunkeln in die Pampers zu pissen. Auch wenn das pulsierende Alien-Ei (/ Riesenpopel? / Godzillas Gallenstein?), an das sich der Alte klammerte, natürlich nur deswegen in das Drehbuch eingeführt wurde, um Owen die schönen und interessanten Seiten seines Jobs vor Augen zu führen. Nämlich die Alienartefakte wieder mal auf dem Fahrrad-Gepäckträger durch die Stadt zu karren und sie allen Zivilisten zu zeigen, die nicht schnell genug vom Hochhausdach springen können. Wobei die Selbstmord-Tussi, welcher die Geschichte in Rückblicken erzählt wird, die Handlungsfäden sogar recht gut zusammenhält.

Wirklich tiefgründig und (psychologisch) ausgefeilt war die Story jetzt zwar nicht (wieso kann ein wandelnder Toter z.B. keine Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen? Zum Reden reichte die Lungenkapazität doch auch?), aber wir reden hier ja auch von Torchwood, nicht vom Sonderheft „Psychologie Aktuell“, Thema „Der Untote im Wandel der Gezeiten“.


Fazit

Die zweite „Als Zombie schmeckt die eigene Zunge irgendwie nach Hühnchen“-Geschichte in Folge bietet eine zufriedenstellende Performance jenseits störender Verwesungsanzeichen. In der nächsten Episode sollte man Owen dann aber entweder gänzlich umkippen lassen oder sein Schicksal nicht mehr so in den Mittelpunkt stellen. Denn mehr als 100 Minuten „Buhuu! Ich würde so gerne mal wieder kacken können!“-Gesallere hält nicht mal der Gaga-gestählteste Voodoo-Priester aus.


Bewertung: 3,5 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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