Rezension | Doctor Who – Totenwinter | Buch & Hörbuch

„Totenwinter“

  

Doctor Who – „Totenwinter“
Erstveröffentlichung: 26.01.2017
Format: Taschenbuch & Hörbuch
Seiten: 304 Seiten
Minuten: 285 – Gekürzte Fassung (Auf 4 CDs)
Autor: James Goss
Übersetzung: Axel Franken
Gelesen von: Tobias Nath

Eine abgelegene Klinik im Italien des 18. Jahrhunderts: Eigentlich kommen die Menschen hierher, um gesund zu werden. Doch immer mehr sterben. Liegt es an dem Nebel, der über dem Meer schwebt und voller gesichtsloser Gestalten zu sein scheint? Ein Mädchen berichtet davon in Briefen an seine Mutter, von mysteriösen englischen und russischen Patienten, Intrigen und Geheimnissen – und von der rätselhaften Mrs Pond, die plötzlich in der Klinik auftaucht, zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Doktor.


Rezension

Die Bruchlandung einer TARDIS hat so ihre Tücken. Manchmal verlieren die Passagiere ein wenig die Fassung, ein anderes Mal das Gedächtnis. Als der Doktor, Amy und Rory an einem französischen Strand im Jahre 1783 landen, stimmen dort einige Dinge nicht. Denn ein Sanatorium für Schwindsüchtige, wie das hier vorgefundene, ist seiner Zeit um mindestens 100 Jahre voraus. Und obwohl einige Behandlungsmethoden des Chefmediziners richtig scheinen, ist da etwas im Meer, das eigentlich nicht dort sein dürfte. Etwas, das sich den Patienten während ihrer Frischluftkuren nähert und etwas mit ihnen anstellt. Das ihnen zwar hilft und den Kranken etwas gibt, aber dafür auch wieder etwas nimmt. Wer lenkt diese Kreaturen und wer wird von ihnen gelenk? Fragen, die erst im Laufe der Handlung beantwortet werden. Erzählt wird die ganze Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Da sind die Dinge, an die sich Amy erinnert und gleichzeitig auch Briefe und Tagebucheinträge von anderen Charakteren – darunter dem kleinen Mädchen Maria, dem Engländer Mr. Nevil und dem behandelnden Arzt Dr. Bloom. Doch nicht jeder ist, wer er zu sein scheint – das gilt sogar für das TARDIS-Team – und nicht alle, die Gutes im Sinn haben, leisten einen positiven Beitrag.

Die Form des vorliegenden Romans ist vermutlich das Bemerkenswerteste an „Totenwinter“, welches auf Deutsch den Untertitel „Ich wünschte, du wärst nicht hier …“ besitzt. Denn abgesehen von Zwischenepisoden aus Sicht von Amy, Rory und dem Doktor ist das Buch hauptsächlich in Form von Briefen und Tagebucheinträgen verfasst. Hier werden komplett andere Perspektiven mit ins Spiel gebracht. Darunter auch völlig unreflektierte externe Betrachtungen der Charaktere rund um den elften Doktor. Wenn es hier einige Ungereimtheiten in der Darstellung gibt, hat das durchaus einen Grund. Einige der Nebencharaktere besitzen Tiefe – andere gleichen eher Abziehbildern, doch die Mischung ist gelungen. Im Hörbuch wurde die Handlung jedoch merklich gestrafft. Perspektiven verschiedener Charaktere wurden stark gekürzt, beziehungsweise ganz weggelassen (unter anderem Mr. Nevil).  Im Roman dreht sich die Handlung ein wenig zu sehr im Kreis, beziehungsweise wird sie teilweise zu sehr in die Länge gezogen. Hier denkt man, man hätte man einige Passagen ohne weiteres entfernen können, ohne dass der Leser sie vermisst hätte. Dies hat man im Hörbuch getan. Allerdings wurden auch relevante Stellen gelöscht, weswegen Charaktere sich mitunter ein ganzes Stück „beamen“, obwohl sie vorher an einem ganz anderen Ort waren.
Witzig ist allerdings eine Szene, die sehr einer aus der sechsten Staffel ähnelt – obwohl der Roman vorher entstanden ist. So ist „Totenwinter“ letztendlich ein solider, durchschnittlicher Roman aus der Zeit des elften Doktors aus „Doctor Who“. Nur die ungewöhnliche Form in Buchform und die Originalstimme des elften Doktors in Hörbuchform als Sprecher retten ihn  davor, komplett im Mittelmaß zu verschwinden. Fans und Kenner dürfen daher getrost zugreifen und einen etwas anderen Roman genießen.

„Totenwinter“ von James Goss ist ein Roman zu „Doctor Who“, genauer gesagt ein Werk, das sich um den elften Doktor dreht. Die Geschichte des Romans selbst wäre eher solider Durchschnitt, doch die Form der Erzählung in Buchform – hauptsächlich externe Betrachtungen in Briefen und Tagebüchern – und die Lesung durch die Originalstimme des elften Doktors Tobias Nath verleihen dem Werk einen kleinen Vorteil gegenüber anderen. Kenner der Romane zu „Doctor Who“ können hier also zugreifen und werden nicht enttäuscht werden. Bei gerade einmal 9 Euro stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.


Diese Rezension ist im Original bei Janetts Meinung zu finden.


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Stefan Cernohuby
Redakteur
Geboren 1982 in Wien, studierte Elektronik und ist nach einem mehrjährigen arbeitsbedingten Auslandsaufenthalt wieder in seiner Heimatstadt ansässig. Er war er zwei Jahre lang als leitender Redakteur für ein internationales Magazin ist auch heute noch als (Chef)Redakteur für mehrere bekannte deutschsprachige Onlineredaktionen aktiv. Zudem hat er bereits sieben Anthologien herausgegeben und zahlreiche weitere Werke veröffentlicht.
Stefan Cernohuby

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Geboren 1982 in Wien, studierte Elektronik und ist nach einem mehrjährigen arbeitsbedingten Auslandsaufenthalt wieder in seiner Heimatstadt ansässig. Er war er zwei Jahre lang als leitender Redakteur für ein internationales Magazin ist auch heute noch als (Chef)Redakteur für mehrere bekannte deutschsprachige Onlineredaktionen aktiv. Zudem hat er bereits sieben Anthologien herausgegeben und zahlreiche weitere Werke veröffentlicht.

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