Review – Class – 1×06 – Wilde Wut (Detained)

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detained

CLASS
„WILDE WUT“
(„DETAINED“)

Erstausstrahlung DE: 16. Mai 2017
Erstausstrahlung UK: 19. November 2016

Drehbuch: Patrick Ness
Regie: Wayne Che Yip
Produktion: Patrick Ness, Steven Moffat, Brian Minchin

Miss Quill: Katherine Kelly
Charlie: Greg Austin
Ram: Fady Elsayed
April: Sophie Hopkins
Tanya: Vivian Oparah


Die ganze Clique wird von Miss Quill zum Nachsitzen verdonnert. Eingesperrt in ihrem Klassenzimmer, werden die Schüler plötzlich von einer Explosion aufgeschreckt, die sie aus Zeit und Raum herauskatapultiert. Nun treiben sie gefangen in einem schwarzen Nichts, aus dem es kein Entkommen gibt. Doch ein mysteriöses Asteroidenfragment könnte den Schlüssel zur Freiheit bedeuten. Allerdings zwingt es die Clique dazu, sich gegenseitig ihre dunkelsten Geheimnisse zu offenbaren. Als hässliche Wahrheiten ans Licht kommen, wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt. Dann machen sie eine gruselige Entdeckung: Sie sind nicht allein. Noch jemand ist bei ihnen … (Text: One)


Man nehme eine Prise „The Eleventh Hour“, gebe dazu einen halben Löffel „Heaven Sent“ und rundet das Ganze mit einem Hauch von Class ab: fertig ist „Detained“. Und wer nun aufgepasst hat, der wird bemerken, dass das nicht die schlechtesten Zutaten sind…

„Detained“ ist eine kleine Überraschung, ich möchte fast sagen, eine kleine Perle. Nachdem der letzte Zweiteiler der Serie insgesamt den bisherigen Tiefpunkt der Serie zeigte, legt Patrick Ness hier wieder gehörig drauf und präsentiert uns hier eine spannende Charakterfolge mit nur geringen Scifi Elementen.

p04g8zxrSchon wieder eine Charakterfolge? Ja. Ich habe bei mehreren Kritiken vernommen, dass es viele Leute abgeschreckt hat, hier schon wieder eine Charakterfolge präsentiert zu bekommen. Ich muss zugeben, dass mich diese Einstellung ein wenig verwundert, so war für mich immer klar, dass es sich bei Class vorallem um die Charaktere und nicht um die Aliens dreht. Absolut jede Werbezeile zur Serie handelte davon, wie die Charaktere an den Ereignissen wachsen würden und wie sie ihre eigenen Laster bewältigen müssen. Daher erwarte ich auch gar nichts anderes als eine Exploration durch das Leben und die Gefühlswelt der Coal Hill Gang – mit einer kleinen Priese Monster of the Week.

Und genau das bekommen wir hier. Ein neues Monster, dass einmalig auftritt und besiegt werden muss. Aber das ist auch nur die Ausgangslage – denn was das Ganze interessant macht, ist die Darbietung, die cleveren Einfälle und vorallem das minimalistische Setting. Das Setting spielt sich nämlich komplett nur in einem Klassenzimmer ab, welches durch ein Raum und Zeit Vakuum schwebt. Man könnte jetzt vermuten, dass dies die Sparfolge der Staffel war, denn besonders teuer dürfte sie nicht gewesen sein und gerade nach dem CGI-lastigen Zweiteiler zuvor, ergebe das durchaus Sinn. Aber das ist gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil. Diese Folge wirkt wie von Steven Moffat zu seinen besten Zeiten geschrieben. Nicht von ungefähr zog ich gleich am Anfang dieser Review „Heaven Sent“ und „The Eleventh Hour“ zum Vergleich heran.

Der Bösewicht dieser Folge ist ein Gefangener in einem Weltraumgefängnis, der durch einen Riss in Raum und Zeit in unsere Welt kam – wer da keine Parallelen zu Prisoner Zero zieht, sollte dringlichst noch einmal die erste Matt Smith Folge ansehen. Jener Bösewicht zwingt die versammelte Mannschaft dazu, ihre tiefsten Geheimnisse zu offenbaren, während diese in einer stark begrenzten Welt eingeschlossen sind – dürfte auch jedem bekannt vorkommen, der die 9. Doctor Who Staffel gesehen hat. Und doch ist diese Folge etwas ganz Eigenes. Denn vordergründig geht es hier um die Beziehung der Schüler zueinander.

p04g8zlwMeiner Meinung nach, ist Class definitiv am stärksten, wenn die Truppe komplett versammelt ist und zusammen ein Unheil überstehen muss. Das war einer der größten Kritikpunkte am vorherigen Zweiteiler – die Aufspaltung der Charaktere und deren Storys. In „Detained“ beweist Class, dass ich mich in dieser Hinsicht nicht geirrt habe. So sind es gerade die Beziehungen zueinander, welche die Serie ausmachen. Und „Detained“ macht noch eine Sache goldrichtig: sie holt Matteusz dazu, als wäre es völlig selbstverständlich, dass er dazu gehört. Bisher war Matteusz bestenfalls ein Anhängsel von Charlie und spielte keine besonders große Rolle für die Truppe. Hier aber ist Matteusz, auch wenn Ram genau diese Problematik um seine Eingliederung uncharmant anspricht, fest integriert und weiß in der Rolle auch zu überzeugen.

Sowohl Ram und April, als auch Charlie und Matteusz werden in dieser Folge in die Ecke gedrängt. Denn beide Pärchen müssen sich unbequeme Wahrheiten gestehen, welche beide Beziehungen wackeln lässt. Diese Paarung und Entwicklung wird sehr schön von Tanya reflektiert, deren Geständnis ihre Angst ist, nicht wirklich dazuzugehören und dass sie sich ausgeschlossen fühlt. Wenn man den Schwerpunkt dieser Folge, das Beziehungsdrama der zwei Pärchen als Gegenstück nimmt, kann man ihre Sorge auch absolut nachempfinden. Im Grunde kann man die Hauptreibepunkte so zusammenfassen: Ram liebt April mehr als April ihn (zu diesem Zeitpunkt) – und Matteusz hat Angst vor Charlies ausserirdischen Seite, obwohl er ihn durchaus aufrichtig liebt. Diese beiden Reibepunkte sind der Hauptbestandteil der Folge, bis Charlie, der zuvor als unnützer Fragensteller deklariert wurde, plötzlich den entscheidenden Schritt wagt. Er gesteht (ohne von dem Meteor dazu gezwungen zu werden) das, was er am meisten fürchtet: dass er jeden einzelnen Shadow Kin töten möchte, die Rasse auslöschen will und von purer Rache getrieben wird. Sein einziger Rückhalt in dieser Situation ist Matteusz. Für einen Rhodianer ist, so Charlie, der Wunsch genauso ausschlaggebend wie die Tat selbst, was ein gekonnter Kniff ist um die Situation zu drehen.

Wir erfahren schließlich, dass der Gefangene sterben möchte und deswegen jemanden sucht, der schuldiger ist als er selbst. Obwohl dieser ein Massenmörder ist, scheint der Wunsch (in anderen Worten: die Tat) nach dem Genozid an den Shadow Kins, dieses zu überschatten und so schafft es Charlie letztendlich das Monster der Woche zu besiegen – nicht ohne Verluste.

p04g8z3dWas wirklich stark an dieser Folge ist, dass sie nicht im Happy End endet. Die Charaktere wachsen nicht sofort fester aneinander, weil sie diese Tortur mitgemacht haben, sondern sie müssen dies erst einmal verarbeiten. So erscheint es mehr als menschlich und nachvollziehbar, dass die Schüler, sobald sie in Sicherheit waren, sich voneinander trennen, ohne sich zu versöhnen. Die Wut, welche in der Folge immer wieder angesprochen wurde und der Auslöser für diverse Konflikte war, scheint nicht mit dem verlassen des Raum- und Zeit Vakuums verschwunden zu sein. Es wird interessant zu sehen wo das Finale der Staffel dann ansetzt, da wir in der kommenden Woche, allen Anschein nach, nicht den Anschluss an dieser Folge sehen werden, sondern die parallel gelaufene Geschichte von Miss Quill erzählt bekommen.

Eine tolle Folge. Perfekt geschriebene Charaktere und nachvollziehbare Konflikte in einem kleinen interessanten Setting mit originellem Ausgangspunkt. Für mich ganz klar die beste Folge der Staffel (bisher) und damit auch die erste, die von mir eine Bestnote bekommt.


BEWERTUNG: 5 von 5 TARDISse

5


 

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