Review | 11×04 | Arachnids in the UK

Doctor Who

„Arachnids in the UK“


Erstausstrahlung DE: –
Erstausstrahlung UK: 28. Oktober 2018

Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Sallie Aprahamian
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Alex Mercer

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


„Irgendwas geschieht mit den Spinnen in dieser Stadt!“ Der Doktor, Yaz, Grahan und Ryan finden schließlich zurück nach Yorkshire – und Yaz’s Familie – nur um herauszufinden, dass sich irgendetwas rührt inmitten der achtbeinigen Arachniden Population von Sheffield.


‚Arachniden im Vereinigten Königreich‘ – Was klingt wie der einfallslose Titel einer zoologischen Studienarbeit, ist in Wirklichkeit die neueste Episode von Doctor Who. Trotz der passablen vorherigen Folge, erwische ich mich plötzlich bei dem Gedanken: „Ich muss mir ja noch Doctor Who angucken, bevor ich die Review schreiben kann. Bringen wir’s hinter uns“. Meine Erwartungen an die Serie sind mittlerweile ziemlich gering.

In ihrer Gesamtheit bietet die Episode typischen Monster-Horror, den man aus unzähligen Filmen kennt: Mutierte, stetig weiterwachsende Riesenspinnen, die sich aus verworfenen Wissenschaftsprojekten und toxischem Abfall entwickelt haben, mit dem obligatorischen Umwelt-Twist. Ganz so, als sei das Drehbuch aus einem kitschigen 80er Jahre TV-Horrorfeature entstanden. Zumindest die ersten zwei Drittel der Handlung sind trotzdem unterhaltsam und solide umgesetzt, auch wenn der Zuschauer nie den Eindruck bekommt, er könnte etwas verpassen, sollte er den Fernseher ausschalten oder den Raum verlassen. Man braucht nicht unbedingt erfahren, wie es weitergeht.

Die Hintergrundmusik besticht in dieser Episode erneut, indem sie Spannung aufbaut, eine gruselige Atmosphäre und eine unterschwellige Aura der Bedrohlichkeit erschafft. Die Monster der Woche schaffen es anfangs noch, dem gerecht zu werden und die Ängste und das Unbehagen des Zuschauers anzusprechen. Zum Ende hin verlieren sie jedoch immer mehr an Bedrohlichkeit.

Positiv sticht heraus, dass die Serie sich endlich etwas ausdrücklicher mit Grahams Trauer beschäftigt. Bisher wurde Graces Tod nur am Rande erwähnt und wirkte dadurch etwas belanglos. Hier sehen wir endlich einen Mann, der seine Frau verloren hat und sich mit dem Gedanken auseinandersetzen muss, nun alleine klarkommen zu müssen. Letzten Endes ist es auch die Trauer, die ihn dazu bewegt, weiter mit dem Doktor reisen zu wollen – Zeit- und Raumreisen als Trauerbewältigung. Das könnte ein interessanter Ansatz sein. Graham überzeugt generell wieder auf ganzer Linie und entwickelt sich weiter in Richtung eines Fan-Favoriten. So sehr, dass man sich fast wünscht, nur Graham als Companion behalten zu dürfen und sowohl Ryan als auch Yaz ein paar Folgen Urlaub zu verpassen. Graham zeichnet sich in dieser Folge erneut durch seine ergebnisorientierte Art aus: „Run now, ask questions later“ – das sollte sich so mancher Companion zu Herzen nehmen. Auch auf die Frage, wie die Spinnennetze so schnell das Gebäude umwoben haben, hat Graham die sinnvollste Reaktion parat: „Never mind that, let’s just get through them.“

Ryan wiederum wirkt wie der neue Mickey der Serie und hat nichts Besseres zu tun, als im Hintergrund Schattenfiguren zu machen, als der Doktor und Dr. Jade McIntyre über die seltsame Spinnen-Situation Sheffields sprechen. Auch wenn seine Idee, die Spinnen mit basslastiger Rap-Musik anzulocken, den Tag rettet, scheint er den Ernst der Lage nicht zu erkennen und die Bedrohung, die schon einige Menschenleben gekostet hat, für einen Spaß zu halten: Wir werden wahrscheinlich gleich von Spinnen gefressen, aber, yeah, Rap Music. Yaz hat in dieser Episode nicht sonderlich viel mehr zu tun, als ihre Familie vorzustellen: Ihre Mutter Najia macht im Mittelpunkt der Geschehnisse einen interessanten Eindruck, Vater Hakim und Schwester Sonya bleiben bis zum Ende eher eine nervige Beigabe.

Der Doktor findet indessen heraus, in dieser Inkarnation ‚socially awkward‘ zu sein und Leute nun ‚Dude‘ zu nennen. Und natürlich sinniert der nun weibliche Doktor darüber, sich niederzulassen, eine Wohnung zu mieten und ein Sofa zu kaufen. Obwohl mich so manche ihrer Dialogzeilen auch in dieser Episode amüsieren, fehlt mir weiterhin eine eigenständige Persönlichkeit, die nicht nur wie eine weibliche Kopie von David Tennants und Matt Smiths Varianten des Doktors erscheint. Es fehlt die individuelle Substanz, die ihre Rolle über die einer lustigen Abenteurer-Anführerin erhebt. Jodie Whittakers Darstellung ist dennoch überzeugend und vertieft die Befürchtung, dass dieser Doktor unter anderer Autorenschaft über sich hinauswachsen könnte und vornehmlich unter den Limitierungen der Drehbücher zu leiden hat.

Einige Unstimmigkeiten schmälern auch in dieser Woche den Spaß an der Folge. Wieder einmal empfinden die Protagonisten das dringende Bedürfnis, inmitten einer Gefahrensituation ihre privaten Probleme besprechen zu müssen (um nicht zu sagen, ihr privates Problem, dass in jeder Episode das gleiche bleibt), wenn es angebracht wäre, leise zu sein. Die Riesenspinnen schaffen es doch auch, sich so lange ungehört durch den Raum zu bewegen, wie sie niemand anschaut. Die Metergroße, lautstark trampelnde und dabei gruselige Spinnengeräusche von sich gebende Mutterspinne, schleicht anscheinend zunächst ninjahaft an der Zimmerdecke entlang, bis Graham und Ryan sich daran erinnern, dort auch einmal nachzuschauen. Das erinnert an die Schleichzombies in ‚The Walking Dead‘, die immer erst dann gehört und gesehen werden, wenn sie sich zwei Zentimeter vor dem Gesicht eines der Charaktere befinden. Ebenso unsere Riesen-Ninja-Spinnen, die man erst dann hört, wenn man sie direkt anschaut. Vor allem aber quält den Zuschauer dieses Mal die Frage, wie der Doktor und alle anderen es letztendlich geschafft haben, das stahlharte Netz zu durchdringen, das sie im Verlauf der Folge im Hotel gefangen hielt.

Der machthungrige Hotelmogul Robertson, dargestellt von Sex-and-the-City-Veteran Chris Noth, fungiert als wandelnder US-amerikanischer Stereotyp, indem er sofort dafür plädiert, alles einfach zu erschießen und nicht für subtilere Lösungen empfänglich ist. Der Doktor hingegen verteidigt in alter Manier den Wert allen Lebens. Die Aussage, die Spinnen verdienten einen humanen, natürlichen Tod, ist in Anbetracht der Tatsache, dass man gerade dabei ist, die Spinnennachkommen in einen Panic Room zu sperren und dort qualvoll verhungern oder ersticken zu lassen, dennoch etwas übertrieben. In dieser Hinsicht wäre ein schneller Tod durch Erschießen tatsächlich humaner. Ebenso Robertsons Eingriff in den Tod der Mutterspinne: Während die anderen tatenlos dabei zusehen wollen, wie diese aufgrund ihrer eigenen Größe erstickt, verschafft dieser ihr – zugegeben, aus den falschen Gründen der Machtdemonstration – einen schnellen und weniger qualvollen Tod.

Am Ende der Folge gründet sich das neue TARDIS-Team, nein, das offizielle ‚Team-TARDIS‘. Die pathetische Vorführung der vermeintlichen Zusammengehörigkeit zwischen den Companions und dem Doktor erinnern dabei an ähnlich herzliche Companion-Momente in den Anfangszeiten der RTD-Ära. Der Zuschauer darf gespannt sein, was das erste offizielle Abenteuer des neugegründeten Teams für dieses bereithalten wird.

Fazit: Teenage Mutant Ninja Spiders. Typische Spinnen-Grusel-Unterhaltung mit lustigen Dialogen und ernstem Umwelt-Message-Unterton.


Bewertung: 2,5 von 5 TARDISse

 

 

 


„Arachnids in the UK“ ist, wie die gesamte 11. Staffel, bei Amazon als Download erhältlich:


 

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Janine Vogt
Redakteurin
Ich lebe in Wiesbaden und bin seit 10 Jahren großer Doctor Who Fan. Seit 2016 veranstalte ich den Mainz/Wiesbadener Doctor Who Stammtisch 'Der whosikalische Stammtisch', der sich einmal monatlich trifft.
Nach meinem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik habe ich eine Ausbildung zur Online-Redakteurin abgeschlossen und das Online-Musikmagazin 'Rock and Roll Poetry' gegründet, in dem ich über die Musik- und Eventszene des Rhein-Main-Gebiets berichte. Außerdem produziere ich Videos für die regionale Kleinkunstszene.
Janine Vogt

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Ich lebe in Wiesbaden und bin seit 10 Jahren großer Doctor Who Fan. Seit 2016 veranstalte ich den Mainz/Wiesbadener Doctor Who Stammtisch 'Der whosikalische Stammtisch', der sich einmal monatlich trifft. Nach meinem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik habe ich eine Ausbildung zur Online-Redakteurin abgeschlossen und das Online-Musikmagazin 'Rock and Roll Poetry' gegründet, in dem ich über die Musik- und Eventszene des Rhein-Main-Gebiets berichte. Außerdem produziere ich Videos für die regionale Kleinkunstszene.

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