Der kosmische Landstreicher
Heute erinnern sich Whovians weltweit an einen der wichtigsten Schauspieler der Seriengeschichte: Patrick Troughton.
Der am 25. März 1920 geborene Brite hätte heute seinen 106. Geburtstag gefeiert. Als zweiter Doktor hatte er die wohl schwerste Aufgabe von allen: Er musste beweisen, dass die Serie auch ohne ihren ursprünglichen Star überleben kann.
Vom Kanonenboot zur TARDIS
Patrick Troughton war ein Mann vieler Talente. Vor seiner Schauspielkarriere diente er im Zweiten Weltkrieg in der Royal Navy und kommandierte ein Kanonenboot in der Nordsee. Nach dem Krieg wurde er zu einem der ersten großen TV-Stars Großbritanniens und spielte 1953 sogar den allerersten Robin Hood der Fernsehgeschichte.
Er war ein klassischer Charakterdarsteller, der es hasste, auf einen Typ festgelegt zu werden. Er mied Interviews und das Rampenlicht, wo er nur konnte ("Ich bin nur ein Jobbing Actor"), was ihm eine aura des Mysteriösen verlieh, die perfekt zu seiner späteren Paraderolle passte.
Die Geburt der Regeneration
Als William Hartnell die Serie 1966 aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, stand Doctor Who vor dem Aus. Troughton trat die Nachfolge an, entschied sich aber bewusst gegen eine Imitation.
Statt der Autorität eines Großvaters brachte er Chaos, Witz und Anarchie in die Rolle. Sein Doktor, oft als "Kosmischer Landstreicher" (Cosmic Hobo) bezeichnet, spielte oft den Narren, um seine Gegner in Sicherheit zu wiegen, nur um sie dann mit messerscharfem Verstand zu überlisten. Er etablierte das Konzept der Regeneration (damals noch "Erneuerung" genannt) und sicherte so das Überleben der Serie für die nächsten Jahrzehnte.
Ein Meister des Horrors & Films
Neben Doctor Who war Troughton ein gefragter Darsteller, besonders in düsteren Rollen:
- Hammer Horror: Er spielte in Klassikern wie "Dracula – Nächte des Entsetzens" und "Frankensteins Höllenmonster" mit.
- Das Omen (1976): In diesem Horror-Klassiker spielte er den unglückseligen Priester Father Brennan, der eines der spektakulärsten Film-Enden erleidet.
- Sindbad und das Auge des Tigers (1977): Hier verkörperte er den weisen Melanthius (übrigens an der Seite seines Nachfolgers, Tom Baker, der den Bösewicht spielte – obwohl sie keine gemeinsamen Szenen hatten).
🤓 Nerd-Wissen: Patrick Troughton
- Berühmter Enkel: Das Schauspieltalent liegt in der Familie. Einer seiner Enkel ist Harry Melling, weltbekannt als Dudley Dursley in Harry Potter oder aus der Serie Das Damengambit.
- Der "Zwei Doktoren" Kult: Troughton liebte die Rolle und kehrte dreimal zurück: In "The Three Doctors", "Die fünf Doktoren" und "Androiden in Sevilla". Besonders mit dem dritten Doktor, Jon Pertwee, verband ihn eine spielerische Rivalität.
- Jamie McCrimmon: Sein Begleiter Jamie (gespielt von Frazer Hines) war der am längsten dienende Begleiter in der klassischen Serie. Troughton bestand darauf, dass die Autoren Jamie behielten, da die Chemie zwischen den beiden Schauspielern so gut war.
🏆 Top 5 Episoden
Leider sind viele Episoden seiner Ära durch die BBC-Löschpolitik der 70er Jahre verloren gegangen, aber viele wurden als Animationen gerettet oder existieren noch. Hier sind seine Besten:
Den 2. Doktor erleben
Hier findet ihr Möglichkeiten, die Abenteuer des zweiten Doktors zu sehen (viele davon als Animationen restauriert).
Whoniverse Streaming (BBC iPlayer)
Benötigt VPN (Geoblocking in UK).
Für Sammler (DVD & Blu-ray)
Klassiker & Animationen fürs Regal.
Ein Abschied im Kostüm
Patrick Troughton blieb der Rolle bis zuletzt verbunden. Trotz seiner Warnungen an andere Schauspieler ("Bleib nie länger als drei Jahre!"), liebte er die Conventions und die Treffen mit Fans. Tragischerweise verstarb er 1987 im Alter von 67 Jahren genau an einem solchen Ort: Auf einer Science-Fiction-Convention in Columbus, Georgia, erlitt er kurz nach einem Panel einen Herzinfarkt.
Sein Einfluss ist bis heute spürbar: Matt Smith (11. Doktor) nannte Troughton stets als sein größtes Vorbild für die Rolle. Ohne den "kosmischen Landstreicher" und seine Fähigkeit zur Veränderung gäbe es Doctor Who heute vermutlich nicht mehr.
Wir gedenken Patrick Troughton an seinem Geburtstag. Danke für die Flötenmusik, die weiten Hosen und den brillanten Verstand.
Happy Birthday, Doctor!
Als gebürtige Britin bin ich schon früh mit Doctor Who in Berührung gekommen. Fan wurde ich allerdings erst vor etwa 15 Jahren. Seitdem verfolge ich die Serie mit Leidenschaft und analysiere die Handlung, schauspielerischen Leistungen, das Drehbuch sowie verfügbare Produktionsinfos. Mein Ziel ist es, meine Liebe und Begeisterung für Doctor Who zu teilen und dazu beizutragen, dass die Serie auch auf Deutsch eine wachsende Fangemeinde findet.






