Review | 11×04 | Spinnefeind (Arachnids in the UK)

Doctor Who

„Spinnefeind“
„Arachnids in the UK“


Erstausstrahlung DE: 21. Februar 2019
Erstausstrahlung UK: 28. Oktober 2018

Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Sallie Aprahamian
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Alex Mercer

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Endlich gelingt es den Doktor und ihren Gefährten Yaz (Mandip Gill), Graham (Bradley Walsh) und Ryan (Tosin Cole), zurück nach Yorkshire und in unsere Gegenwart zu kommen – von wo der Timelord die drei versehentlich mitgenommen hatte. Allerdings wird ihre Heimatstadt Sheffield nun von achtbeinigen Arachniden heimgesucht … (Text: bmk)


Hach… Endlich wieder in der Gegenwart. Ich begann sie schon langsam NICHT zu vermissen, die lustigen Abenteuer mit verschrobenen Charakteren in leergeräumten Alltags-Locations (Firmengelände, Hochhäuser, Omas Spukhaus©). Aber gut, in unserer Gegenwart müssen wir wenigstens die Nebenfiguren nicht großartig einführen. Denn wer kennt nicht Hotelmanager, die US-Präsident werden wollen, während sie einer fremden Frau namens „Stormy Doctor“ all ihre dunklen Geheimnisse offenbaren?

Inhalt: Doktorin und Anhang landen wieder in unserer Gegenwart, um dort mal einen schönen Tee zu trinken. Parallel sehen wir einen dicken Unsympathen, der Leute anmault. Gefolgt von ein paar Krabbeltieren, die Leute einwickeln.

Review

Zuerst ein dickes Lob für den Beginn der Folge: Wo uns normalerweise – noch vor dem Vorspann – ein Horrorplastikwesen mit dem nackten Arsch ins Gesicht springt, wissen wir hier erst mal nicht, was Sache ist. Lediglich ein Typ der Marke Trump stänkert (und entlässt) vor sich hin. – Feini! Das sorgt für einen deutlichen Anstieg an Mysterium-Neuronen im Hinterkopf des Zuschauers!

Auch erwähnt sei der Companion-Grandpa, dem nach zwei Abenteuern der Marke „Im Dauerlauf der Trauer entkommen“ plötzlich wieder einfällt, dass seine Frau in Episode 11.01 beim Alien-Anpieksen vom Strommast gefallen ist. Zum letzten Mal in ihrem Leben… Wie er da in seiner einsamen Wohnung sitzt und vor sich hin trauert/mauert, das war schon „schön“ inszeniert. Hier zeigt sich für jeden Emotionsbesitzer, dass sich „Doctor Who“ ebenfalls mal eine mittelgroße Gefühlslandschaft anschaffen will. Aber nur für ein paar Minuten, damit keiner weint.

Zurück zur Hauptstory: Im nächstgelegenen Hochhaus sind also große Spinnen unterwegs, was in Sachen Einfallsreichtum erst mal nur einstellige Mengen an Bonuspunkten abwirft. Derlei war ja eigentlich nur eine Spezialität der 1950er-Jahre, wo man lernte, Leguane, Krabbeltiere und verkleidete Pudel in Modellkulissen zu setzen, um das Ganze „Science Fiction“ zu nennen. Aber gut, immerhin sind die Spinnen sauber animiert und wirken ausreichend echt für eine TV-Serie. Hier hat es sich schon gelohnt, Grafikdesigner zu beschäftigen, die nicht zusammen mit Peter Capaldi zur Schule gegangen sind.

So wirklich ernstnehmen konnte ich vieles dann allerdings nicht. So hält es der fiese Hotelbesitzer tatsächlich für das Problem der Putzfrau(!), wenn innerhalb von 24 Stunden mehrere Tonnen Spinnenseide in einem Zimmer auftauchen. – Selbst wenn die das Zeug gesehen hätte: Was hätte sie ohne einen schwimmbadgroßen Putzeimer ausrichten können? Und was hätte der Chef erst gemacht, wenn ein riesiges UFO im Garten gelegen hätte? Den Parkwächter verdroschen? Und wieso wusste die Doktorin schon wieder nach 2 Sekunden, dass sich im Zentrum der Spinnenvorkommnisse etwas abspielt? Zugegeben, da war ein arachnofreier Fleck auf der Stadtkarte, aber wäre es nicht schöner gewesen, wenn die ach-so-schlauen Biester nicht irgendwas Richtungsanzeigendes getan hätten? Die Köpfe, Beine oder Hinterbeine nach Mekka (bzw. zum Stadtzentrum) drehen – oder so was?

Das ist mir einfach zu unkreativ hier… – und nimmt fast Arbeitsverweigerungsausmaße an, die bedenklich an Discovery erinnern.

Apropos Arbeitsverweigerung: Die muss ich dann auch wieder in Bezug auf die Charakterisierung des Bösewichts konstatieren. Nicht nur, dass der mal US-Präsident werden will (wie Trump), nein, er ist eben auch Hotelbesitzer (wie Trump), Waffenliebhaber (wie Trump) und wird sogar in der Episode offensiv mit Trump verglichen (wie… äh… Trump?). Was dann auch schon wieder witzlos wird, wenn man quasi eine Welt mit ZWEI Trumps etabliert. Leise (Ironie-)Töne hört man in Staffel 11 anscheinend auch nur, wenn man selber dezent ins Kissen pupst…

Auch wird wieder mal nicht mit krampfigem Gutmenschentun gespart: Natürlich sind die armen Spinnen nur „fehlgeleitet“, weil sie ja angeblich sonst nicht auf die Idee kämen, Menschen anzugreifen. – Komisch, für mich ergab das Konzept durchaus Sinn, dass sie dem einzigen Beutetier in ihrer Größe nachstellen? Aber nun gut… Ich möchte den Autoren ihre Heiti-Teiti-„Jäger möchten ihre Beute eigentlich zu einem Kaffeekränzchen einladen“-Attitüden nicht wegnehmen. Es könnte ihren zarten Seelen Schaden zufügen. („Waaas? Wölfe kuscheln gar nicht mit Schafen?!“)

Und wie immer werden typische Who-Klischees aneinander geschmissen:

  • Man bemüht sich nicht mal, die paar Spinnenfäden am Eingang zu entfernen, um das Hotel zu verlassen („Oh, jetzt müssen wir wohl blöde rumwitzeln und alles vor dem Abendessen aufklären.“)
  • Wie so oft werden allerhand richtige Rückschlüsse aus fragwürdigen Beobachtungen gezogen. Die Spinne wirkt etwas abwesend? Dann wird sie wohl sterben, weil sie aufgrund ihrer Größer keine Luft mehr bekommt. („Dieses arme, mordende Geschöpf! Das ist ja noch trauriger als die schwarze Tante im Bus, buhuuu!“)
  • Der Böse ist begriffsstutzig, selbstentlarvend und oberflächlich in einem Denkbereich, der das Überleben in einer gefährlichen Umgebung arg gefährdet. Solche Leute ertrinken z.B. auch gerne mal im eigenen Klo.
  • Die Spinnen wurden übrigens durch ein paar kleine Mutationen und etwas Plastikmüll im Untergrund so riesengroß. Oh, sorry. Ich habe gerade einen superdramatischen Twist enthüllt. Aber wenn ihr DAS spannend findet, habt ihr eh ganz andere Probleme im Leben… (Siehe den Klo/Ertrinken-Punkt weiter oben)

Fazit

Frau Doktor zieht Grimassen, ab und an den Screwdriver aus der Tasche und stets die richtigen Schlüsse. Das erinnert mich alles stark an eine Mischung aus Serien wie Captain Planet und irgendwas sehr Altmodischem.

Schade auch, dass man die Chance vertat, das Thema Trump mit einer anderen Geschichte aufzugreifen. Wie wäre es mit einem Herrscher, der jeden Tag neu definiert, was wahr und unwahr ist? – ALLES wäre interessanter als „Spinnen im Flur, mach die Tür zu“.

Aber da spreche ich bestimmt wieder nur für mich selbst? Schließlich haben wir ja jetzt eine FRAU, da müssen wir keine guten Drehbücher mehr stricken? (Haha! STRICKEN!)


Bewertung: 2 von 5 TARDISse

 

 

 


Diese Review ist im Original auf Zukunftia.de zu finden!



 

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Daniel Klapowski
Redakteur
Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.

Daniel Klapowski

Daniel Klapowski ist Chef-Redakteur von Zukunftia.de, Klei— Feingeist und zudem ein weltberühmter Kenner auserlesener Weine unter zwei Euro. So lautet ein Auszug aus seiner legendären Sammlung von Trinksprüchen: „Fusel aus dem Karton so fein, hilft beim schnellen strulle sein. Prost!“.
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