Review – 1×02 – Das Ende der Welt (The End of the World)

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DOCTOR WHO
„DAS ENDE DER WELT“
(„THE END OF THE WORLD“)

Erstausstrahlung DE: 26. Januar 2008
Erstausstrahlung UK: 2. April 2005

Drehbuch: Russell T Davies
Regie: Euros Lyn
Produktion: Russell T Davies, Julie Gardner, Phil Collinson

Der Doctor: Christopher Eccleston
Rose Tyler: Billie Piper


Der Doctor nimmt Rose mit ans Ende der Welt, das von etlichen Aliens als riesige Cocktailparty begangen wird. Doch auf der Raumstation im Orbit häufen sich technische Probleme, was sie bald in ernsthafte Gefahr bringt. Ich warne vor ausgeprägter Plauderlaune meinereiner und natürlich vor Spoilern!

s1_02_wal_16Ihre erste gemeinsame Reise führt den Doctor und Rose ans nicht nur sprichwörtliche Ende der Welt. Auf einer Raumstation, die über der Erde in ferner Zukunft schwebt, können sie dem feierlich begangenen Spektakel beiwohnen, wie die Sonne zur Supernova wird und den inzwischen verwaisten Heimatplaneten von Rose zerstört. Zunächst ist sie hellauf begeistert von der bunten Alienschar, doch schon bald fühlt sie sich fremd und stellt ihre Entscheidung, einen praktisch Unbekannten zu begleiten, in Frage. Schlimmer noch, auf der Station häufen sich die technischen Ausfälle, so dass sie bald der Gefahr ins Auge blicken, zusammen mit der Erde zerstört zu werden.

Wahrscheinlich verwundert es niemanden, der mich näher kennt, dass es ausgerechnet die Episode „The End of the World“ war, die mich damals von „Doctor Who“ überzeugte. Ich bin seit Jahren ein großer Science-Fiction-Fan, ich bin mit „Star Trek“ aufgewachsen und war als Teenager geradezu besessen von „Star Wars“. Das Universum, wie es uns hier gezeigt wird, ist genau das Universum, das ich aus zahlreichen anderen Serien und Filmen kannte, es ist bunt und lebendig und durchaus ein bisschen kurios, deshalb fühlte ich mich dort sogleich heimisch. Die Ironie ist, dass die Folge, insbesondere bei wiederholtem Ansehen, gerade dadurch ihren Charme einbüßt, weil das Laute und betont Außerirdische leider die ruhigen und nachdenklichen Szenen etwas erdrückt.

Was dieser Folge sehr gut gelingt, ist, die Perspektive von Rose und damit gleichzeitig vom Zuschauer zurechtzurücken. Es gibt diese wunderschöne Stelle, an der der Doctor darüber philosophiert, dass sich die Menschen so viele Gedanken darüber machen, woran sie sterben könnten, dass sie eines darüber völlig aus den Augen verlieren: die Möglichkeit, zu überleben, sich weiterzuentwickeln, zu den Sternen zu reisen. Auch deshalb wirkt Cassandra so grotesk, wenn sie Rose gegenüber darauf beharrt, dass sie der letzte Mensch sei, nämlich der letzte pure Mensch. Alle anderen haben diese Engstirnigkeit längst hinter sich gelassen, sind Teil eines sehr vielfältigen Universums geworden. Wenn Rose am Ende wieder auf der Erde ihrer Zeit ist, inmitten all der Menschen, die keine Ahnung davon haben, was außerhalb ihres kleinen Lebens vor sich geht und welche Wunder der Menschheit noch bevorstehen, dann erst entfaltet die Folge eigentlich ihre volle Wirkung. In gewisser Weise ist Rose nun wie der Doctor eine Beobachterin von außen, und ich denke, genau darum geht es auch für uns Zuschauer, weil wir auf diese Weise verstehen, wer der Doctor eigentlich ist.

s1_02_wal_03Fast noch mehr als in der ersten Folge wird außerdem versucht, gewissermaßen das Vokabular der Serie zu erklären. Das fängt damit an, dass der Doctor auf der Station sein „Psychic Paper“ zückt, um ihnen Eintritt zu verschaffen, und endet mit der kleinen, aber ungemein wichtigen Information, dass mitnichten alle Aliens Englisch sprechen, sondern die Tardis per „Telepathic Field“ alles für sie übersetzt. Der größte Brocken betrifft dann allerdings den Doctor selber, und an dieser Stelle muss ich eingestehen, dass mir in der ersten Folge tatsächlich nicht aufgefallen ist, dass er offenbar nicht ein einziges Mal sagt, dass er ein Timelord ist. Das erfahren wir erst hier, und ebenso, dass sein Heimatplanet in einem großen Krieg zerstört wurde, der ihn zum Letzten seiner Art gemacht hat. Gewiss können wir mit all diesen Informationen jetzt noch nicht so wahnsinnig viel anfangen, aber sie vermitteln doch das Gefühl von etwas Größerem. Hintergrundwissen muss auch nicht immer handlungsrelevant sein, manchmal hilft es einfach, die Figuren runder erscheinen zu lassen.

s1_02_wal_08Apropos, ich bin auch froh, dass sie noch mal angesprochen haben, dass Rose reichlich unüberlegt mitgeflogen ist. Das war von vornherein eher unglaubwürdig, umso wichtiger, dass sie nun ihre nachträglichen Zweifel und ihr „Fremdeln“ gezeigt haben. Das Einzige, was mir in dem Zusammenhang nicht gefiel, war die Tatsache, dass sie so gar nicht darauf reagiert, dass der Doctor Cassandra sehenden Auges sterben lässt. Sie bittet ihn zwar, ihr zu helfen, doch hinterher verliert sie kein Wort mehr darüber, das ist meiner Meinung nach ein großer Fauxpas.

The End of the Notes. Natürlich kann ich keinem was vormachen, klar hab ich mich bei dem iPod-Witz halb totgelacht, mehr noch allerdings über die Musikauswahl. (Ich bin ein Kind dieser Ära, das kann mir keiner vorwerfen, in ein paar Jahrzehnten verliert der Gag wohl seinen Reiz.) Wunderschön auch anzusehen, wie sich der Doctor darüber freut, als Rose staunend die eintreffenden Aliens betrachtet. Oh Mann, aber dieses blaue Viech mit der hohen Stimme, das Rose anspuckt! Göttlich! Kann man behaupten, dass es typisch Russel T. Davies ist, dass Cassandra erzählt, sie wäre als „little boy“ aufgewachsen? Und dass sie all das Theater nur veranstaltet, um die Versicherung abzuzocken, ist herrlich s1_02_wal_13anachronistisch (und passt hervorragend zu ihrer sonstigen Einstellung). Als Jabe dem Doctor ihr Mitleid ausdrückt und ihm die Tränen kommen – großartig gespielt von Christopher Eccleston. Die riesigen Ventilatoren waren optisch natürlich ein Hammer, aber so sinnlos. Hätte der Doctor nicht auch einfach unten durchkriechen können? Außerdem hab ich wohl verpasst, wie Rose am Ende aus dem Raum kommt, nachdem sie vorher immer erfolglos gegen die Tür gehämmert hat. Oh und: „Moisturize me, moisturize me!“


BEWERTUNG: 4,5 von 5 TARDISse

45


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Diese Review gibt es auch auf bananasblog.de

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