Review – Weihnachtsspecial 2016 – The Return of Doctor Mysterio

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DOCTOR WHO
„THE RETURN OF DOCTOR MYSTERIO“

Erstausstrahlung DE: Noch nicht bekannt
Erstausstrahlung UK: 25. Dezember 2016

Drehbuch: Steven Moffat
Regie: Ed Bazalgette
Produktion: Steven Moffat, Brian Minchin, Peter Bennet

Der Doctor: Peter Capaldi
Nardole: Matt Lucas


Diese Weihnachten muss sich der Doctor mit einem maskierten Superhelden zusammentun, um New York zu retten.

Gegen gehirnaustauschende Aliens, die kurz vor dem Angriff stehen, verbünden sich der Doctor und Nardole mit einer Reporterin und einer geheimnisvollen Gestalt, welche nur das „Der Geist“ bekannt ist.

Kann der Doctor Manhattan retten? Und was befindet sich wohl hinter der Maske?


Fast 50 Jahre nachdem der Doctor auf den Karkus stieß, trifft der Doctor wieder auf einen Superhelden… nur dieses Mal ist dieser echt!

Ein ganzes Jahr ist vergangen, seit die letzte Doctor Who Episode lief – „Besuch bei River Song“, das Weihnachtsspecial 2015 – und auch, wenn „Class“ eine gute Brücke für die Wartezeit darstellte, fühlt es sich doch gut an, Doctor Who wiederzusehen.

Der Doctor muss in „The Return of Doctor Mysterio“ außerirdische Gehirne, welche fremde Körper übernehmen, aufhalten und nebenbei einen Superhelden verkuppeln. Eine Seite dieser Geschichte klappt sogar sehr gut – so kann ich schon vorweg nehmen, dass die komplette Superhelden- und Liebesgeschichte das Highlight der Folge darstellt, wohingegen die Bösewichte austauschbar, vergessenswert und verschenkt waren. Nun trifft es ja gerade auf die Weihnachtsspecials zu, dass diese oftmals lighthearted sind und wenig Spielraum für gute Antagonisten bieten – aber traurig ist es schon, dass man hier einen direkten Bezug zu „Brain of Morbius“ ziehen könnte (Die Parallelen sind unverkennbar), aber dies weder nutzt, noch dem irgendwie das Wasser reichen kann.

Die Bad Guys in dieser Folge sind leider nur, wie so oft, Mittel zum Zweck. Es hätte wirklich alles sein können, was hier als Antagonist auftritt. Genau deswegen fällt dieser Aspekt eher negativ auf, da verschenktes Potential immer ärgerlich ist.

Was jedoch positiv auffällt, ist das Wiederauftauchen des Charakters Nardole. Nardole hatte sein Debüt im vorherigen Weihnachtsspecial und wurde dort damals als abgetrennter Kopf im Roboterkörper von König Hydroflax zurückgelassen. Die Erklärung, warum Nardole jetzt auf einmal mit dem Doctor reist und wieder seinen eigenen Körper hat, ist leider etwas dürftig und, wie es in letzter Zeit bei Doctor Who Mode zu sein scheint, sehr günstig gelöst. Zwei Nebensätze und schon ist das Thema erledigt. Hierbei gilt: Unbedingt nicht weiter drüber nachdenken und es einfach als gegeben akzeptieren. Die Alternative ist ein großes „ABER!“ gefolgt von Fragen wie: „Wenn der Doctor die Köpfe einfach wieder zurück auf die Körper setzen konnte, warum hat er das nicht am Ende des letzten Specials getan?“ oder „Wieso und warum kam der Doctor ausgerechnet auf die Idee, zurück zu Nardole zu reisen, um diesen als Begleiter mitzunehmen, gegen die eigene Einsamkeit? Viel hatten die ja nicht miteinander zu tun“… aber lassen wir das beiseite und nehmen die Erklärung „Doctor war einsam. Doctor hat den Kopf wieder auf den Körper geklebt. beide sind nun best Friends!“ als absolut hin.

Anders als man vermuten könnte, ist Nardole aber keineswegs der Comic Relief-Charakter, der er im letzten Special war, sondern er ergänzt den Doctor auf positivste Art und Weise. Obwohl er durchaus über ein großes Wissen verfügt, sich auf einer Stufe mit dem Doctor selbst zu sehen scheint und sogar die TARDIS bedienen kann, unterscheidet sich Nardole doch in einer ganz wesentlichen Eigenschaft von anderen Companions wie River Song oder Clara Oswald, die diese Eigenschaften ebenfalls hatten: Er ist auf der anderen Seite sehr kindlich, naiv und weltfremd. Diese gelungene Mischung schafft einen guten Gegenpol zum Doctor und bereichert jetzt schon den Cast. Bleibt abzuwarten, wie die Chemie des Dreiergespanns sein wird, wenn Bill nächstes Jahr dazu stößt.

Ebenfalls sehr gut charakterisiert waren Grant und Lucy, die beiden großen Nebencharaktere der Folge. Und mit diesen beiden Figuren gibt es so viele Anspielungen auf Superman, dass man beim zweiten Mal gucken immer noch neues entdeckt. Ich möchte hier mal einige direkte Superman-Anspielungen aufzählen, die in dieser Folge – mal subtil, mal brachial – versteckt sind:

  • Mr. Brock erwähnt zwei Mitarbeiterinnen, welche die Namen „Shuster“ und „Siegel“ tragen. Jerry Siegel und John Shuster waren die Erfinder von Superman.
  • Lucy trägt denselben Namen, wie die Schwester von Lois Lane.
  • Das Harmony Shoals Gebäude sieht dem Daily Planet, der Zeitung bei der Clark Kent und Lois Lane angestellt sind, sehr ähnlich.
  • Grant trägt in Zivil eine dicke Hornbrille.

Daneben gibt es noch Seitenhiebe auf Spider-Man („Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung“) und einige andere Superheldenstorys.

Grant, der unfreiwillig Superkräfte bekam, überzeugt als sympathisches männliches Kindermädchen, welches sein Alter Ego geheim halten und beide Leben unter einen Hut bekommen muss. Wobei man durchaus gestehen muss, dass hier die Parallelen zu Spider-Man, welcher privat ebenfalls eher minderwertige Jobs hat und sehr mit dem Verknüpfen seiner Leben hadert, größer sind, als zu Clark Kent, der ein hochangesehener Journalist ist und eine perfekte Symbiose zwischen Privat- und Superheldenleben gefunden hat. Auch fragt man sich beim schauen, warum Grant im Bett seiner Kundin schläft und sogar Schlafkleidung trägt, wenn sie doch Abends nachhause kommt. Ich würde keinen Babysitter in meinem Bett schlafen lassen. Wenn überhaupt auf der Couch… und eigentlich müsste es sein Job sein, wach zu bleiben, bis die Eltern nachhause kommen… Creepy Grant!

Lucy ist, im Gegensatz zu Grant, gefestigt, weiß was sie will und scheint auch gut als allein erziehende Mutter klar zu kommen – wenn sie auch sehr lange braucht, um sich die Gefühle einzugestehen, die sie für Grant hat. Sie ist eine intelligente Reporterin, welche nicht zufällig am Ort des Geschehens auftaucht und dadurch ein wenig an Donna erinnert, welche ihre Einführung als Companion auf ähnliche Weise hatte – wobei man natürlich davon ausgehen kann, dass wir Lucy (und Grant) nie wieder sehen werden. Das interessante an Lucy ist, dass sie, obwohl sie erst sehr überrumpelt vom (Sushi essendem) Doctor ist, den Spieß nach einiger Zeit umdreht und ihn überrumpelt, mit Fragen zum Geschehen und zu seiner Person. Man fragt sich, was im Hause Moffat so abgeht, dass er auf so einen Quietsche-Drück-Folterknecht kommt…

Zu guter letzt bleibt der Doctor, der nach wie vor so geschrieben wird, wie in der 9. Staffel und dem letztjährigen Weihnachtsspecial. Von den grummeligen, abweisenden und oft herabwürdigenden Doctor der 8. Staffel, den ich persönlich bevorzuge, können wir uns nun wohl endgültig verabschieden. Der Doctor ist nun freundlich, neugierig, hibbelig und beinahe ansteckend enthusiastisch. Obwohl ich eingestehen muss, dass mir diverse Sprüche des Doctors in dieser Folge gefallen haben („Man steckt sich nicht einfach Sachen in den Mund! Wie alt bist du? 36?“ oder „Jemand braucht eine neue Windel. Du bist nicht der einzige der voll damit ist“), ist es trotzdem schmerzlich mit anzusehen, wie stark der einstmals großartige zwölfte Doctor so geschrieben wird, als wäre er David Tennant 2.0 .

Das Weihnachtsspecial 2016 bietet unterhaltsame und kurzweilige sechzig Minuten und weiß mit gelungenen Nebencharakteren und sympathischen Anspielungen auf diverse Superheldengeschichten zu überzeugen. Groß negativ fallen nur die Bösewichte auf, deren Potential nicht ausgeschöpft wird und eventuell die Tatsache, dass die Folge, bis auf die ersten paar Sekunden, mit dem ersten Treffen von Grant und Doctor, absolut nichts mit Weihnachten zu tun hat… Davon ab, eine gute und grundsolide Folge.


BEWERTUNG: 3,5 von 5 TARDISse


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