Review | 12×09 | Ascension of the Cybermen

Doctor Who

„Ascension of the Cybermen“


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 23. Februar 2020

Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Jamie Magnus Stone
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Nikki Wilson

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Die Nachwirkungen des großen Cyberkriegs. Der Doktor und ihre Freunde landen in der fernen Zukunft, mit der Absicht, die letzten Überlebenden der menschlichen Rasse vor den tödlichen Cybermen zu beschützen. Doch muss der Doktor, angesichts eines so unerbittlichen Gegners, seine Freunde wirklich so einem Risiko aussetzen? Was für Schrecken liegen versteckt in den tiefen des Weltalls? Und was ist Ko Sharmus?


Schon wieder eine neue Folge da? – Habe ich nicht eben erst bei der letzten Episode gesagt: „Schon wieder eine neue Folge da“? Egal, wir ziehen das jetzt zusammen durch! Und eins könnt ihr mir glauben: Chibnall hat dabei NOCH weniger Spaß als wir. Jedenfalls sehen wir diesmal den Cyberman von letzter Woche, wie er Andeutungen von letzter Woche weiterführt, damit der Cyberman von dieser Woche in der nächsten Woche diverse Andeutungen weiterführen kann. – Ist das nicht toll, in die goldene Ära der TV-Serien hineingeboren worden zu sein?

Willkommen zu unserer neuen Spielshow namens „Burnout oder Chibnalls Schuld?“

Normalerweise habe ich ja keine Probleme, mich seitenlang über den letzten SF-Schrott zu äußern (Hey, Jean-Luc, alles fit im Schritt?), aber diesmal saß ich lange mit leeren Augen vor dem Bildschirm, wedelte mit dem Kugelschreiber vor dem Monitor rum („Screwdriver, zauber mir das Review, hex-hex!“) und war ratlos.

Oder was würdet ihr zu einer Episode sagen, die – im absoluten Durchschnitt – ungefähr SO aussieht?

Dabei haben wir diesmal sogar:

– Eine halbe Cybermen-Armee an verschiedenen B-Movie-Standorten: Bauernhöfen, Borg-Alkoven, Basen, Bluescreens
– Einen recht menschlichen Cyberman, dessen Vorgeschichte wir in rätselhaften Rückblicken wohl sehen (= arbeitete als normaler Polizist; sehr spannend?)
– Companions und Doktor in ZWEI Raumschiffen, da sie die TARDIS versehentlich 100 Kilometer weiter geparkt hat? (= sehen wir diesmal gar nicht)
– Am Schluss den Auftritt von einer Art Luke Skywalker am Steilhang („Episode 8“-Edition)
– Am Schluss den Auftritt vom Master („Kuckuck, war zufällig auf der ANDEREN Seite des Dimensionsstrudels!“)

Und fairerweise muss man auch sagen, dass die gesamte Stimmung mindestens so düster ist wie derzeit die Einschaltquoten. So richtig mit metallischen Klängen, langen (CGI-)Gängen und kaltem Interio… Intourie… Intör… kalten MÖBELN. Das haben wir schon deutlich plastik- und gummiartiger gesehen.

Doch was die gefühlte Guck-Zeit angeht, kann man gar nicht genug Gummi als Vergleich heranziehen… So ist es zwar löblich, dass alles irgendwie düster-apokalyptisch ist und sich der Cyberman-Chef die Zeit nimmt, die letzte Mini-Heimat der Menschen persönlich zu zerlegen, aber irgendwie fehlte mir doch ein Alleinstellungsmerkmal. Hatten wir früher noch Cybermen in Kaufhäusern, bei Industriellen, auf Handy-Apps und auf einem Raumschiff, das gerade kopfüber in ein Schwarzes Loch(!) stürzt, so haben wir diesmal … Cybermen pur. Sprich: ballerwütige Gewalthansel, die nicht mal mehr Menschen assimilieren, sondern einfach exterrrrminieren! – Aber hatten wir dafür nicht eigentlich einen 70-Jahres-Vertrag mit den Daleks unterschrieben?

Mal abgesehen davon, dass wir die „neuen“ Cybermen bestimmt noch anhand ihres Anführers erklärt bekommen (= hat zwei Körbe von Frauen bekommen und wurde daher ein Menschenfeind?), ist das Ganze so dröge, dass sich beim Ansehen meine Zunge einrollte, um sich in meinem Hals zurückzuziehen. Jedes Mal, wenn ich hochschreckte, geschah eines dieser Dinge:

– Langweilige Figuren, die wohl die Darsteller von Charakterdarsteller-Parodisten darstellen, stapften durch dunkle Gänge
– Der langweilige Cyberman-Chef erklärt seinen Robo-Kollegen oder dem Doktor seine zwielichtige Motivation („Alles neu macht der Cyber! Ratzeputz weg! Noch besser als früher!“). Vorzugsweise in der „So schlau wie vorher“-Geschmacksrichtung. Und dabei „kennen“ wir den doch schon von letzter Folge?
– Langweilige Figuren treffen auf andere langweilige Figuren und erklären denen SF-Klischees von Anno Dunnemals („Antrieb aktivieren viel gut!“, „Schiffe klauen viel schlau!“, „Lass mal alle Knöppe drücken und gucken, was passiert!“, „Lass uns den Doktor suchen, das hat früher auch oft geholfen!“)

Auch bin ich es wirklich leid, dass man uns ständig 5 bis 7 Charaktere in Not vorsetzt, die man schnell mit ein paar Worten charakterisiert („Ich mag schräge Opas!“; „Ich bin jung und belastbar!“; „Ich bin nachtragend und wütend!“), um dann die Hälfte in den Mixer zu schmeißen. Zumal der Doktor sich nicht allzusehr um deren Überleben gekümmert hat, oder?

War es z.B. wirklich nötig, zu Fuß(!) zu dem Bauernhof zu laufen, um dann Cyberman-abwehrende Salatschüsseln aufzustellen, die nix brachten?

Okay, dass die Cybermen-Köpfe jetzt FLIEGEN können, wusste sie natürlich vorher nicht. Aber der Besitz, der Einsatz und die grundlegende Wirkung von SCHUSSWAFFEN waren ihr schon bekannt, oder? Und auch die Wirkung jener Energiewaffen auf klapprigen Schrott dürfte niemanden überraschen? Okay, die Bösen kann man schnell mal unterschätzen, da sie ihre Schiffe offen(!) auf der Wiese rumstehen lassen („Warum sollte die einer klauen? Dafür müsste man ja 20 Meter laufen). Dennoch kommt mir der Doktor immer mehr wie ein Kind vor, das mit einer Steinschleuder zum Atomkrieg erscheint.

Da kann die Musik noch so mitreißend sein, die Kulissen noch so… äh… „angemessen“ und die Handlung noch so episch („Da! Dimensionsportal am Strand! Nicht in die Feuerqualle treten!“), wenn die Basis darunter so verrottet ist, dass sie einem Rostklumpen ins Gesicht spuckt. Früher gab es wenigstens noch lustige Sprüche, hervorragende Schauspieler, bunte Farben oder schräge Variationen…

Doch heute gibt es nur das, was jedem Hobbyautoren zu dem Grundthema einfallen würde: Böse machen aaalles putt, haben aber immerhin eine Vorgeschichte. Gute sind gut und wollen überleben. Und Helden machen Heldenhaftes. Und Raumschiffe können fliegen. Sachen, die abgeschaltet sind, kann man anschalten. Erschießen macht Aua. Laufen macht Dauer. Totschießen macht Trauer. – Danke für’s Drehbuch. Nächstes bitte!

Dass es ein paar Merkwürdigkeiten gibt, die vielleicht congenial aufgelöst werden, hilft hierbei aber wenig. Ich kann die durchgegähnte Episode ja nicht rückgängig machen.


Fazit

Geschmacksarme Story-Plörre, die nur deshalb erträglich mundet, weil das Design der Cybermen so ikonisch ist.

Schon in der letzten Folge war es schwierig, die tollen Elemente zu finden. Man wird einfach sofort seeehr müde, sobald Jodie Whittaker sich wieder mal selbst zu Höchstleistungen aufstachelt. („Ich werde nun… Und dann werde ich… Und das sorgt dann dafür, dass… Einkaufen muss ich auch noch… Geht nicht weg, ich muss noch was erklären!“)

Trotz aller Kritik muss man aber sagen, dass hier bereits mehr BORG-Stimmung als in den ersten 5 Folgen „Star Trek – Picard“ aufkommt.


Bewertung: 2 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!


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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

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