
Sensation im Whoniverse: Zwei verschollene Doctor Who-Episoden aus der Ära des Ersten Doktors wiederentdeckt!
Es ist ein Tag, den viele Fans für unmöglich hielten. In einer Zeit, in der Funde von verlorenen „Doctor Who“-Episoden immer seltener werden, ist eine wahre Sensation publik geworden. In einer „zusammengewürfelten“ Sammlung eines verstorbenen Film-Enthusiasten wurden zwei Episoden aus den 1960er Jahren entdeckt, die seit ihrer ursprünglichen Ausstrahlung nicht mehr gesehen wurden. Es handelt sich um Material mit dem ersten Doktor, William Hartnell, in seiner ikonischen Rolle.
Diese wiederentdeckten Schätze stammen aus dem legendären 12-Teiler „The Daleks‘ Master Plan“, einer Geschichte, in der die Daleks einen finsteren Plan zur Eroberung der Erde, des Sonnensystems und der gesamten Galaxis schmieden. Besonders brisant: Diese Storyline wurde damals ausschließlich im Vereinigten Königreich ausgestrahlt.
In den 1960er und 70er Jahren war es bei der BBC (und anderen Sendern) übliche Praxis, alte Videobänder zu löschen („Wiping“) und wiederzuverwenden. Man sah damals schlichtweg keinen kommerziellen oder historischen Wert darin, Sendungen dauerhaft zu archivieren. Ein teurer Irrtum, besonders im Fall von Doctor Who. Von den 253 Episoden der Hartnell- und Troughton-Ära gelten heute noch immer 97 als offiziell vermisst.
Der Moment der Wahrheit für Peter Purves
Die Art und Weise, wie die Entdeckung enthüllt wurde, war filmreif. Peter Purves, der den Begleiter Steven Taylor spielte, wurde unter falschen Vorwänden in das Phoenix Cinema in Leicester gelockt. Man sagte ihm, es ginge um Interviews über das Fernsehen der 60er Jahre. Als er die Wahrheit erfuhr – dass er sich gleich seine eigenen, längst verloren geglaubten Auftritte ansehen würde – war der 87-Jährige sichtlich gerührt und kämpfte mit den Tränen.
Nachdem er die beiden Episoden gesehen hatte, fand er seine Sprache wieder und lieferte ein Zitat für die Ewigkeit:

Die Episoden wurden den wenigen Gästen im Kino vorgeführt
„Ich bin sprachlos, überwältigt. […] Meine Verblüffung war noch nie so grenzenlos.“ (Original: „My flabber has never been so gasted.“)
Purves scherzte jedoch auch in typischer Manier: „Ich habe der BBC nie verziehen, dass sie diese Episoden verloren hat. Es wäre wirklich schön, ein paar Tantiemen zu bekommen.“
An die Dreharbeiten selbst konnte er sich kaum noch erinnern: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Sendungen ursprünglich überhaupt gesehen habe – ich erinnere mich an die Geschichten, aber nachdem ich sie gesehen habe, kommen mir die Bilder unbekannt vor. Ich erinnerte mich nicht an die erste Folge, als ich noch fast komatös war, nach der Verletzung, die ich beim Kampf in Troja in dem wunderbaren ‚The Mythmakers‘ davongetragen hatte – das natürlich fehlt.“
Details zum Fund und „The Daleks‘ Master Plan“
Die gefundenen Filmrollen befanden sich in einem Pappkarton als Teil einer „eklektischen“ Sammlung von Tausenden von Filmen, die hauptsächlich das Hobby des Sammlers – Züge und Kanäle – behandelten.

Die Filmrollen wurden in einem Pappkarton in einer amateurhaften Sammlung entdeckt.
Hinter der Bergung steht der wohltätige Trust „Film is Fabulous!“ (FIF) aus Leicester. Professor Justin Smith, Vorsitzender des Trusts und Professor für Kino- und Fernsehgeschichte an der De Montfort University, erklärte, man schulde dem anonymen verstorbenen Sammler „Dankbarkeit“.
„Wir reisen durch das ganze Land, um Filmsammlungen aus privaten Händen zu bergen“, sagte Prof. Smith. „Viele der Filme hatten Wasserschäden erlitten und die Dosen waren korrodiert. Dies sind Juwelen in einer eklektischen und baufälligen Sammlung, von der vieles nicht so gut gepflegt worden war wie Doctor Who. Der Sammler erkannte zwar, was er hatte, aber wie er sie erwarb, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.“
Bei den konkreten Folgen handelt es sich um:
- Episode 1: „The Nightmare Begins“ (Ausstrahlung: November 1965)
- Episode 3: „Devil’s Planet“ (Ausstrahlung: Zwei Wochen später)
Dies ist besonders wertvoll, da ein ehemaliger BBC-Ingenieur bereits im Jahr 2004 die dazwischen liegende Folge, Episode 2 „Day of Armageddon“, gefunden hatte. Damit liegen den Fans nun die ersten drei Teile dieses monumentalen Arcs vor.
Dies ist der erste Fund verlorener „Doctor Who“-Episoden, der der Weltöffentlichkeit seit 2013 bekannt gegeben wurde. Damals wurden sensationell neun Episoden („Der Feind der Welt“ und „Das Netz der Angst“) in einer Fernsehstation in Nigeria entdeckt. Viele frühere Funde stammten aus Archiven von TV-Sendern in Übersee, an die die BBC die Serien verkauft hatte.
„The Daleks‘ Master Plan“ ist jedoch eine Ausnahme: Die Story wurde nie ins Ausland verkauft. Zensoren in Australien und Neuseeland stuften sie als zu gewalttätig ein, und ohne deren Zusage war ein Verkauf an andere Märkte nicht profitabel. Da auch der Wechsel zum Farbfernsehen anstand, hielt man die Schwarz-Weiß-Geschichte für wertlos und warf sie weg. Die nun gefundenen Kopien wurden vermutlich von Technikern angefertigt, um sie auf Probleme zu prüfen, bevor man sie potenziellen Käufern anbot – und landeten auf Umwegen in der privaten Sammlung.
Ein Blick auf die Geschichte und die Zukunft
Das 12-teilige Serial wurde vom Dalek-Schöpfer Terry Nation geschrieben. Neben Hartnell und Purves sind in frühen Rollen Nicholas Courtney als Bret Vyon (der später als der Brigadier zur Kultfigur wurde), Adrienne Hill als Katarina und Kevin Stoney als Mavic Chen zu sehen. Obwohl die Story als „düster und packend“ gilt, wurde damals die Vernichtung der Bänder befohlen. Mehr als die Hälfte der Geschichte gilt nach wie vor als vermisst.

William Hartnell in einer seiner denkwürdigsten Darstellungen in den nun wiederentdeckten Episoden. (Credit: BBC/Doctor Who)
Toby Hadoke, ein Doctor Who-Historiker, der Purves nach Leicester „gelockt“ hatte, ist sich sicher, dass die Fanbase ausrasten wird: „Wir dachten nie, dass wir diese Episoden jemals wiedersehen würden. […] Die Leute werden begeistert sein. Das Besondere an Doctor Who ist die Verbindung zur Kindheit. Ich bin ein erwachsener Mann und habe mir gewünscht, ‚The Nightmare Begins‘ sehen zu können, seit ich den Namen vor 30 Jahren auf einer Liste vermisster Doctor Who-Episoden sah. Vergessen Sie Glastonbury, ich glaube, wenn man morgen eine Vorführung dieser Episoden ansetzen würde, wäre sie in Sekunden ausverkauft. Sie sind wirklich der heilige Gral.“
Wo und wann kann man die Folgen sehen?
FIF organisiert eine spezielle Vorführung der beiden Episoden mit Peter Purves als Ehrengast, die am 4. April in London stattfinden wird. Details hierzu folgen noch.
Doch die beste Nachricht für alle Fans weltweit: Die restaurierten Versionen der beiden Episoden werden an diesem Ostern vollständig auf dem BBC iPlayer veröffentlicht!
Das gesamte Whoniverse erleben – Auch in Deutschland!
Pünktlich zu Ostern erscheinen die wiederentdeckten Episoden auf dem BBC iPlayer. Doch das ist noch nicht alles: Auf dem BBC iPlayer findet ihr das gesamte Whoniverse auf Englisch – fast alle klassischen Episoden, New Who, Spin-offs wie Torchwood und vieles mehr!
Der BBC iPlayer ist normalerweise nur aus Großbritannien erreichbar. Aber keine Sorge: Mit einem zuverlässigen VPN könnt ihr diesen Geoblock ganz einfach umgehen und auch von Deutschland aus in die unendlichen Weiten von Zeit und Raum eintauchen.
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Für weitere Informationen, was genau ihr alles auf dem BBC iPlayer finden könnt, schaut euch auch diesen Artikel auf Whoview an:
Das gesamte Whoniverse im BBC iPlayer.
Inhaltlicher Ausblick (Spoiler!)
Falls ihr die Story noch nicht kennt, hier eine kurze Zusammenfassung dessen, was euch in den neuen Folgen erwartet:
In Episode 1 („The Nightmare Begins“) landet die TARDIS auf dem Planeten Kembel, um Hilfe für einen verletzten Begleiter des Doktors zu suchen. Dort erfahren sie jedoch, dass die Daleks gemeinsam mit Mavic Chen, dem Wächter des Sonnensystems, die Eroberung der Erde planen.
Bis zur Episode 3 („Devil’s Planet“) hat der Doktor eine lebenswichtige Komponente gestohlen, die für die Eroberung benötigt wird. Nach ihrer Flucht von Kembel sind sie jedoch gezwungen, auf dem Strafplaneten Desperus zu landen – dicht gefolgt von den Daleks.
Ich bin seit fast 20 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.





