Review | 10×01 | Flucht durchs Universum (The Pilot)

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Doctor Who

„Flucht durchs Universum“

(„The Pilot“)

Erstausstrahlung DE: 6. Dezember 2017
Erstausstrahlung UK: 15. April 2017

Drehbuch: Steven Moffat
Regie: Lawrence Gough
Produktion: Steven Moffat, Brian Minchin, Peter Bennet

Der Doktor: Peter Capaldi
Bill Potts: Pearl Mackie
Nardole: Matt Lucas


Eine zufällige Begegnung in der Universität ändert für den zwölften Doktor (Peter Capaldi) und Küchenhilfe Bill (Pearl Mackie) alles: Der raum- und zeitreisende Timelord erkennt Bills verborgene Talente und entschließt sich, die junge Frau unter seine Fittiche zu nehmen. Für Bill ist es der Beginn eines atemberaubenden Abenteuers. Doch während sie immer tiefer in die Geheimnisse des Universums eintaucht, beginnt sie sich Fragen zu stellen. Wer ist dieser mysteriöse Doktor wirklich, und was genau ist seine streng geheime Mission auf der Erde? (Text: Sky)


Alles soll frisch, neu und hipp wirken – dabei ist es die letzte Staffel einer Ära. Genaugenommen von 2 Ären. Es ist sowohl die letzte von Peter Capaldi als Doktor, als auch von Steven Moffat als Showrunner. Und obwohl man es nicht glauben könnte, scheint die Rechnung aufzugehen: „Frisch“ und „neu“ machen den Staffelauftakt sehr kurzweilig und mitreissend.

Wir werden gleich ins Geschehen geworfen. Bill wird von Nardole ins Büro des Doktors geführt, der sich (offensichtlich) als Professor an einer Universität niedergelassen hat. Sie ist ihm aufgefallen, da sie jede seiner Vorlesungen besucht, obwohl sie gar keine Studentin, sondern nur Angestellte in der Cafeteria ist. Wir lernen Bill als höfliche und wissbegierige junge Dame kennen, deren Vorstellung mal subtil gezeigt und mal brachial erzählt wird. So hakt die Folge schnell ab, was es über Bill zu wissen gibt: Wie sie auf den Doktor traf, dass sie eine Waise ist (bzw, adoptiert wurde), dass sie lesbisch ist, wo sie arbeitet, was in ihr vorgeht. Die gesamte Folge leitet quasi den Charakter Bill ein, damit man dies schnell abhaken kann, um zum wesentlichen zu kommen: und es funktioniert. Klar könnte man darüber sinnieren, dass eine Zeitlupe-„Wir haben uns gefunden“-Szene, zweier verknallter Damen in der Disco, etwas übertrieben sein könnte, aber selbst dies leitet ja die kommende Story ein.

Die Story selbst ist relativ belanglos und erfrischend Down-to-Earth. Es geht nicht um den Fortbestand der Menschheit, um alte große Erzfeinde des Doktors, um Missy, um Explosionen, um einen sinnlosen Wow-Effekt nach dem anderen – nein – es geht einfach nur um die Geschichte eines auf der Erde gestrandeten Lebewesens, welches nichts anderes möchte, als die Erde zu verlassen, aber durch die Verbindung zu Bill daran gehindert wird. Steven Moffat bedient sich, wie gewohnt, inhaltlich und optisch, an einen Fundus von bekannten Motiven und Folgen. So finden sich Anspielungen auf „The Lodger“, „Midnight“, „Waters of Mars“ und man kann sogar einen Anspielung auf „Shada“ vermuten. Aber trotz der vielen möglichen Anleihen, verliert sich die Folge nicht in reiner Phrasendrescherei und bemüht sich keinesfalls irgendwelche Löcher zu stopfen (höhö), sondern erzählt seine eigene Geschichte, frei von Zwang.

Äußerst positiv fällt auch Nardole auf, der zwar relativ wenig zu tun hat, jedoch in jeder Szene zu überzeugen weiß. Er kommentiert trocken das Geschehen, ist gesegnet mit einer gehörigen Portion Wissen, aber hat trotzdem noch die Portion charmanter Trotteligkeit, die seinen Charakter zum Fanliebling mutieren lassen könnte. Sein „Ew Human“ als Bill das erste Mal die TARDIS betritt und er sie im vorbeigehen bemerkt, sowie seine immer zündenen One-Liner, runden dieses TARDIS-Team perfekt ab.

Zwischendrin bekommen wir auch noch eine Szene präsentiert, die schon dazu diente, Bill vorzustellen. Vor einigen Monaten sendete die BBC während einer Fußball Halbzeitpause einen Clip, der uns Bill als neuen Companion vorstellte. Dieser Clip spielt während der ersten Folge. Allerdings wird dieser in der Folge nicht noch einmal gezeigt. Es ist eher eine erweiterte Szene, von dem Geschehen dieser Folge. Und das ist auch gut so, denn im damaligen Clip wirkte Bill sehr nervig. Die Vorstellung des Charakters, sofern man dies Vorstellung nennen konnte, war total an der Wirklichkeit vorbeigeschrammt. Sie wirkte nervig, vorlaut, neunmalklug und ließ einfach schlimmes erahnen. Nichts davon trifft auf den tatsächlichen Charakter zu und daher ist es gut, dass dieser Clip selbst in der Folge nicht auftaucht, wenn das Szenario selbst doch unmissverständlich, dasselbe ist. Bill ist die gelungene Mischung aus neu und frisch, die ich anfangs schon ansprach. Ein Charakter, um den kein (zumindest kein offensichtlicher) Storyarc entwickelt wurde. Der kein Mysterium ist. Sondern der einfach nur mit dem Doktor reisen möchte.

Und dies führt uns zu noch einer schönen Szene, denn beinahe wäre es gar nicht dazu gekommen. Der Doktor wollte Bills Gedächtnis löschen, allerdings redete sie ihm gut ins Gewissen. Diese Erlebnisse waren das spannendste, was ihr je passiert war und sie möchte nicht, dass sie dies vergisst. Noch als es scheint, dass der Doktor, obwohl er sichtlich hadert, ihr Gedächtnis trotzdem löscht, fragt Bill ihn, wie er es finden würde, wenn man sein Gedächtnis löschen würde – was den Doktor unmissverständlich an Clara denken lässt, bzw an die Lücke, die sie hinterlassen hat. Untermalt wurde diese toll geschriebene Szene mit Claras Lied und es reiht sich ein, in eine Reihe toll geschriebener Momente dieser Folge.

Zum Abschluss kann man nur sagen, dass diese Folge nahezu alles richtig macht. Sie führt einen neuen, sympathischen und interessanten Companion ein, baut andere Charaktere weiter aus, hat perfektes komödiantisches Timing (etwas, was vergangenen Folgen wie „The Husbands of River Song“, trotz starker Bemühungen, gehörig fehlte), erzählt eine kleine aber feine Geschichte, die mal kein Bombast und Effektgewitter um sich wirft und – und das ist das wichtigste für einen Staffelauftakt – sie macht Lust auf mehr!
Hoffentlich kann die Staffel dieses Niveau halten.


Bewertung: 4 von 5 TARDISse

 

 


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André McFly
Gründer & Chefredakteur
Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.
André McFly

André McFly

Ich bin seit über 10 Jahren Doctor Who Fan und hatte 2013 die Idee für eine deutsche Doctor Who Reviewseite. Über die Jahre hat sich der Whoview allerdings zu mehr als nur einer Reviewseite entwickelt und so schreibe ich heute vor allem News und Rezensionen. Ich bin auch jährlich auf der Timelash als Presse zu Gast und veröffentliche meine Eindrücke hier auf der Seite. Fernab von Doctor Who betreibe ich mehrere Podcasts, mache Musik und versuche mich als Autor.

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