Review | 12×01 | Spyfall – Part One

Doctor Who

„Spyfall – Part One“


Erstausstrahlung DE:
Erstausstrahlung UK: 01. Januar 2020

Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Jamie Magnus Stone
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Nikki Wilson

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Da auf der ganzen Welt Geheimagenten von Außerirdischen angegriffen werden, wendet sich der MI6 an die einzigen Personen, die helfen können – den Doktor und ihre Freunde! Während das Team rund um den Globus nach Antworten sucht, wird es von allen Seiten angegriffen. Die Sicherheit der Erde liegt auf ihren Schultern – aber wohin wird sie diese Verschwörung, welche den gesamten Planeten gefährdet, führen?


In der neuesten „Bloß keine Weihnachtsfolge“-Episode, die in einem „Bloß keine Silvesterepisode“-Setting spielt, geht es diesmal (wenig überraschend) um eine Agentengeschichte. Zumindest werden Doktor & Friends vom MI6 eingesammelt, weil irgendwer alle Agenten der Welt verschwinden lässt. Da der Chef des MI6 während der Auftragsvergabe dazu gehört, zieht der Doktor los, um irgendwo irgendwen irgendwas dazu zu fragen.

Das Beste an dieser Folge ist das, was sie NICHT ist. Nämlich NICHT scheiße, NICHT allzu ziellos, NICHT zu wenig Science Fiction. Wäre sie jetzt noch ein Politiker, ich würde glatt erwägen, sie zum „kleineren Übel“ zu ernennen und ihr bei der nächsten Wahl meine Stimme zu schenken. Ein wahrer Zwi… Ritterschlag in diesen Zeiten.

Tja. Wenn ich eine Serie für Selbstverständlichkeiten lobe, muss in der Vergangenheit schon viel saure Sahne zwischen uns zerschlagen worden sein. Ähm… Oder wie das Sprichwort doch gleich heißt. Und tatsächlich war die letzte Who-Staffel für mich etwas, das ich – leicht euphemistisch – als mein persönliches Waterloo-Vietnam bezeichnen möchte. Wir erinnern uns immer wieder gerne(?) an dümmliche Wendungen, dümmliche Gesichtsausdrücke und dümmliche Ideen, an denen selbst alte weiße Männer lange… nein: besonders kurz stricken müssten. Ich erinnere nur mal an Riesenspinnen, sinnfreie Spiegel-Dimensionen und einen(!) unmotiviert rumfahrenden Dalek in der allerletzten Episode.

Doch heute gibt es dann zumindest mal eine Gefahr, mit der ich erfreulich wenig anfangen kann: Strahlend weiße Gestalten mit Hut(?!) auf dem Astralschädel latschen einfach durch Wände und murksen Geheimagenten auf der ganzen Welt ab. Was dahinter steckt, wird dankbarerweise bis zum Ende der ersten Folge dieses Zweiteilers offen gelassen, was dann auch gleich die Endnote in die Höhe katapultiert. Denn der ANFANG war ja an in den letzten 10 Folgen nie das Problem (= „Hey, das kööönnte interessant werden!“), eher so die zweite Hälfte, bei der unser Fanorgasmus immer häufiger vorgetäuscht werden musste. (= „Oh, wie geeeil. Es geht hier um… äh… Schreibblockaden im Autorenteam?!“)

Und somit bin ich tatsächlich seit über einem Jahr mal wieder emotional involviert. Auch wenn ich finde, dass die weißen Hut-Gestalten verdääächtig nach den älteren Herren aussehen, die am Sonntag immer mit Tempo 40 vor meinem Auto herfahren, um mich mitten auf der Landstraße einzuparken. Bauen die Autoren hier etwa eine Art Troll-Armee ein, die aus allen Winkeln in unsere Welt eindringen kann? Da wir bereits eine Art vergrößerten Wald aus Neuronen sehen und den Chef von einem Konzern in Google-Manier kennenlernen, ist das gar nicht mal so abwegig.

(Wobei die Bedeutung der Worte „Nicht abwegig“ bei einer Who-Episode eh keinerlei Wert hat?)

Auch Parallelwelten und riesige Lügengebilde (denen auch der Doktor zum Opfer gefallen sein soll) werden am Ende der Folge erwähnt. Sollte die Macher hier also wirklich frische Analogien zu aktuellen Problemen präsentieren, so wäre ich der Letzte, der sich darüber beschweren möchte. Es sei denn, es läuft wieder auf ein einseitiges „Alle böse, außer mich!“ hinaus. Auf irgendeinen schrägen Meta-Quatsch, bei dem die linke Hand mal wieder nicht weiß, warum die rechte masturbiert.

Sollte es also wirklich um Geheimdienste, parallele Wahrnehmungswelten und Internet-Schreihälse gehen, dann aber bitte auch RICHTIG, intelligent und nachhaltig. Und das bitte schnell. Ich brauche endlich mal etwas, das Moffats „Weeping Angels“ in meinem Gedächtnis überschreibt!

Wie? Warum ich auf die vielen Ortswechsel und Figuren in dieser Folge nicht eingehe und mir stattdessen ein geistiges „All you can think“-Menü zusammenstelle? – Na, weil der Rest halt doch wie immer ist: Ob der Doktor nun sinnfrei auf ein Motorrad springt, um den Konzernchef zu verfolgen (lustig: Die TARDIS stand direkt neben dem Eingang), oder ob man mit dem Fahrstuhl zum Mond fährt, das interessiert mich bei der Serie schon lange nicht mehr. Ob Blockhütte in Pakistan oder Raketenbasis in Australien… Am Ende war‘s nur Spielzeitstreckung, damit die Autoren noch 5 Erfahrungspunkte sammeln konnten.

Eigentlich sollte eine Spionage-Geschichte ja ausmachen, dass Charaktere sich zumindest für eine gewisse Zeit still verhalten müssen, um weiterzukommen. Aber das ist nur eine Theorie meinerseits, die leider überhaupt nicht mit der typischen Who-Hektik zusammenkommen mag. – So verhalten sich alle eigentlich wie eine Axt im Elefantenladen, wobei nur zwei Charaktere eine Ausnahme bilden. Und das auch nur, weil sie nach einem Interview beim berühmten Industriemagnaten einfach mal in dessen Büro stehen bleiben, bis es dunkel wird. Ja, da lacht der Sicherheitsdienst, wenn er demnächst kollektiv sein Arbeitslosengeld beantragen kann…

Mal ganz davon abgesehen, dass das auffällige Abbrausen nach dem obigen Konfrontations-Bildchen gar nicht notwendig war. Egal, ob der Mann den Doktor jetzt kannte – oder halt nicht.

Immer wieder peinlich, wie die Serie stets so tut, als wäre der/die Doktor ein waffenstarrendes Schreckgespenst, obwohl er/sie lediglich mit rollenden Augen und maschinenpistolenfreien Patschehändchen vor einem rumgestikuliert. Da wäre mal eine neue Idee angebracht… Oder weniger sinnfreies Geplapper, bei dem selbst der Zuschauer laut „Taaaxiii“ zu schreien beginnt?

Apropos Taxi: Der neue Master (ja, er ist wieder da!) sieht ebenfalls wie einer aus, der aus dem erstbesten Personenbeförderungsfahrzeug am Bahnhof gezerrt wurde. Nichts gegen den Schauspieler, aber er spielt den händeklatschenden Irren so überdreht, dass es auf mich arg aufgesetzt wirkte. Da waren die damenhafte Missy oder der pointiertere John Simm damals deutlich eindrucksvoller.

Aber selbst beim Master interessiert mich nichts mehr von dessen Hintergrund (egal, ob Greenscreen oder Kindheit).

Denn „Doctor Who“ schaut man als unvernunftsbegabter Mitteleuropäer doch nur noch, weil man sich zweieinhalb SF-Konzepte erwartet, die normalere Serien nicht umsetzen könnten. Aus derzeitigem Mangel an Einzelepisoden ohne großen Staffel-Arc.

Daher wären quakende Enten als Charaktere inzwischen auch okay für mich. – Im Ernst, die Japaner sind da schließlich auch schon viel weiter!


Fazit

Die Verfolgsjagten, Mordanschläge, zahnlosen James-Bond-Anspielungen und komplizierten Verwirrungstaktiken des Masters kann man getrost in die mentale Tonne kloppen, sobald man ernsthaft (grinsend) drüber nachdenkt. Das alles ist im Kern nämlich so spannend, als würde man Jodie Whittakers Gesicht beim Trocknen zuschauen.

So bleibt die Hoffnung, dass die Anspielungen der „Aliens“ so spannend sind, wie sie sich anhören. Anscheinend sind wir nämlich in einem Paralleluniversum gelandet – oder kommen jetzt in eines. Was die Gerüchte um ein Auftauchen von alten Charakteren wie z.B. David Tennant erneut befeuern dürfte.

Somit bewerte ich diesmal vor allem meine eigene Phantasie, in der sich das alles bereits episch und congenial aufgelöst hat. – Ach, schööön!


Bewertung: 3 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!


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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
Daniel Klapowski

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Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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