Review | 10×03 | Dünnes Eis (Thin Ice)

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http://whoview.de/2017/05/01/review-10x03-thin-ice/
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Doctor Who

„Dünnes Eis“

(„Thin Ice“)

Erstausstrahlung DE: 13. Dezember 2017
Erstausstrahlung UK: 29. April 2017

Drehbuch: Sarah Dollard
Regie: Bill Anderson
Produktion: Steven Moffat, Brian Minchin, Nikki Wilson

Der Doktor: Peter Capaldi
Bill Potts: Pearl Mackie
Nardole: Matt Lucas


Winter 1814: Ganz London liegt unter einer dicken Schnee- und Eisschicht. Erstmals seit Jahrzehnten ist auch die Themse zugefroren und ein fröhlicher Jahrmarkt wurde auf dem Eis errichtet. Alles scheint wunderbar, wäre da nicht eine bedrohliche Macht, die das bunte Treiben für ihre Zwecke nutzt und Jahrmarktsbesucher unter das Eis zieht. Der Doktor (Peter Capaldi) und Bill (Pearl Mackie) nehmen den Kampf gegen die unbekannte Bedrohung auf, um noch mehr Todesopfer zu verhindern. (Text: Sky)


Auch in der dritten Folge dieser Staffel, beehrt uns ein Autor, der bereits ein Mal für den 12. Doktor geschrieben hat – Sarah Dollard. Diese war in der letzten Staffel für „Face the Raven“, Claras Todesfolge, verantwortlich und bewies jetzt mit „Thin Ice“, dass sie mehr kann, als nur gute Dialoge schreiben.

Die Folge beginnt genau dort, wo die letzte geendet hatte – mit einem Elefanten auf der Themse. Ein Gefühl kommt auf, welches Fans der klassischen Serie nicht glücklicher machen könnte. Wir starten direkt im Cliffhanger, wir sind direkt im Geschehen und diese Machart war typisch für die frühen Doctor Who Folgen im letzten Jahrtausend. Es wäre eine Freude, diese Art der Episodenverknüpfung auch in weiteren Folgen dieser Staffel zu sehen (In der nächsten Folge wird dies ja höchstwahrscheinlich nicht der Fall sein).

Das was Sarah Dollard unglaublich gut beherrscht ist auch in „Thin Ice“ ein Herzstück der Folge – herausragend gute Dialoge zu schreiben. Sie versteht es Bill die nötige Portion Menschlich- und Glaubwürdigkeit zu verpassen, die nötig ist, um einen gesunden Gegenpol zum Doktor in dieser Folge zu haben, aber auch gleichzeitig die Neugierde und den Wissensdurst von Bill nicht zu vernachlässigen. Auch hier kristallisiert sich das Lehrer und Schüler Verhältnis von Doktor und Bill heraus, welches bisher in jeder Folge thematisiert wurde. Wenn man Bill, mit ihren Fragen, mit ihren Reaktionen, mit ihrer Art sich für Sachen zu begeistern oder ihre Abneigung zu zeigen, auf eine Blaupause herunterbrechen würde, könnte man durchaus Ähnlichkeiten zu Donna sehen, die auf eine ähnliche Prämisse angelegt wurde. Der Unterschied hier ist aber die Umsetzung. Bill hat einen höchst sympathischen, ehrlichen und nachvollziehbaren Ansatz in ihren Taten, was sie in der Ausführung, im Kontext der Lehrer und Schüler Beziehung, eher mit Ace in Verbindung bringen lässt. Impulsiv, mitfühlend und menschlich.

Der Doktor hingegen gibt sich in dieser Folge als unternehmungslustig, amüsiert aber doch auf weite Strecken unnahbar. Es wirkt so, als hätte sich Peter Capaldi, von den zwei bisherigen Staffeln, the best of both worlds herausgepickt, um in der dritten Staffel die perfekte Essenz seines Doktors zu spielen. Wo wir in der 8. Staffel den unnahbaren alten grumpy Doktor hatten und in der 9. wiederum den liebenswerten Hipster-Doktor, so spielt Capaldi in seiner abschließenden Staffel einen aufgeweckten und abenteuerlustigen, aber trotzdem oft sarkastischen und mild-zynischen Doktor. Starke Anleihen an Tom Bakers 4. Doktor sind hier kaum zu übersehen – und es passt. Zum Abschluss scheint der Doktor gefunden zu sein, der perfekt zu Capaldi passt. Das macht den Abschied wohl deutlich schwieriger, als es in der 9. Staffel der Fall gewesen wäre.

Im Gegensatz zu Frank Cottrell Boyce schrieb aber Sarah Dollard nicht nur herausragende Dialoge und eine gute Charakterisierung, sondern sie vermag es auch eine unterhaltsame Story zu präsentieren, welche durchweg mit Spannung und Humor punktet. Obwohl die Geschichte durchaus an einigen Punkten krankt (wenn man darüber nachdenkt), wie z.B. „Wie wurde das Viech gefangen genommen“, „wie gefriert das Wasser in Sekundenschnelle“, „Warum hört niemand die Schreie des Monsters, bei der gar nicht sooo tiefen Themse“, „Müssten nicht hunderte Menschen pro Tag verschwinden um dieses Viech satt zu bekommen“… oder noch ärgerlichere Fragen wie „Warum landet der Doktor nicht einfach mit der TARDIS in der Themse um das Monster zu betrachten (wie in „Listen“)“ oder „Wie zum Teufel haben die es geschafft, mit diesen schweren Tauchanzügen wieder an die Oberfläche zu kommen und aus dem Loch zu klettern? Oder sich überhaupt damit an Land zu bewegen?“… Fragen über Fragen, die allerdings nur beim analytischen Nachdenken in den Kopf kommen und dem reinen Vergnügen beim zuschauen keinen Abbruch tun und deswegen nur bedingt in die Wertung einfließen.

Was im Gegensatz zu den offenen Fragen ein absoluter Pluspunkt ist, ist die gesamte Optik der Folge – und das schreibt jemand, der mit Doctor Who Folgen in diesem Zeitalter vor allem wegen der Optik meist wenig anfangen kann. Die (wenigen) Sets wirken absolut glaubwürdig und die Kostüme sind hervorragend. Gerade der Doktor glänzt in seinem Kostüm so sehr, dass es fast schade ist, dass er so ein Kostüm nicht immer trägt. Ein ebenfalls optischer Genuss ist die CGI, welche zu keiner Zeit in der Folge unglaubwürdig oder schlecht aussieht. Sowohl der Spaziergang im Wasser, als auch das Monster, sehen toll animiert aus.

„Thin Ice“ bewegt sich keinesfalls auf dünnem Eis, sondern ist eine Doctor Who Folge, wie man sie sich wünscht und wie man sie selten erwartet. Eine unterhaltsame Story, mit großartigen Dialogen und herausragender Optik. Gerne mehr solcher Folgen in Zukunft. Mit der dritten Folge dieser Staffel bekamen wir die beste Folge seit „Heaven Sent“ serviert (welche natürlich selbst in einer noch höheren Liga spielt).


Bewertung: 4,5 von 5 TARDISse


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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
André McFly

André McFly

Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.

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