Review | Torchwood – 1×11 | Faustrecht (Combat)

TORCHWOOD

„Faustrecht“
(„Combat“)


Erstausstrahlung DE: 20. Mai 2009
Erstausstrahlung UK: 24. Dezember 2006

Drehbuch: Noel Clarke
Regie: Andy Goddard
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Richard Stokes, Chris Chibnall

Captain Jack Harkness: John Barrowman
Gwen Cooper:
Eve Myles
Ianto Jones:
Gareth David-Lloyd
Owen Harper:
Burn Gorman
Toshiko Sato:
Naoko Mori
Rhys Williams:
Kai Owen


Jack Harkness verfolgt einen Weevil – ein humanoides, aber nicht besonders intelligentes Wesen mit messerscharfen Zähnen – durch die Straßen von Cardiff. Zu seiner Verblüffung entkommt ihm der Weevil, als einige maskierte Männer das Wesen in einen weißen Transporter scheuchen und mit ihm davonbrausen. Zurück im Torchwood-Institut wird Jack mit weiteren beunruhigenden Nachrichten konfrontiert: Ianto meldet, dass die Zahl der Weevil-Angriffe in Cardiff in den vergangenen Wochen stark gestiegen ist. Während die Weevils sich bisher nur in der Kanalisation der Stadt herumtrieben, wagen sie sich inzwischen immer öfter ins Freie und greifen wahllos Menschen an. Nach und nach kommen die Torchwood-Mitarbeiter einer Verschwörung auf die Spur: Offenbar haben skrupellose Geschäftemacher einen Untergrund-Club gegründet, in dem sie Kämpfe zwischen Menschen und Weevils veranstalten … (Text: RTL II)


Anmerkung: Diese Review wurde ursprünglich 2008 veröffentlicht. Sämtliche zeitorientierten Diskrepanzen und/oder altbackenen Anspielungen sind mit einem Lächeln zu genießen.

Inhalt: Immer mehr Weevils (hässliche Mischung aus Affe und Alien) werden von bösen Menschen gefangen und zu blutigen Kämpfen gezwungen. Owen geht dem Ganzen auf die Spur und umgarnt einen Industriellen, der mehr zu wissen scheint…

Review

Jetzt zugreifen! Hier gibt es die doppelte Packung Doppelmoral noch zum halben Serienbudget: Wenn das Torchwood-Team einen Weevil auf 3 Quadratmetern monatelang in einer dunklen Zelle hält, ist das völlig Okay. – Schließlich kann man mit einem Monster im Schrank immer gut die Neulinge erschrecken! Und für die Frischlinge ist das langfristig immerhin weniger unangenehm als Sekundenkleber auf dem Ohrstöpsel oder der alte Gag mit dem Einsatzwagen ohne Bremsen!

So kann Jack also am Ende fordern, dass man die Weevils doch bitte nicht auf einer Bühne vermöbeln möge (wobei die gar nicht wenig Spaß daran hatten, intelligenzgeminderten Bankberatern die Zähne in den Hals zu schlagen), danach aber mit gutem Gewissen sein eigenes Vieh wieder in den Heizungskeller sperren. Ohne Beschäftigungsmöglichkeit oder wenigstens eine kleine Kinderpuppe zum spielerischen Ausweiden. Da hätte man für eine artgerechte Haltung sicherlich mehr tun können, als die zweite Glühbirne rauszudrehen und die Besuchs- und Gaffzeiten auf 23 Stunden täglich zu beschränken…

Überhaupt ist mir nicht klar, was die Folge mir sagen wollte… Vielleicht: „Wir haben den Film ‚Fight Club‘ gesehen, das ironisch-kritische Element nicht verstanden, wollten aber trotzdem mal unsere Affenmonster-Verkleidung ordentlich durchwalken?“ – Umso schlimmer, dass Owen teilweise nicht nur den Prügelverein zu infiltrieren versucht, sondern an manchen Ecken tatsächlich eine gewisse Sympathie für sinnlos eingedellte Riechorgane zu haben scheint.

„Kommen sie da raus, Mann! Das Vieh wird sie sonst zerfleischen! Und außerdem hätte ich sie ECHT wirklich gern erschossen…“ – Höllisch schweres Gitterrätsel: Jack will ja eigentlich nur an den tuckigen Schlafanzug. Trotzdem rettet er den bösen Mann nicht vor der braunen Dreschmaschine, die anscheinend nur dann richtig zulangt, wenn gerade der Film in der Kamera gewechselt wird. Aus moralischer Sicht kann also auch diese Folge mal wieder keinen Backstein gewinnen…

Geradezu lachhaft 0,5-dimensional war mir die Figur des moralisch verzwirbelten Jung-Yuppies. Alleine der Blick war mir einfach zu eindeutig böööse, wenn auch ein bisschen wie ein unter Hämorriden leidender Satan auf dem Klo. Aber von der hässlichen Wohneinrichtung des Firmenfutzis (ich sage nur: Metalltreppe in Küche) war Ow-“Ich ficke auch Astlöcher“-en natürlich trotzdem mächtig beeindruckt. Statt also zur gegebenen Zeit die eigenen Wumme aus der Gürtelschnalle zu lupfen, wartet der Latin Doofer erst einmal ab, bis der Fiesbold vom Dienst genug Gründe dafür gefunden hat, selber die Bleispritze auszupacken…

Und irgendwie wirkten die Weevil in den wenigen Kampfszenen auch nicht gerade wie der versprochene Stier im Affenkostüm. Braunköpfchen ist mir da mindestens einmal zu oft vor die Gitterwand der Arena gelaufen, als ein potenzieller Vermögensberater da mittelprächtig das Bück- und Duckvieh gemimt hat. Und dann dieses Ende! Der böser Yuppie-Spackolit wirft sich lieber vor die tobende Bestie, als sich bei der zu erwartenden Gerichtsverhandlung (natürlich im Torchwood-Hauptquartier) mit Hilfe eines Staranwalts die Freiheit zu erkaufen. Und 5 Billiarden Schmerzensgeld für die seelische Grausamkeit wegen der total unangekündigten Verhaftung. Dieses Ende hier war jedoch aufgesetzt, es war blöd, es war… das war’s wohl.

Einziger Lichtblick: Gwen gesteht ihrem Macker ihre Fickelei mit Owen, hatte vor diesem Schritt aber so viel Angst, dass sie ihrem Freund vorsichtshalber die Vergessenheits-Pillen aus Folge 1 untergejubelt hat. Eigentlich ist die Szene mit ihrem wegdämmernden Boyfriend („Forgive me! Please! Nu aber! Aber ganz quick!“) sogar die Stärkste in der ganzen Kloppergeschichte. Und das will schon viel heißen, wenn man das von einer B-Story behaupten kann, ohne dabei rot zu werden…

Fazit

Enttäuschender „Fight Club“-Abklatsch mit einem Alien-Maskottchen, der selber schnellstmöglich abgeklatscht gehört. – Null Überraschungen plus das gewisse „War da was?“ sorgen für eine solide unterdurchschnittliche Wertung. Ergo: Wer Torchwood jetzt immer noch gerne rezensiert, muss wohl ein passionierter Achterbahnfahrer sein.


Bewertung: 1,5 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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