Review | 11×06 | Dämonen in Punjab (Demons of the Punjab)

Doctor Who

„Dämonen in Punjab“
(„Demons of the Punjab“)


Erstausstrahlung DE: 07. März 2019
Erstausstrahlung UK: 11. November 2018

Drehbuch: Vinay Patel
Regie: Jamie Childs
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Alex Mercer

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


„Wozu hat man denn einen Freund mit einer Zeitmaschine, wenn man nicht mal eben die eigene Oma besuchen kann, als sie noch jung war?!“ – Die Gruppe reist in die „britisch-indische“ Provinz Punjab im Jahr 1947 – als diese sich in der Zeit der beginnenden Unabhängigkeit der ehemaligen „britischen Kolonie Indien“ in Pakistan und das heutige Indien in großer Unruhe befand. Dort will Yaz ein Geheimnis aus dem Leben ihrer Großmutter ergründen. Der Doktor erkennt, dass Dämonen das Land heimsuchen. Was mögen das für Wesen sein und was wollen sie? (Text: bmk)


Endlich ist Schluss mit menschenfeindlichen TV-Episoden und rassistischen SF-Geschichten! Denn Doctor Who zeigt, dass man auch ohne Kitsch und Erziehungskeule eine moralische Geschichte erzählen kann. Man muss dem Kitsch und der Erziehungskeule nur zwei rote Pappnasen aufsetzen, damit man sie nicht sofort erkennt. Zeitlupeneinstellungen, hölzernes Schauspiel, sanfte Musik und nasse Augen können ebenfalls nicht schaden. So wie schon in der Folge „Rosa“, die ich mir jeden Abend vor dem Zubettgehen anschaue…

Inhalt: Yasmin Khan möchte vom Doktor wissen, was es mit einer alten Uhr in ihrer Familie auf sich hat. Flugs reisen alle in die Vergangenheit. Nämlich nach Indien ins Jahr 1947, wo das Land gerade auseinanderbricht. Und Aliens im Wald stehen.

Review

Hier spricht das Ministerium für anspruchsvolle Who-Unterhaltung!

Bitte stellen sie sich in einer Reihe auf und vernehmen sie interessiert die Bewertungsempfehlung für dieses wertvolle Stück SF-Kunst!

Ihr wolltet Anspruch? Politische Themen? Moralische Entscheidungen? Gefühle wie aus Tausendundeiner Holzhammer-Nacht? – Dann bitte ich euch, wertes Publikum, euch gerade hier herüber zu stellen! Dort haben wir nämlich das Rundum-Sorgenvoll-Programm für alle, die stets den Keller abschließen, damit sie dort nicht versehentlich lachen können!

Folgendes können wir euch sogleich anbieten:

– Einen traurigen, Indisch-Pakistanischen Grenzkonflikt im Jahre Googelt-doch-selbst. Sehr düster, für Europäer eher unbekannt und daher mit extra viel Da-lernt-man-noch-was-Bonus. Endlich ist Doctor Who so, wie wir uns TNG später immer eingebildet haben!

– Dazu gibt es noch eine Hochzeit mit Anlaufschwierigkeiten. Kann man denjenigen heiraten, den man heiraten will? Anders gefragt: Darf man einen indischstämmigen Pakistani-Muslim ehelichen, wenn doch eher ein Sikh-stämmiger Afghane angesagt ist? Dazu kommt die Bonusfrage für den abstrahierenden Zuschauer von Welt: Wären ähnlich engstirnige Gedanken auch heute noch möglich? (SPOILER: ja!)

– Dazu kommen noch ein paar Aliens, die mal gar nicht böse sind, sondern nur als „Zeugen“ der demnächst millionenfach umkommenden Bevölkerung fungieren. Sehr beruhigend, dass die Jungs da zuschauen; der nahende Holocaust hätte mich sonst in eher traurige Stimmung versetzt.

– Der junge Bräutigam hat im Krieg seinen Bruder verloren. Lag leblos da. Sehr traurig, sehr rührend, sehr schlimm. Und wer von euch noch Bonus-Schlimmheit braucht: Stellt euch vor, die Kamera wäre in dieser Rückblickszene noch 10 Meter näher rangefahren. Brrrr! Krieg ist grausam, nicht wahr?

– Der junge Bräutigam hält eine lange Rede darüber, wie schlimm Krieg ist. Da umarmt der zeitreisende Brite ihn und weint beinahe, während die Musik leise wimmert. Und der Brite findet noch dazu, dass der andere ein „guter Mann“ ist. Das ist alles sehr ERWACHSEN und toll SPANNEND. Natürlich auf eine seriöse und lehrreiche Art, versteht sich. (Werden demnächst eigentlich wichtige SF-Preise verliehen?)

– Die eben noch unbekannte Doktorin darf plötzlich das Ehepaar vermählen(!) und dabei viel über Liebe, Offenheit, Glaube, Hoffnung und äh… ähnlich positive No(r)men sprechen. Die man einfach mal so reinwerfen sollte. Dazu spielt sehr sanfte, regionale Musik. Ja, unser Ministerium schämt sich nicht, es deutlich zu benennen: Alle TV-Zuschauer haben sehr geweint… äh… müssen – sonst Gulag.

So viel zu der anspruchsvollen Seite dieser Folge. Das Schöne hieran ist: Dagegen darf man nichts sagen, denn sonst hätte man was gegen Inder, Muslime, Pakistani, Afghanen, Buddhisten, Moslems, den Globus selbst, Frieden, Hochzeiten, Familien, Freiheit, Mandalas, heilige Männer, Gedenken an Kriegsopfer, die Landbevölkerung, andere Kulturen, Bauern, Menschen in der Vergangenheit, Menschen mit Kindern und Menschen mit Friedenswunsch. Ja, daher ist diese Folge auch sehr WICHTIG und trotzdem UNTERHALTSAM. Bitte schreibt das mit, das wird noch wichtig…

Doch wir wären nicht das Ministerium für anspruchsvolle Who-Unterhaltung, wenn wir nicht aus reiner Völker- und Nächstenliebe noch eine kleine SF-Handlung eingebaut hätten. Denn das hätten wir gar nicht machen MÜSSEN! Wie auch immer: Diese futuristisch angehauchte (*Nase rümpf*) Nebenstory um zwei apathisch rumstehende Aliens ist sehr INTERESSANT und geht SENSIBEL mit den siebenundzwanzig oben aufgeführten, ERNSTEN Themenbereichen um!

– So haben wir z.B. extra die oben erwähnten Aliens eingebaut, die sich nur dort hinbeamen können, wo gerade bestimmte Gadgets an den Bäumen baumeln. Oder, wo sie gerade NICHT hängen. Das ist immer davon abhängig, ob die Doktorin da gerade mit den Fingerspitzen kurz dran war. Jene Aliens können sich auch nicht 10 Meter weiter VOR die Hütte beamen und den Rest des Weges dann zu Fuß zurücklegen. Daher nennen wir dieses rätselhafte Volk fortan auch „die Arthritischen“.

– Auch geht es darum, ob die richtigen Vorfahren zusammenfinden, damit die Companion-Frau überhaupt geboren wird. Oder WANN der Ehemann dann leider im Krieg stirbt, damit der richtige Ehemann auf den Plan treten kann. Wir nennen es stolz „Zurück in die Zukunft – für Gymnasiasten“.

– Die Aliens sammeln außerdem DNA-Krümel und verwestes Zeugs von den Toten (von uns als lustigen bunten Rauch dargestellt, damit es schön SF-mäßig wirkt), um die Gefallenen zu ehren. Das Ministerium (also wir) findet das alles sehr rührend!


Fazit

Das Ministerium für anspruchsvolle Who-Unterhaltung verfügt hiermit: Dies ist die beste Who-Folge, die es jemals gegeben hat! Ja, ein jeder liebt sie und jeder möchte Kinder mit ihr! Ja, sie ist perfekt und wird euch erlösen, so ihr denn ein offenes Herz und mindestens ein bis zwei Lungenflügel habt. Für das unterdrückte Schniefen, ihr wisst schon.

Daher vernehmt nun die Worte des Ministeriums-Sprechers (= der stellvertretende Pressesprecher, der eigentliche Chef hat sich gerade totgeweint für Freude):


Bewertung: 5 von 5 TARDISse

Unterhaltsamkeit:

 

 

 

 

Tiefgründigkeit:

 

 

 

 

Helligkeit:

 

 

 

 

Lehrreich-igkeit:

 

 

 

 

Wer was anderes behauptet, schmorrt in der Hölle – oder denkt womöglich noch selbst. Ohne Musikbegleitung und epische Kamerafahrten. Pfui.


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

Daniel Klapowski

Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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