So war die fünfte TimeLash in Kassel | Bericht über die deutsche Doctor Who Convention


So war die fünfte TimeLash in Kassel | Bericht über die deutsche Doctor Who Convention


Heute vor genau einer Woche endete die bereits fünfte TimeLash, die bisher einzige deutsche Doctor Who Convention und beendete ein vollgepacktes Programm, das sich über zwei volle Tage verteilte. Obwohl ich selbst im Vorjahr krankheitsbedingt nicht dabei sein konnte, fühlte es sich wie nach Hause kommen an. Alles ist altvertraut, man traf und sah dieselben Gesichter, vor und hinter der Bühne und bekam direkt ein wohliges Gefühl, wenn man die Hallen des Südbahnhofs in Kassel betrat. Und doch, obwohl sogar einige Stargäste, allen voran Peter Davison, bereits zu Gast waren, konnte man sich inhaltlich doch auf neue Sachen freuen.

Kurz bevor es losging…

Traditionell begann die TimeLash am Samstag Morgen und eröffnete sein breit gefächertes Programm mit einer Opening Zeremonie, bei der alle Stargäste, Moderatoren und Veranstalter vorgestellt wurden. Der Saal war so voll, dass man, wenn man – wie ich – etwas später erschien, nur noch hinten Platz finden konnte, wenn überhaupt. Dieses Jahr übernahmen hauptsächlich Edward Russel und Ian McCann die Moderation der Panels, da Chris Wake leider nicht anwesend war und Ralf selbst keine Zeit gefunden hatte, diesen Posten alleine auszufüllen – beide machten ihren Job aber sehr gut und wussten, welche Fragen sie stellen und welche vermeiden sollten – und wie sie auch in Panels mit mehreren Gästen die zu Wort kommen lassen, die nicht von sich aus das Zepter übernehmen und ohne Punkt und Komma drauf lossabbelten.

Nach der Opening Zeremonie konnte man auch direkt sitzen bleiben, denn das erste Panel des Tages sollte direkt mit Carole Ann Ford, bekannt als „Susan“, der Enkelin des Doktors (und somit Familie und nicht bloß Begleiter des Doktors, wie mehr als ein Mal hervorgehoben wurde), beginnen. Ford war gut drauf und erzählte u. a. davon, wie sie den Job damals gerade deswegen bekommen hatte, weil sie auf Verity Lambert (Die erste Produzentin von Doctor Who, 1963) „strange“ wirkte und wie seltsam es dann doch war, dass sie ihre Rolle gar nicht „strange“ spielen durfte, sondern das Mädchen von nebenan mimen sollte, oder wie sie Peter Capaldi („What a lovely man!“) getroffen hatte und ihm von ihrer Idee erzählte, wie man Susan wieder in der Serie auftreten lassen könnte – wozu es bisher leider nie kam.

Die Ausstellung

Nach diesem Panel habe ich mich dann erst mal umgesehen. Es gab einige positive Umstrukturierungen. So war die Essensausgabe nun im Obergeschoss und davor wurden einige Tische und Stühle aufgestellt, sodass man endlich auch Sitzmöglichkeiten hatte, die bei vorherigen Veranstaltungen leider kaum bis gar nicht vorhanden waren. Der Händlerraum war noch am selben Ort, aber man merkte, dass offenbar weniger Händler und Verlage zur Veranstaltung gekommen waren, was man womöglich damit begründen kann, dass die Merchandiseverkäufe seit Staffel 11 der neuen Serie immens eingebrochen sind. Wenn keine große Nachfrage mehr besteht, nehmen wohl auch weniger Verkäufer diese Reise auf sich. Jedoch waren durchaus einige der üblichen Verdächtigen dort anzufinden. Sowohl die „MännerTheke“, als auch die Stände von Panini, Pandastorm und Co waren an ihrem üblichen Platz. Auch mit weniger Händlern hat man dennoch alles bekommen, was das Herz begehrte. Auch diverse Gaststars wie Carolin Sophie Göbel (Synchronsprecherin, deutsche Stimme von „Tegan“) und Jessica Martin (Comiczeichnerin & Schauspielerin, „Mags“ aus „Greatest Show in the Galaxy“) waren dort an den jeweiligen Ständen anzutreffen, um mit den Fans zu sprechen oder Sachen zu signieren.

„Doktor & Companions“-Panel

Nach meinem Rundgang zog es mich als Nächstes zum großen „We are Family“-Panel, in welchem Peter Davison auf all seine Companions traf. Die Truppe hatte einiges zu erzählen, gerade weil Peter Davison, Janet Fielding und Sarah Sutton schon im Vorfeld einen Zwei-Tages-Tripp unternommen hatten, auf dem Weg nach Kassel, welcher sogar gefilmt wurde und wohl zukünftig als Bonusmaterial auf einem zukünftigen Release enthalten sein wird. Laut Davison war dieser Ausflug mit seinen beiden Companions die Hölle, doch man merkte der gesamten Truppe, die nicht darauf verzichten konnte sich gegenseitig zu necken, an, dass dort vor allem fünf Freunde saßen, die gerne über ihre gemeinsame Zeit erzählten. Matthew Waterhouse hingegen nutze die Zeit nicht nur um von seiner Zeit als „Adric“ zu berichten, sondern auch um mehr, als einmal zu erwähnen, dass er ja eine Geschichte im kommenden „Doctor Who: The Target Storybook“ beigetragen hatte. Dies entwickelte sich schließlich zu einem Running Gag über die gesamte Veranstaltung hinweg, dass immer wieder auf dieses Buch aufmerksam gemacht wurde und Waterhouse daran aufgezogen wurde, wie oft er dies doch bereits erwähnt hatte. Nicht zuletzt wurde eine dieser Waterhouse Werbetrommeln von Janet Fielding am Sonntag mit „Oh Shut Up!“ unterbunden. Was für einen minutenlangen Lachanfall auf der Bühne sorgte – aber dazu später mehr.

Im Anschluss daran begann direkt das „Doctor Who in Deutschland“ Panel, zu dem Dennis von Berg (Pandastorm Pictures), Theresia Popp (Polyband), Steffen Volkmer (Panini), Carolin Sophie Göbel (Sprecherin von „Tegan“) und Claudia Kern (Übersetzerin diverser Doctor Who Bücher & Comics) anwesend waren. Moderiert wurde dieses Panel von Kolja Dimmek und Harald Gehlen, die man aus dem Whocast kennt und auch später noch in Erscheinung treten sollten. Gerade für deutsche Besucher, die sich die Produkte der Verlage kaufen, war dieses Panel sehr interessant. So erfuhr man unter anderem, dass Polyband für nächstes Jahr ein weiteres Serial mit dem zweiten Doktor plant, nämlich „Tomb of the Cybermen“, was bei den anwesenden Zuschauern für lauten Jubel sorgte – und Pandastorm kündigte hingegen eine deutsche Blu-ray-Staffelbox zur 23. Staffel an, die wohl noch als nächstes, nach „Logopolis“, erscheinen soll – sowie den Wunsch, dass sie zumindest alles was in HD vom fünften Doktor vorliegt, auch auf Deutsch abschließen wollen. Außerdem haben sich die beiden Verlage zusammengesetzt und planen einen gemeinsamen, von Amazon losgelösten, Doctor Who Shop, in dem sie ab nächstem Jahr ihre Doctor Who Artikel anbieten werden, sodass man quasi alles aus einer Hand bekommt. Ob sich noch weitere Verlage dem anschließen werden, ist bisher nicht bekannt. Panini hingegen verkündete, dass man sich inzwischen vermerkt auf Einzelbände konzentrieren wird und als fortlaufende Reihe erst mal nur noch die Geschichten des dreizehnten Doktors veröffentlichen wird. Man kann sich also insgesamt noch auf einiges freuen, was in Zukunft noch auf Deutsch von Doctor Who erscheint.

Whocast-Quiz mit Teilnehmern

Ein weiteres Highlight an diesem Tag war ganz klar das abschließende Whocast-Quiz, welches zwar nicht unbedingt durch seine Teilnehmer glänzte (bei denen die Fragen, die über „Welche Farbe hat die TARDIS“ hinaus gingen, wohl bereits unlösbar waren), aber dafür durch Witz und Charme, wie man es vom Whocast gewohnt ist. Gerade der Teil, an dem Fotos von diversen Personen der Doctor Who Produktion durch die sogenannte „Faceapp“ gejagt und „gegenderswapt“ wurden, bei dem jetzt die Quizteilnehmer erraten mussten, wer sich denn hinter dem gezeigten Bild falschen Geschlechts verbarg, sorgte für eine heitere Stimmung im gesamten Saal. Leider war die Zeit schon zu schnell um und es konnten gar nicht alle Gewinne an den Mann, bzw. die Frau gebracht werden – wo aber versprochen wurde, dass man versucht diese am nächsten Tag noch zu verteilen … ob es soweit kam?

Am nächsten Tag öffnete die TimeLash bereits um 8:00 Uhr seine Tore und startete eine halbe Stunde später auch schon mit dem ersten Panel – einen Vortrag von Dr. Rebecca Haar über den Mythos von Doctor Who. Dr. Haar philosophierte über die Serie und rundete den Vortrag mit diversen Clips aus der Serie ab. Darauf folgend betrat wieder das Whocast-Team die Bühne und präsentierte eine gesamte Timeline über Doctor Who in Deutschland, beginnend mit der Ablehnung des ZDFs, die Serie ins Programm zu nehmen, und endend mit den aktuellen neuen deutschen Classic-Synchronisationen. In typischer Whocastmanier wurde natürlich auch kein Hehl daraus gemacht, wie die Herren zu David Tennant stehen (Zitat Kolja: „Mach den weg!“), was vom inzwischen wohl größtenteils damit vertrauten Publikum aber applaudierend aufgenommen wurde. Leider war im Anschluss dann doch keine Zeit mehr über, um die letzten Gewinne des Vortags zu verteilen, weswegen Raphael versprach diese im nächsten Jahr wieder mitzunehmen.

Die nächsten im Bunde waren dann Panini Comics mit Steffen Volkmer, Claudia Kern und Jessica Martin. Es gab interessante Einblicke hinter die Produktion der deutschen Comics, wie lange es z. B. braucht von der Lizenzierung bis zum Druck einer Ausgabe und wie schwer es die Übersetzung teilweise hat, die deutsche Sprache, die in der Regel deutlich längere Wörter hat, als die englische, in Sprechblasen zu quetschen, die eigentlich für einen englischen Satz ausgelegt waren. Jessica Martin erzählte hingegen davon, wie sie vor gar nicht allzu langer Zeit erst dazu gekommen ist Comics zu zeichnen, und wie man sich in diesem Genre einen Namen machen kann. Ein kleiner Dämpfer beim Panel war leider, dass es mehrfach zu einer reinen Werbeaktion für Panini Comics verkam, wo auch diverse Comics wie von „Stranger Things“ oder „Rick und Morty“ hochgehalten und beworben wurden, was mit teils weit hergeholten Querverweisen zu Doctor Who begründet wurde. Trotz unterhaltsamer Stimmung auf der Bühne wirkten diese Augenblicke etwas fehl am Platze. Davon ab war das Panel jedoch sehr informativ und unterhaltsam.

Das Companion-Panel

Um 11:00 Uhr startete dann das wohl unterhaltsamste Panel der ganzen Veranstaltung – das Panel mit den Begleitern des Doktors, zu dem Carole Ann Ford („Susan“), Mark Strickson („Turlough“), Matthew Waterhouse („Adric“), Janet Fielding („Tegan“) und Sarah Sutton („Nyssa“) geladen waren. Wohl vor allem, dass das Hauptaugenmerk (neben dem mal wieder erwähnten Target Storybook von Matthew Waterhouse) auf allen Begleitern lag und nicht zu Peter Davison als Hauptdarsteller rutschte, führte dazu, dass eine Leichtigkeit und ein Spaß auf der Bühne herrschte, bei der sich die Gäste gegenseitig die Bälle zuspielten und spätestens nach dem bereits oben erwähnten „Oh, Shut up!“ von Janet Fielding jeder mindestens ein Grinsen auf dem Gesicht hatte. Carole Ann Ford erzählte unterdessen davon, wie sie tatsächlich auf dem Weg zum Hotel gestürzt war, was für die dort Anwesenden natürlich eine Schrecksekunde war. Ein Glück war ihr nichts passiert – aber die Gelegenheit, sie zu fragen, ob sie sich in bester Susan-manier den Knöchel verstaucht hätte, hatte wohl leider niemand ergriffen … schade! Was bleibt, ist, wer dieses Panel verpasst hat, der darf sich gerne ärgern, bis er schwarz wird, oder warten, bis die Panels wieder auf CD veröffentlicht werden!

Der Doktor tritt aus der TARDIS

Das im Anschluss stattgefundene Panel mit Peter Davison hingegen wirkte ein wenig wie die recyclete Version von vor zwei Jahren (Na ja, viel neues zu Doctor Who passierte in der Zwischenzeit ja auch nicht). So erzählte er wieder die Geschichte, wie er in den 80er Jahren Fanpost aus Deutschland bekam, und der Absender den deutschen Titel der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ mit „The Man who loves Animals“ übersetzte und Ähnliches. Angesprochen darauf, was denn aus dem von ihm damals tatsächlich angekündigten „The Five(ish) Doctors Reboot“-Sequel geworden ist, gab er sich dieses Mal zurückhaltender und erklärte, dass er, sofern er eine gute Idee dafür bekommen würde, dies fürs kommende 60. Jubiläum in Angriff nehmen würde, aber er keine Festzusage machen wolle.

Für den anschließenden Cosplaycontest habe ich selbstverständlich den Saal verlassen und werde auch kein Wort darüber schreiben. Da eine ehrliche Meinung hierzu von den praktizierenden Personen weder gewünscht noch toleriert wird, werde ich mich damit begnügen, so zu tun, als ob dies gar nicht stattgefunden hätte. 

Am Nachmittag erzählten Blair Mowat (Komponist von „Class“) und Edward Russel (Doctor Who Brand-Manager 2006-2017) im „Behind the Scenes“-Panel über ihre Tätigkeiten und wie sie zu ihren Jobs gekommen sind, bzw. was dort ihre Aufgaben waren, nur um dann schließlich ins letzte Panel der Veranstaltung einzuleiten, dem darauf stattgefundenen „Guest Stars in the Doctor Who Universe“ mit Dan Starkey (u. a. „Strax“), Ellie Wallwork („Hanne“), Sophie Myles (“Madame de Pompadour”) und Jessica Martin („Mags“). Jeder der Anwesenden hatte noch reichlich von seiner, bzw. ihrer Zeit in Doctor Who zu berichten, wie z. B., dass Dan Starkey regelmäßig Teile seiner Maske aß, da er beim Essen kein Gefühl dafür hatte, wenn er ins Latex biss, oder wie die blinde Elli Wallwork den Text für ihre Rolle gelernt hatte. Ein schöner Abschluss für ein tolles Wochenende – und so leitete dieses Panel auch die Ending Zeremonie ein.

Die großen Drei

Und die hatte es in sich, denn es wurde gleich doppelt emotional. Als nach und nach die Gäste (mit Ausnahme derer, die sich bereits verabschiedet hatten) die Bühne betraten und vom Publikum mit überschwänglichen Applaus verabschiedet wurden, war es gerade Carole Ann Ford, die durch minutenlange Standing Ovations zu Tränen gerührt wurde und so für eine sehr emotionale, aber herzliche Stimmung sorgte. Und diese Stimmung wurde am Schluss noch einmal dadurch verstärkt, dass Pascal Zielke, einer der drei Verantwortlichen für die TimeLash, erklärte, dass dies seine letzte TimeLash gewesen sei und er ab dem nächsten Jahr nur noch als Besucher anwesend sein wird. Nächstes Jahr gibt es also eine kleine Umstrukturierung hinter den Kulissen, bei der natürlich abzusehen bleibt, wie und ob sich das auf die Besucher auswirkt. Es waren auf jeden Fall fünf fantastische Jahre mit Pascal und die Verbliebenen, Simone Violka und Ralf Schmidt, werden sicher auch zu zweit die dreibeinigen Fußstapfen ausfüllen.

Abschließend kann man sagen, dass sich das gesamte Wochenende wieder gelohnt hat und gerade das Zusammenkommen des gesamten TARDIS-Teams des fünften Doktors und die Anwesenheit von Carole Ann Ford für eine ausgewogene Doctor Who Stimmung sorgte. Der einzige Wermutstropfen wäre, dass verschiedene Besonderheiten wie „Sprecher liest aus einem Doctor Who Hörbuch vor“ oder „Wir zeigen eine Doctor Who Episode auf der großen Leinwand“, dieses Jahr nicht stattgefunden haben. Für nächstes Jahr darf man gerne, sofern es den Veranstaltern möglich ist, wieder solche oder ähnliche Programmpunkte, die immer zu den Highlights der vergangenen Conventions gehörten, aufnehmen. Davon ab war es, wie gewohnt, ein tolles Erlebnis mit vielen interessanten Menschen von vor und hinter der Kamera – so wünscht man sich die TimeLash und so darf sie auch gerne bleiben!


Unsere Bildergalerie von der TimeLash V:


 

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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
André McFly

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Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.

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