Review | Torchwood – 1×10 | Die Gestrandeten (Out of Time)

TORCHWOOD

„Die Gestrandeten“
(„Out of Time“)


Erstausstrahlung DE: 13. Mai 2009
Erstausstrahlung UK: 17. Dezember 2006

Drehbuch: Catherine Tregenna
Regie: Alice Troughton
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Richard Stokes, Chris Chibnall

Captain Jack Harkness: John Barrowman
Gwen Cooper:
Eve Myles
Ianto Jones:
Gareth David-Lloyd
Owen Harper:
Burn Gorman
Toshiko Sato:
Naoko Mori
Rhys Williams:
Kai Owen


Ein aus dem Jahr 1953 stammendes Flugzeug wird durch den Riss in die Gegenwart geschleudert. Das Torchwood-Team wird damit betraut, sich um die drei Menschen an Bord zu kümmern und ihnen die Eingewöhnung in der neuen Zeit zu erleichtern. Owen Harper betreut die Pilotin Diane Holmes und erliegt schnell dem Charme der selbstbewussten und abenteuerlustigen Frau. Gwen nimmt die Passagierin Emma-Louise Cowell unter ihre Fittiche und zeigt ihr, dass die Liebe inzwischen weit weniger streng reglementiert ist als in den 50er-Jahren. Jack Harkness fällt die schwierige Aufgabe zu, sich um John Ellis zu kümmern, der mit einer deprimierenden Tatsache konfrontiert wird: Johns Sohn ist mittlerweile ein alter Mann und leidet an Alzheimer. Zudem stellt der unfreiwillige Zeitreisende bald fest, dass er sich einfach nicht an die hektische neue Zeit anzupassen vermag. So fasst John schließlich einen schwerwiegenden Entschluss … (Text: RTL II)


Anmerkung: Diese Review wurde ursprünglich 2008 veröffentlicht. Sämtliche zeitorientierten Diskrepanzen und/oder altbackenen Anspielungen sind mit einem Lächeln zu genießen.

Inhalt: Drei Menschen aus den 50er Jahren landen per Privatflugzeug in Cardiff. Torchwood versucht diese in die heutige Gesellschaft zu integrieren…

Review

Ihr habt genug von deutschen Beziehungskomödien der Marke „Wie angle ich mir einen Chef?“ oder „Ein Sparkassenfilialleiter zum Verlieben“? – Dann testet doch einfach die Torchwood-Backmischung zum selber anrühren und gerührt sein! Erleben sie große menschliche Schicksale, ohne Pathos, geworfenes Geschirr und Frauengekreische! Ruhige Töne statt Robin Williams als Begleitmusik! Mutige Enden statt einem finalen Cut-Kuss! Erleben sie berührende Musik, schwache Charaktere und Aufbruchstimmung in ein neues Leben! (Wenn sie sofort bestellen, bekommen sie ein Kartoffelset mit einer ganzen Kartoffel gratis dazu! Aber nur, wenn sie JETZT anrufen!)

Ihr ahnt es schon: Diese Folge ist so schwul wie eine Kölner Friseurtagung beim „Christopher Street Day“. Keine Effekte, keine Action, ja, nicht mal ein kleines Stoffalien baumelt am Rückspiegel. – Doch hat man sich erst mal daran gewöhnt, ist die Folge gar nicht so übel, wie eure momentane Gesichtsfarbe es vermuten lässt. Erschreckend ist hier nur, dass die drei unfreiwilligen Zeitreisen allesamt sympathischer sind als das gesamte Torchwoodteam. Das mag aber eventuell an der hübschen Klimpermusik liegen, mit dem das Klavier hier gefühlvoll durchmassiert wird, vielleicht aber auch an der unaufgeregten Charakterisierung, die nicht auf ein festes Ziel zustürmt…

Man mag diese Ziellosigkeit durchaus beklagen und sich bitterlich beschweren, dass „nur“ die drei unterschiedlichen Geschichten der wortwörtlichen „Vergangenheitsbewältiger“ erzählt werden, jedoch funktioniert die Folge eigentlich auch nur so, wie hier präsentiert. Das heißt: Kein triefiger Schmalzabgang wie bei Eugene, dem geistlosen Flummisammler. Keine krampfhafte Überraschung am Ende, die enthüllt, dass man durch Zeitrisse Herpes oder einen dritten Arm bekommt. – Hier gibt es eigentlich nichts Besonderes und gerade dadurch um sooo viel mehr.

„Das HIER soll das Jahr 2006 sein? Kann ja gar nicht! Hier sind schließlich gar keine Roboter und Marsraketen!“ – In 50 Jahren ist viel WENIG passiert: Die seriöse Herrenmode lädt farblich immer noch auf eine handfeste Depression ein, Lederjacken für Frauen sind immer noch Hip und sogar die gedruckten Werbezettelchen sehen nicht viel anders aus als auf einem 100.000-Euro-Flachbildschirm. Da muss man zur Integration eigentlich nur den doofen Hut absetzen und an einem Computerkurs für Senioren teilnehmen…

Gut: Menschen aus der Vergangenheit, die sich plötzlich in unserer Welt zurechtfinden müssen, die gibt es in der Science Fiction ungefähr wie Hundehaufen in städtischen Grünanlagen. Und das nicht erst seit Star Trek. Und schnell könnte man gelangweilt sein von diesen ulkigen Oldies, die sabbernd vor einen Farbfernseher zusammenbrechen oder artig die Hand heben, um bei Ebay mitzubieten. KÖNNTE. Tut man hier aber nicht. Oder zumindest nur ganz sanft, fast wie eine Streicheltherapie für den ungeduldig suchenden Kritiker…

Es sind die Details wie Sexualmoral, mit Todeswarnungen bedruckte Zigarettenschachteln oder Bananen in Supermärkten, die den Zeitreisenden aus der Ostzone des Zeitstrudels das Leben schwer (oder erfreulich leicht machen) machen. Oder eine seltsame Krankheit namens „Alzheimer“, die dem noch lebenden Sohn des männlichen Timedrift-Opfers zu schaffen macht. Übrigens war dies eine sehr gefühlvolle Darstellung im Altenheim, die ja schließlich auch leicht darin hätte enden können, dass man sich über den Kranken lustig gemacht hätte. – À la „Was willst Du denn hier, Captain Iglu?“

Warum trotzdem nur 3,5 Punkte? – Wegen „Wenig Story“, dem eigentlich nicht zulässigen Sende-Ersatzstoff. Und außerdem war mir das Torchwoodteam etwas zu dösig: Gwen wirkt irgendwie wieder mal ängstlich, doof und unsicher, was mir nach 10 Folgen (und etlichen NICHT gezeigten Abenteuern) inzwischen nicht mehr wirklich in den Kram passt. Und Owen sorgt nicht nur dafür, dass Gwen ihren Freund betrügt, sondern betrügt Gwen dann wiederum mit der Fliegerbraut from outer year. Was dann auch prompt die langweiligste Geschichte von allen dreien ist („Wir könnte doch heiraten, oh Schmalzi!“), wenn auch eine mit ästhetischen Kuschelsexszenen. – Zuletzt sei noch erwähnt, dass Jack neuerdings gut zuhören und dabei freundlich lächeln kann, was ihm zu einer sozialen Intelligenz verhilft, die ihn immerhin vor 112% aller Vorgesetzten positioniert.

Wer also nicht zu viel erwartet, darf der Folge ruhig eine Chance geben. Mindestens eine überraschende und herzzerreißende Szene gibt es auf jeden Fall. – Zur Sicherheit solltet ihr vorher aber doch den Sleeptimer aktivieren…


Bewertung: 3,5 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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