Rezension | Doctor Who – Das Kind von den Sternen | DVD

Rezension | Doctor Who – Das Kind von den Sternen | DVD

Wir hatten jetzt schon mehrere Veröffentlichungen von neuen klassischen Doctor Who Folgen auf Deutsch – und trotzdem ist diese hier eine ganz Besondere. Wo Pandastorm Pictures mit den herausgepickten Folgen des fünften Doktors gefühlt noch etwas mit den Sicherheitsgurten fuhr, indem sie einen jungen, dem deutschen Publikum möglicherweise bekannteren Doktor (sowohl vom Charakter des Doktors, als auch vom Darsteller her), einen bekannten Companion und Folgen in Farbe gewählt haben, begibt sich Polyband hingegen auf komplett neues Terrain und veröffentlicht mit „Das Kind von den Sternen“ die allererste Doctor Who Folge, die es gibt. Der übergreifende Titel des Sammelschubers „Wie alles begann“ ist hier nicht nur ein Werbespruch, sondern absolut wahr. Das ist der Anfang einer Serie, die inzwischen ins 55. Jahr geht und deren Popularität weiterhin ungebrochen ist. Die britische Erstausstrahlung war am 23. November 1963 und jetzt, offiziell am 27. April 2018, fast 55 Jahre später, bekommen wir diese Folge endlich auch auf Deutsch zu sehen. In schwarz-weiß, in einer wunderschönen Aufmachung und dem tatsächlichen Gefühl, hier etwas Neues und Besonderes zu haben.

„Doctor Who – Das Kind von den Sternen“ könnt Ihr hier auf DVD bestellen.


Doctor Who – Das Kind von den Sternen

Veröffentlichungsdatum: 27. April 2018 (Limitierte Sammlerausgabe) | 29. Juni 2018 (DVD)
Darsteller: William Hartnell, William Russell, Jacqueline Hill, Carole Ann Ford
Bildformat: 4×3
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0) | Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch | Englisch
Laufzeit: 100 Minuten
Produktionsjahr: 1963
FSK: 12
EAN: 4006448767983


Aufmachung & Inhalt

„Das Kind von den Sternen“ erscheint in einem sehr schönen Digipak, welches dem Digipak der „Das Abenteuer in Raum und Zeit“-Collectors Edition gleicht. In der limitierten Sammlerausgabe liegt noch der „Wie alles begann“ Pappschuber bei, in dem später auch die noch erscheinenden „Die Daleks“ und „Am Rande der Vernichtung“ einsortiert werden können. Die Qualität ist gut, wenn sie auch nicht so hochwertig erscheint wie die Mediabooks von Pandastorm Pictures. Das Design steht hingegen dem der Konkurrenzveröffentlichungen in nichts nach.

Neben der DVD liegt noch ein Booklet und der Beleg mit der Limitierungsnummer bei. Es ist ein wenig schade, dass die Limitierung einzig durch den Schuber und den beigelegten Zettel erkennbar ist – und nicht auf die Box selbst gedruckt ist. So ein kleiner Zettel kann durchaus auch verloren gehen und ausgetauscht werden, was den Gesamteindruck etwas billiger erscheinen lässt. Die Limitierung der Sammlerausgabe ist mit 3000 Stück doppelt so hoch als bei den limitierten Mediabooks von Pandastorm Pictures.

Folgendes Bonusmaterial ist vorhanden:

  • Audiokommentare
  • Bildergalerie
  • Titelvorspann
  • Sketche
  • Grußbotschaft von Michael Schwarzmaier
  • The Doctors Revisited: The First Doctor
  • Trailer

Die berühmte „fünfte Folge“, also der nie ausgestrahlte Pilot von Doctor Who, ist leider nicht vorhanden auf der deutschen DVD.


Menü

Das Menü ist optisch sehr ansprechend gestaltet und führt das Coverkonzept nahtlos fort. Im rechten Bereich sehen wir kurze Szenen aus den 4 Episoden dieser Folge und im Hauptmenü kann man über insgesamt fünf Optionen entweder alles abspielen, die Episoden auswählen, zu den Einstellungen gelangen, das Trailer-Menü öffnen oder zu den Extras gelangen, wo sich das Bonusmaterial befindet.


Bild

Das Bild basiert auf den britischen DVDs und glänzt durch eine tadellose Restaurierung und Aufarbeitung. Das Bild zeigt natürlich die typischen Krankheiten, die sich durch die Art der Aufnahme – auf Videotapes statt Filmband – selbst in der DVD Verarbeitung nicht vermeiden lassen, was aber der Produktion zu schulden ist und somit nicht ins Gewicht fallen darf bei der Beurteilung. Außerdem ist dies eine schwarz-weiß Veröffentlichung aus dem Jahre 1963, was man dem Bild natürlich auch ansieht.


Ton & Untertitel

Die Tonspuren liegen sowohl in der deutschen, als auch der englischen, Version im Dolby Digital 2.0 Format vor. 

Der 2.0 Ton klingt, durch das Stereoformat, ein wenig bassarm, was aber dem Format geschuldet ist.

Es liegen wieder englische und deutsche Untertitel für das gesamte Material, inkl dem Bonus, vor.


Synchronisation

Was war ich skeptisch. Ich muss hier vorweg nehmen, dass ich nach wie vor zu denen gehöre, die sich für die Doktoren 1-5 neue Sprecher gewünscht hätten. Michael Schwarzmaier in allen Ehren, aber mir persönlich wäre es lieber, dass jeder Doktor eine andere Stimme hat, wie im Original auch. Vor jeder Veröffentlichung habe ich deswegen die Befürchtung, dass mich die immer gleichbleibende Stimme rausreissen wird, so dass ich die Folge auf deutsch nicht genießen kann. Und was haben wir hier? Die vierte neue deutsche Classic-Veröffentlichung und wieder Michael Schwarzmaier als Doktor (erstmals regulär auf den ersten Doktor, Cameos und Multidoktoren Folgen nicht mitgezählt). Ich sehe dies und trotz all meinen Wünschen, Zweifeln und bösen Vorahnungen, komme ich nicht umhin zu sagen, wie gut mir das wieder gefallen hat. Und das, obwohl mich der Trailer im Vorfeld so gar nicht überzeugen konnte.

Ich gebe zu, ich habe durchaus ein paar Minuten gebraucht, was aber durchaus auch daran liegen kann, dass ich diese Folge wesentlich öfter schon im Original gesehen habe, als die Folgen des fünften Doktors, der in meiner Rangliste ja generell ganz am Ende rangiert. Aber als die Gewöhnung, deutlich schneller als erwartet, eintraf, war ich überrascht und erleichtert, wie gut Schwarzmaier hier klingt. Gerade die arroganten Züge des ersten Doktors liegen Schwarzmaier offenbar sehr gut und so springt er durchaus beachtlich, wie William Hartnell im Original, zwischen arrogant, verspielt und besorgt hin und her – und passt. Wobei man dazu sagen muss, dass er nicht wirklich die Art zu Sprechen imitiert, die Hartnell im Original an den Tag gelegt hat, sondern dem ersten Doktor seine eigene Note gibt – das mag nicht jedem gefallen, ist aber qualitativ trotzdem überzeugend.

Wer vom Hauptcast der Sprecher aber besonders hervor sticht, ist Marcus Off als Ian Chesterton. Von der ersten Sekunde an hat man das Gefühl „Ja, das ist Ian!“. Off, der u.a. Johnny Depp als Jack Sparrow in den ersten drei Fluch der Karibik Filmen sprach, ist eine der bekanntesten Stimmen, die wir bisher in den neu angefertigten Synchronisationen von Metz-Neun Synchro hören durften – und er macht seinen Job fantastisch. Seine beiden Kolleginnen, Gundi Eberhard und Demet Fey, die Barbara Wright und Susan Foreman sprechen, machen auch einen sehr guten Job – wobei ich bei beiden durchaus 2-3 Episoden gebraucht habe, bis sie für mich funktionierten. Gerade Fey als Susan klingt dem Original, trotz einer guten schauspielerischen Leistung, nicht wirklich ähnlich. Dies dürfte aber wirklich nur meiner Gewöhnung geschuldet sein und nicht ins Gewicht fallen in dieser Beurteilung. Alle Sprecher machen ihre Sache sehr gut. Die Nebendarsteller, die hier auf den Höhlenmenschen besetzt wurden, sind durch die Bank weg klasse. Es gibt hier nichts auszusetzen.

Man hat sich entschieden ein leichtes Rauschen und einen Filter auf die Tonspur zu legen, der den Sound authentisch zum alten schwarz-weiß Bild der 60er Jahre erscheinen lässt. Auch hier habe ich ein wenig gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, da der Sound für meine Ohren etwas künstlich klang. Allerdings ist mir durchaus bewusst, dass ohne eine solche Machart der Kontrast von Bild und Ton viel zu stark wäre und dem Release die Authentizität nehmen würde. Im Endeffekt war ich froh über die Entscheidung, den Ton künstlich auf alt zu trimmen – ansonsten wäre der Schuss womöglich nach hinten losgegangen.

Bleibt am Ende noch die Übersetzung zu erwähnen. Diese ist, wie aus den anderen Veröffentlichungen gewohnt, sehr gut gelungen, wenn sie auch die eine oder Stelle hat, die mir persönlich sauer aufgestoßen ist. Wie z.B. als Susan das Backronym „TARDIS“ mit „Trips aufgrund relativer Dimensionen im Sternenzelt“ betitelt. Diese Übersetzung stammt aus „Doctor Who – Der Film“ und wurde seit dem nie wieder verwendet. Anders als die Erwähnung der Zeitwanderer in „Die Auferstehung der Daleks„, welches als Hommage an die alte Synchro verstanden werden kann und nicht die definitive Bezeichnung der Time Lords in den neuen Veröffentlichungen nichtig macht, handelt es sich hier um eine eher unglückliche Wahl. Alle deutschen Übersetzungen, seit der neuen Serie, belassen die Bezeichnung im Original. Egal ob in Büchern, Comics, CDs oder ähnliches. Warum man hier einen Bogen schlagen musste, zu einer eher seltsam klingenden Übersetzung aus einem Film, dessen Synchronisation allgemein von minderer Qualität ist, ist mir schleierhaft. Durch die starke Zusammenarbeit mit den (alteingesessenen) Doctor Who Fans laufen die deutschen Produzenten durchaus auch Gefahr über das Ziel hinauszuschießen und etwas zu viel auf die Fanliebe zu setzen. Es gibt sicherlich eine Handvoll Fans, die sich über diese Übersetzung freuen – der Rest, der meiner Einschätzung nach aber weit in der Überzahl sein dürfte, schlägt sich aber womöglich die Hände über den Kopf zusammen und fragt sich, was der Blödsinn soll. Wir wollen ja auch nicht die „Herren der Zeit“ hören, wie die Time Lords im selben Film übersetzt wurden – oder gar die Kybermänner zurückhaben. Hier kann ich nur hoffen, dass die Übersetzung in Zukunft etwas weniger experimentierfreudiger ist und lieber gut klingende, moderne, logische und längst etablierte Übersetzungen nutzt, statt eher peinliche, die es mal vor 20 Jahren in einer Billigproduktion gab.

Der letzte Absatz hier klingt durchaus sehr negativ, deswegen möchte ich hier nochmal deutlich machen, dass ich mit der Synchronisation von „Das Kind von den Sternen“ aus dem Hause Metz-Neun Synchro sehr zufrieden bin. Qualitativ hochwertig, mit guten Sprecherleistungen und eine Übersetzung, die vielleicht an wenigen Stellen, für meinen Geschmack, gewöhnungsbedürftig ist, aber trotzdem sehr gut und Originalgetreu.

9/10 Punkte

Michael Schwarzmaier grüßt aus dem Synchronstudio.


 Fazit

„Das Kind von den Sternen“ in der limitierten Sammlerausgabe, ist vermutlich eines der ganz großen Highlights, die uns Doctor Who dieses Jahr bietet. Endlich gibt es die allererste Doctor Who Folge auf Deutsch und dann ist diese auch noch optisch so ansprechend. Ich sage meistens, dass die rezensierten Releases in keinem Regal fehlen dürfen – hier setze ich noch gefühlt hundert Ausrufezeichen dahinter. Es ist ein fantastisches Release, was wirklich Lust auf mehr macht. Man darf sich allerdings nicht davon abschrecken lassen, dass 3 der 4 Episoden dieser Folge eine eher durchschnittliche Geschichte um Höhlenmenschen und deren Suche nach Feuer darstellen. Wie es anders nicht sein kann, wird es natürlich nur besser – und das schon mit dem nächsten Release „Die Daleks“, welches die erste Folge mit den ikonischen  und titelgebenden Blechbüchsen darstellt. Eine uneingeschränkte und ausdrückliche Kaufempfehlung!


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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
André McFly

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Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.

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AndiMax HoffmannAnn Kathrin Recent comment authors
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Ann Kathrin
Dalek

Cool, jetzt kann ich es fast gar nicht mehr erwarten, bis das auch bei mir ankommt.
Noch eine endlos lange Woche.

Max Hoffmann
Dalek

Kein Pilot? Oo Das ist ein rießiger Makel für mich.

Andi
Dalek
Andi

Wenn Untertitel für das gesamte Material vorliegen – wo sind dann die Untertitel für die Audiokommentare?!