Review – Ein Abenteuer in Raum und Zeit (An Adventure in Space and Time)

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http://whoview.de/2017/11/10/review-ein-abenteuer-in-raum-und-zeit-an-adventure-in-space-and-time/
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„EIN ABENTEUER IN RAUM UND ZEIT“
(„AN ADVENTURE IN SPACE AND TIME“)

Erstausstrahlung DE: 04. Januar 2017
Erstausstrahlung UK: 21. November 2013

Drehbuch: Mark Gatiss
Regie: Terry McDonough
Produktion: Matt Strevens

William Hartnell: David Bradley
Sydney Newman: Brian Cox
Verity Lambert: Jessica Raine
Waris Hussein: Sacha Dhawan


“You, sir, are going to make a huge impact with this character”, verspricht Doctor Who-Schöpfer Sydney Newman dem Schauspieler William Hartnell zu Beginn der Serienproduktion. Wie recht er damit doch hatte. Umso schwerer fällt es dem 1. Doctor-Darsteller 1966, sich nach 3 Jahren von dieser für ihn so groß gewordenen Rolle zu verabschieden. Doch die nächsten Inkarnationen warten bereits darauf, sein Erbe anzutreten. Mit nachfolgenden Spoilern ist zu rechnen.

William Hartnell ist sichtlich gereizt, als er sich in der Garderobe für seine letzten Doctor Who-Szenen bereitmachen soll. Als er schließlich in seinem Kostüm an das Set kommt, hält er an der TARDIS-Konsole einen Moment inne und schließt die Augen. Der Zeitmesser beginnt sich zu drehen und führt uns zurück in die Zeit, in der alles für die Serie anfängt.

Dieser Film ist wirklich gelungen. Zum einen, da David Bradley überzeugend echt in die Rolle des 1. Doctor-Darstellers schlüpft. Zum anderen, weil Drehbuchautor Mark Gatiss den Entstehungsprozess und William Hartnells Zeit in der Serie in all seinen Facetten beleuchtet. Die Erfolge werden in gleichem Maße dargestellt, wie die Hürden und Niederlagen, die die Macher und der Schauspieler durchlebt haben. Die Sorgen und Nöte jedes Einzelnen bekommen Raum und schaffen damit eine glaubhafte Realität.

„It’s smaller on the inside!”, beschwert sich Regisseur Waris Hussein über die Wahl des Studios für die allerersten Dreharbeiten zu Doctor Who. Ganz zu Beginn sehen viele bei der BBC nicht, was für ein Juwel der Fernsehgeschichte gerade für sie produziert wird, weshalb sie dem Produktionsteam einen Drehort geben, der alles andere als optimal ist. Er ist klein und erhitzt sich schnell, was bereits nach knapp 5 Minuten Drehzeit dazu führt, dass die Sprinkleranlage angeht

und die Darsteller nassgeregnet vom Set fliehen. Wäre es außerdem nach Sydney Newman gegangen, hätten die beliebtesten Monster aus dem Whoniverse, die Daleks, niemals einen Auftritt erhalten dürfen. Mit seiner Idee einer Science Fiction-Serie will er, dass Kinder bei den Zeitreisen etwas über Geschichte lernen. Von Robotern und Monstern will er dagegen nichts wissen und sagt entschieden: „Rule one: No robots! No bug-eyed monsters!“

Produzentin Varity Lambert hat allerdings genug „piss and vinegar“ (Pfeffer im Arsch und Feuer im Blut), um sich gegen alle Schwierigkeiten durchzusetzen. Besonders als BBC-Controller Donald Baverstock nach der missglückten Erstausstrahlung von Doctor Who, die von den Anschlägen auf John F. Kennedy überschattet wird, den „Tod“ der Serie fordert. Sydney Newman gegenüber schafft sie es, mit diesen bewegenden Worten eine zweite Chance für Doctor Who heraus zu handeln: „It’s good stuff! It’s strong stuff, Sydney. And I truly believe in it! I think, we have something very special here. A knockout! We have just got to hold our nerve.” Und die Wiederholung der ersten Folge sowie die Einführung der Daleks geben ihr recht. 10 Millionen Menschen in Großbritannien sehen sie sich an und sichern der Serie damit nicht nur ihr Weiterleben, sondern auch ihren Kultstatus.

Nach und nach verlassen allerdings immer mehr Macher und Darsteller die Serie, um zu neuen Projekten weiterzuziehen. William Hartnell, als zentrale Hauptfigur, bleibt Doctor Who zwar erhalten, doch der Druck und die vielen Veränderungen schaden seiner bereits angeschlagenen Gesundheit immer mehr. Seine Arbeit leidet darunter, sodass im Jahr 1966 allen klar ist, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Während der Schauspieler sich Entlastung wünscht, beschließt Sydney Newman der Serie mit Partick Troughton einen neuen Hauptdarsteller zu geben. William Hartnell versucht nach außen zunächst nüchtern auf diese Entscheidung zu reagieren. Als er seiner Frau allerdings davon erzählt, bricht er zusammen. Herzzerreißend stammelt er: „I … I … don’t want to go! I don’t want to go!”, bevor er in Tränen ausbricht. Bei diesem Satz geht es sicher nicht mir nur so, dass ich automatisch an den traurigen Abschied des 10. Doctors denke. Doch genau deshalb war es für mich so eine passende Aussage für William Hartnells verzweifelten Wunsch, in der Serie bleiben zu dürfen.

Last but not least. Zum Schluss geht es zurück zu dem Moment, an dem William Hartnell für seinen letzten Dreh an der TARDIS-Konsole steht und nun die Augen öffnet. Vor ihm steht sein Nachfolger, der ihn schelmisch mit der Frage: „Who is Who?“ begrüßt und dann eingesteht, eine Heidenangst zu haben, in seine Fußstapfen zu treten. Außerdem bekommen wir ein überraschendes Cameo geboten, bei dem sehr deutlich zu spüren war, wie wichtig es Mark Gatiss war, dem ersten Darsteller des Doctors anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Serie mit diesem Film seinen Respekt zu zollen. Dazu passend und absolut rührend fand ich dann auch die allerletzte Szene. Dort hören und sehen wir den echten William Hartnell mit den Abschiedsworten des 1. Doctors an seine Enkelin Susan: „One day I shall come back […]“


BEWERTUNG: 5 von 5 TARDISse

 

 


 

 

„Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ könnt ihr hier auf DVD und Bluray bestellen.

 


 

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Andrea Vasel
Redakteurin

Ich bin angehende Kultur- & Reisejournalistin, Autorin und Großbritannien-Fan. Da Doctor Who ein wichtiger Bestandteil der britischen Popkultur ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich die Serie kennen und lieben lernen durfte. Im April 2017 habe ich die Facebookseite „Großartiges Britannien“ eingerichtet und teile dort unter anderem regelmäßig Informationen über den Doctor. Neben meinem Studium zur Journalistin schreibe ich außerdem an einer Whodunnit-Reihe, die in London spielt, und jobbe als Kellnerin in einem britischen Café.


Andrea Vasel

Andrea Vasel

Ich bin angehende Kultur- & Reisejournalistin, Autorin und Großbritannien-Fan. Da Doctor Who ein wichtiger Bestandteil der britischen Popkultur ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich die Serie kennen und lieben lernen durfte. Im April 2017 habe ich die Facebookseite „Großartiges Britannien“ eingerichtet und teile dort unter anderem regelmäßig Informationen über den Doctor. Neben meinem Studium zur Journalistin schreibe ich außerdem an einer Whodunnit-Reihe, die in London spielt, und jobbe als Kellnerin in einem britischen Café.

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