Review | 11×02 | The Ghost Monument

Doctor Who

„The Ghost Monument“


Erstausstrahlung DE: –
Erstausstrahlung UK: 14. Oktober 2018

Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Mark Tonderai
Produktion: Chris Chibnall, Matt Strevens, Sam Hoyle, Nikki Wilson

Der Doktor: Jodie Whittaker
Graham O’Brien: Bradley Walsh
Ryan Sinclair: Tosin Cole
Yasmin Khan: Mandip Gill


Schaffen es der Doktor und ihre neuen Freunde, in dieser feindlichen außerirdischen Umgebung, lange genug am Leben zu bleiben, um das Geheimnis von Desolation zu lösen, während sie sich noch von ihrer ersten Begegnung erholen müssen? Und wer genau sind Angstrom und Epzo?


In ‚The Ghost Monument‘ bekommt der Zuschauer erstmals den neuen Vorspann der Serie zu Gesicht. Sehr gelungen sind bei diesem die Anleihen an den allerersten Vorspann der klassischen Serie, sowohl visuell als auch musikalisch. Für die Titelmusik wurden die Originalaufnahmen aus dem Jahre 1963 zu etwas ganz Neuem geformt, das die lange Tradition der Serie mit der neuen Ära verschmelzen lässt. Eine interessante Idee.

Die Episode selbst präsentiert uns die Charaktere Angstrom und Epzo, die zwei letzten verbliebenen Teilnehmer eines lukrativen Weltraum-Rennens, sowie dessen Veranstalter Ilin. Die Auflösung des Cliffhangers verschlägt das (noch nicht ganz) TARDIS-Team mitten in die Geschehnisse um dieses Rennen, gestrandet auf dem Planeten mit dem bedeutungsvollen Namen Desolation.

Dieser Planet beherbergt so einige Gefahren, die von Wissenschaftlern für die Stenza, die wir schon aus der ersten Folge kennen, dort produziert und getestet wurden: Eine giftige Atmosphäre, fleischfressendes Wasser, Wachroboter und, nicht zuletzt, die Putzlappen des Todes. Wenn gerade kein Geld für eine gute Monstermaske parat ist, tun es wohl auch die ausrangierten Wischtücher der BBC-Reinigungsfachkräfte. Wirklich bedrohlich wirkt keine der Erfindungen. Das tödliche Wasser beispielsweise wird lediglich angeteast, kommt jedoch kein einziges Mal zum Einsatz. Ginge davon die unmittelbare Bedrohung in einer brenzligen Situation aus, oder ein Nebencharakter wäre darin gestorben, hätte das Spannung erzeugt – doch so wie es ist, fällt jegliche Bedrohung einfach flach. Auch die Putzlappen liegen die meiste Zeit nur nichtssagend im Hintergrund herum, kommen nur gegen Ende kurz zum Einsatz und wirken dabei unfreiwillig komisch. Dass sie mit ihren Opfern sprechen, wirkt für ihren eigentlichen Zweck sinnlos – sollen sie doch nachts die Verwundeten des Gegners im Schlaf ermorden. Vielleicht haben sich die Wissenschaftler aber auch nur einsam gefühlt und jemanden zum Reden gebraucht.

Die Folge besticht mit einem interessanten Setting, hübschen Bildern und einer ansprechenden Farbgebung, bedingt durch die drei Sonnen des Planeten. Auch die Musik ist wieder überaus gelungen. Vor allem die Szenen, in denen die TARDIS gezeigt wird oder zur Sprache kommt, sind mit wunderbaren, emotionalen Melodien unterlegt.

Diese Aspekte können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung da nicht mithalten kann. Die Episode wirkt langatmig, die Geschichte die meiste Zeit unspannend und konstruiert. Die TARDIS ist nicht da, um Alien-Sprachen zu übersetzen? Praktisch, dass den Figuren einfach mal so ein Universalübersetzer implantiert wurde! Wir müssen noch irgendwie den Tod aus der vorherigen Folge thematisieren? „Hm, der Motor sieht aus wie kein anderer, den ich je gesehen habe, ach, übrigens, wann reden wir mal über den Tod deiner Großmutter?“ Passt schon.

Sowohl Dialoge als auch Charakterzeichnung der Folge wirken dieses Mal stark konstruiert und fast schon schmerzhaft. Die Drohung, „pay the price, or pay the price“ ist wahrscheinlich eine der fürchterlichsten Dialogzeilen, die man den Zuschauern der Serie jemals angetan hat. Auch Yaz‘ Familie kommt so unorganisch zur Sprache, wie es nur geht, um noch etwas Charakterexposition dazwischen zu quetschen. Ryan hingegen lässt den Zuschauer an seiner Intelligenz zweifeln, als er vollkommen lächerlich darauf besteht, die schießfreudigen Wachroboter mit ihrer eigenen Waffe anzugreifen, weil er ‚Call of Duty‘ gespielt hat. Der Doktor erinnert in dieser Folge zeitweise stark an Matt Smiths elften Doktor – einige Verhaltensweisen und Dialogzeilen wirken schon fast zu ähnlich, ganz so als sei das Drehbuch ursprünglich für seine Version des Doktors geplant gewesen. Doch sorgen gerade die Dialogzeilen des Doktors diesmal für eine wohltuende Auflockerung.

Spazieren durch die Wüste, reden über potenzielle Bedrohungen, die niemals bedrohlich wirken oder Spannung erzeugen, schwerfällige Dialoge und Charakterisierungsmomente, die holzhammerhafter nicht hätten geschrieben werden können – der Zuschauer schaut verzweifelt auf die Uhr. Irgendwann muss das doch mal zu Ende sein! Selbst Ilin, der Veranstalter, scheint stets desinteressiert und von seinem eigenen Weltraumrennen gelangweilt zu sein und lässt sich allzu simpel davon überzeugen, gegen seinen Willen zwei gleichwertige Gewinner zu küren. Dass ein Mann und eine nicht-heterosexuelle Frau als ebenbürtige Gewinner des Rennens hervorgehen, passt dabei perfekt zur aktuellen Ausrichtung der Serie.

Am Ende der Folge präsentiert Doctor Who dem Zuschauer erstmals das neue TARDIS-Design. Die Innenausstattung mit fraktalen Elementen und einem Keksspender wirkt gleichermaßen stilvoll wie grotesk, somit also ganz passend zur Serie der letzten Jahre. Zum Schluss folgt die Umkehrung eines klassischen Running Gags, als der Doktor zur neugestalteten TARDIS den altbekannten Spruch verkündet: „Oh, you’ve redecorated“ – doch dieses Mal mit dem Zusatz: „I really like it“. Dieser Doktor mag keine Kritik. Darauf erstmal einen Keks.

Fazit: Doctor Who und die Putzlappen des Todes. Geprägt von einer langweiligen Belanglosigkeit.


Bewertung: 1,5 von 5 TARDISse

 

 

 


„The Ghost Monument“ ist, wie die gesamte 11. Staffel, bei Amazon als Download erhältlich:


 

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Janine Vogt
Redakteurin
Ich lebe in Wiesbaden und bin seit 10 Jahren großer Doctor Who Fan. Seit 2016 veranstalte ich den Mainz/Wiesbadener Doctor Who Stammtisch 'Der whosikalische Stammtisch', der sich einmal monatlich trifft.
Nach meinem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik habe ich eine Ausbildung zur Online-Redakteurin abgeschlossen und das Online-Musikmagazin 'Rock and Roll Poetry' gegründet, in dem ich über die Musik- und Eventszene des Rhein-Main-Gebiets berichte. Außerdem produziere ich Videos für die regionale Kleinkunstszene.
Janine Vogt

Janine Vogt

Ich lebe in Wiesbaden und bin seit 10 Jahren großer Doctor Who Fan. Seit 2016 veranstalte ich den Mainz/Wiesbadener Doctor Who Stammtisch 'Der whosikalische Stammtisch', der sich einmal monatlich trifft. Nach meinem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik habe ich eine Ausbildung zur Online-Redakteurin abgeschlossen und das Online-Musikmagazin 'Rock and Roll Poetry' gegründet, in dem ich über die Musik- und Eventszene des Rhein-Main-Gebiets berichte. Außerdem produziere ich Videos für die regionale Kleinkunstszene.

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