Diskussion – 004 – Marco Polo

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http://whoview.de/2013/11/15/diskussion-004-marco-polo/
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Toby:

Dann mal hallo an André und willkommen zum Whoview. Wir steigen in die TARDIS und landen in der Vergangenheit. Dieses Mal zu Marco Polo. Dem ersten Mehrteiler, der besser keiner wäre.

 

André:

Ja auch von mir ein Hallo an diesen Who-Historischen Tag – denn vor ein paar Stunden veröffentlichte die BBC die Minisode „The Night of the Doctor“, mit Paul McGann in der Hauptrolle… aber das ist nicht unser Thema, denn wie Du schon sagtest – Marco Polo ist das Stichwort.

Da diese Folge bei mir aber schon ein wenig zurück liegt, bitte ich dich mal anzufangen, ich steige dann mit ein.

 

Toby:

Ich habe es noch nicht gesehen, da McGann aber mein Lieblingsdoktor ist, freu ich mich gerade unglaublich!

 

Toby:

Da das hier ja eine Premiere im Whoview ist, sollten wir vielleicht erstmal allgemein darauf eingehen. Das ist nämlich die erste von vielen Reconstructions. Für die, die es nicht wissen: Da Filmrollen sehr teuer waren und es keinen Heimmarkt in den 60ern/70ern gab, wurden die Filmrollen der BBC regelmäßig überspielt, sodass viele Folgen einfach verloren gingen. Ein Feuer erledigte dann noch den Rest, weshalb bis heute viele Folgen fehlen.

Letztens wurde ja bestätigt, dass einige gefunden wurden.

Bei manchen – wie Marco Polo – ist aber noch die Tonspur vorhanden, die dann mit Einzelbildern gemischt werden.

 

André:

Bei den Meisten ist die Tonspur noch vorhanden, durch fleißige Fans, welche diese mit einem Mikrofon, bei der Ausstrahlung, direkt am Fernseher aufgenommen haben – zum Glück!

Und die Marco Polo Reconstruction ist sowieso etwas ganz besonderes – nicht nur gibt es von der Folge mehr Fotos und Setbilder, als von jeder anderen Folge, noch dazu hat sich „Lose Canon“ bemüht, diese Fotos zu Colorieren, damit einem die prächtigen Sets nicht entgehen.

 

Toby:

Ja. Die Recons sind halt ein sehr kontroverses Thema. Manche können sie einfach nicht leiden, andere mögen sie. Ich bin sehr sehr froh, dass sich die Leute solche Mühe machen, um die Folgen wenigstens auf diese Art zugänglich zu machen und respektier die Macher, aber die Recons sind echt nicht mein Fall. Also ich bin froh, dass es sie gibt, aber nicht die Zielgruppe. So gesehen hat Marco Polo einen recht schweren Start bei mir.

 

André:

Ich bin sehr froh, dass es die Recons gibt und sehe sie halt als Hörspiel mit Bildern… Wobei ich die Wiedergefunden Folgen bevorzugen würde

 

Toby:

Ich denke mal, so geht es jeden. Für Hörspiele fehlen ja noch Erklärungen, was gerade passiert. Vor allem wenn die Screamqueen loslegt.

Jedenfalls kommen wir so direkt zur Eröffnung, die komplett mit dem damaligen Schauspieler von Marco Polo nachgedreht wurde. Man sieht ihn sein berühmtes Buch schreiben, indem er anfängt vom Doktor zu erzählen.

 

André:

Was ich sehr schön fand. Der Darsteller – Marc Eden – hat ja dafür sicherlich keine Gage bekommen und hat dies rein von privat aus gemacht. Außerdem hat er ja auch immer wieder aus dem Off Gesprochen, wenn die Landkarte zu sehen war.

 

Toby:

Jap. Ich glaube, die haben einfach in seiner Küche gedreht.

 

André:

Oder in seinem Altersheim

 

Toby:

Und die Krankenschwester hält die Kamera, genau.

Jedenfalls macht der Anfang so produktionsbedingt nicht viel her. Aber es ist schon toll, dass das gemacht wurde.

Da muss man die Serie wirklich lieben.

 

André:

„Schwester, ich bin Marco Polo“ – „Ja Mr. Eden, und jetzt nehmen sie bitte ihre Tabletten“

 

Toby:

Es ist halt mal wieder ein typisches Historical. Barbara weiß wieder alles von der Zeit. Doctor und Ian erkunden alles. Susan tut nichts.

 

André:

Aber lass uns nicht so sehr auf den Anfang versteifen. Gehen wir mal auf die Geschichte ein – welche mit ihren 7 Episoden zwar sehr lang ist, aber meiner Meinung nach, rundum gelungen.

Doch Susan tut einiges, eine Dummheit nach der anderen.

 

Toby:

Vor allem später

Weiter geht es dann mit Marco Polo. Und der gute Herr Eden spielt den einfach fantastisch.

Der reist mit den Leuten von Kublai Khan, die die Gruppe gefangen nimmt, die Tardis einsackt und mitnimmt. Alles wie gehabt.

Wie gesagt, typisches Historical halt.

 

André:

Jap, fantastisch ist das richtige Wort. Auch der Charakter ist fantastisch ausgebaut. Hier wird nicht, wie sonst üblich, ein schwarz-weiß Charakter eingeführt, sondern jemand mit deutlichen graustufen, der aus seiner Überzeugung heraus handelt und selbst mit sich im Unklaren ist.

 

Toby:

Besser wird es noch später. Denn Khan selbst ist fast mein Lieblingscharakter der Folge.

Es ist ja ein Siebenteiler und das merkt man. Die erste Episode ist eigentlich nur Aufbau, der die Charaktere vorstellt und den Grundplot um eine Verschwörung einführt.

So ist die erste für mich auch die schlechteste.

Aber das heißt nicht, dass sie schlecht ist. Im Gegenteil.

 

André:

Ich glaube die Länge der Folge macht sich nur wegen der Reconstruction bemerkbar. Wären die Folgen noch so erhalten, wie sie ausgestrahlt wurden, hättest du bestimmt keine Längen gemerkt.

 

Toby:

Vermutlich. Aber genau wissen, kann man das nicht.

 

André:

„noch“ nicht – würde der Optimist in mir jetzt sagen.

 

Toby:

Ja. Hoffentlich sind die Gerüchte war.

 

André:

Aber gehen wir doch mal auf das Besondere ein, was diese Episode ausmacht und warum diese ein Paradebeispiel für eine Klassische Folge ist. Das Setting.

 

Toby:

Oh ja!

Das Setting mit den Kostümen und Hintergründen ist einfach einmalig gut.

In jeder Sekunde gibt es da was Schönes zu entdecken.

 

André:

Ich würde das Wort „überragend“ in den Raum werfen.

 

Toby:

Vor allem mit der Mongolei gibt es ein unverbrauchtes Setting.

Mal nicht viktorianisches London

Oder Rom.

 

André:

Und das ist auch ein Grund, warum ich die colorierte Recon so mag. Das Ausmaß des Settings, die Detailverliebtheit usw. würden in schwarz-weiß nicht halb so gut rüberkommen. Wer die colorierten Set Bilder sieht, der weiß wovon ich spreche.

 

Toby:

Vor allem ist die Zeit richtig gut umgesetzt. Die Beschwerlichkeiten des Reisens in der Zeit – sie befinden sich ja auf den Weg zu Kublai Khan und reisen eine Woche (?).

Und sind realistisch umgesetzt. Zumindest wie es zu der Zeit möglich war.

 

André:

Wie lange sie nun gereist sind, kann ich dir nicht sagen, es waren aber sicher mehrere Tage.

 

Toby:

Ja, ist aber auch egal. Jedenfalls war das alles gut umgesetzt.

Da kann man wirklich nicht meckern.

 

André:

Auch das Wüstensetting sah sehr gut aus. Es gibt nur eine Sache, die mich sehr gestört hat in den Recons. Und das war der Sandsturm. In diesen Minuten hat man leider kein Wort verstanden – da wären Untertitel wirklich von Vorteil gewesen.

 

Toby:

Vor allem der Sandsturm und der Wassermangel waren wirklich spannend.

Auch die Schauspieler einfach spitze.

Am schlechtesten war da noch Taranga, Tarega… wie hieß er noch?

 

André:

Moment, hatte es mir Notiert…

Tegana.

 

Toby:

Tegana.

Genau. Und selbst der war nicht schlecht, nur nicht so gut, wie die anderen.

Also die erste Folge fand ich ein wenig zu schemenhaft, aber die zweite hat mich einfach reingezogen.

Und die Dialoge! Das Schachspiel war so klasse.

Das Schachspiel als Analogie zum Plot mit dem Satz „Can you save your king?“

 

André:

Mir gefiel vor allem die Männerfreundschaft zwischen Marco Polo und Ian. Die Chemie hat wirklich gestimmt.

 

Toby:

Ja. Besser gefallen hat mir nachher nur die Männerfreundschaft zwischen Khan und dem Doktor.

Super. Durch und durch.

Und noch etwas, sehr sehr seltenes: Susan hat etwas Nützliches getan!

 

André:

War es Schach? Hab es jetzt nicht mehr so im Kopf, aber war es nicht Backgammon?

 

Toby:

Der Doktor und Marco spielten Schach, mit Kublai Khan war es Backgammon

 

André:

ah genau

Backgammon, der Urvater des Schachs.

 

Toby:

Lustig, dass der 1. Doktor ein Faible für Gesellschaftsspiele hat XD

 

André:

Naja ein Spiel das ausschließlich für 2 Spieler gemacht ist und eine Menge strategisches Wissen und Vorahnen zu tun hat, ist jetzt nicht so gesellschaftlich und ungewöhnlich für diesen Herausforderungen liebenden Doctor

 

Toby:

Aber trotzdem.

Ich hätte ihn eher so eingeschätzt, dass er den Tisch umwirft, wenn er verliert

 

André:

Aber der Doctor hatte ja an sich schon sehr gute Laune. Wie er später in der TARDIS ist und lustig vor sich her singt, war eine Freude

 

Toby:

Generell war Hartnell einfach in Spiellaune

Der hatte richtig Bock. Das hat man ihm angesehen. Allein das böse Lachen in der ersten Folge.

 

André:

Was ich auch in den tollen Sets begründet sehe. Bill Hartnell war ja auch ein renommierter Theater Darsteller. Bei solchen Sets ging sein Herz bestimmt auf. Noch dazu die überragenden Schauspiel Kollegen und das tolle Drehbuch.

nicht zu vergessen, dass die langweilige „Edge of Destruction“ Folge vorrausging

 

Toby:

Ich fand die Dialoge allgemein super. Es gibt hier so viel zu zitieren. „Don’t forget you talk to someone with a superior intelligence!“ oder „When he breaks my back, he can take all of it. Why take small items?“.

Auch wenn einige Asiaten nicht asiatisch aussahen, die Schauspieler waren ein exzellentes Team

 

André:

Und die vielen Spitznamen die der Doctor Ian verpasst – wie z.B. Charlton.

 

Toby:

Am besten haben mir wirklich mit ihm und dem Khan gefallen. Allein die Darstellung von Kublai Khan, der die ganze Zeit nur als mächtigster Mann der Welt genannt wird und dann fast schon panische Angst vor seiner Frau hat.

Ich fand auch, Hartnell und der Khan Darsteller waren die beiden besten im Team.

Und bei dem Team sagt das einiges.

 

André:

auch höchst sympathisch dargestellt ja. Auch wieder ein Beispiel perfekter Charakter Ausarbeitung. Bei einem anderen Autoren wäre die Figur bestimmt ganz klassisch böse geworden.

 

Toby:

Ich konnte mir ja wegen der Wüste den Vergleich zwischen Marco Polo und Planet of the Dead nicht verkneifen.

Und wenn man mal sieht, wie spannend hier der „einfache“ Überlebenskampf mit Durst, Paranoia und Hitze gezeigt wurde und wie künstlich eine Gefahr in Planet eingearbeitet werden musste. Da sieht man, welcher Schreiber was drauf hatte.

 

André:

Bis auf die Wüste ist da aber nichts was sich vergleichen lässt… das eine ist ein Meisterwerk – das andere Planet of the Dead

 

Toby:

Dabei ist die Story von Marco Polo wirklich Schema F durch und durch. Aber es zeigt halt, dass es dann doch mehr auf die Umsetzung und Herzblut ankommt.

Ich meinte ja auch nur die Wüste

 

André:

Sehr gefreut hat es mich zu sehen, wie selbst der Doctor in einen Kampf mit den Mongolen verwickelt wird…

 

Toby:

Jap. Der Arme musste ja viele Niederlagen hinnehmen. Zuerst wird er von Kublai im Backgammon geschlagen und dann ist er auf einmal in einem Putschversuch drin.

Ich fand auch das Vertrauensverhältnis, das immer wieder hin und her wechselt, klasse.

Vor allem aus Marcos Sicht könnte ich schon sagen, dass ich so handeln würde, wie er. Da verhält sich niemand naiv oder dumm.

Gerade wenn man die wachsende Freundschaft – wenn man es so nennen will – von Ian und Marco bedenkt.

Das hatte eine eigene Dynamik.

Was in einem Kammerspiel sehr wichtig ist. Und die Folge spielt ja fast nur in einem Zelt.

 

André:

Zwischen Marco Polo und Tegana gibt es am Schluss auch einen sehr stimmigen Dialog „I underrestimated you, Tegana“ – „No, you overrestimated yourself“.

 

Toby:

Das war super!

Ich sage es ja. Ein Haufen von Zitaten gibt es hier.

Und sogar Susan hat hier mit der Dienerin eine eigene Story Line, die nicht so viel nervt, wie die anderen.

 

André:

Und am Ende darf Marco Polo doch Glänzen, nach all seinen Niederlagen, und ist derjenige der Tegana entwaffnet im Kampf.

 

Toby:

ja. Ich fand den Kampf etwas kurz. Aber es ist halt ein Kampf. Die dauern ja eigentlich nicht lange.

 

André:

Wobei ich die Story Line doch sehr schwach fand. Es war schön zu sehen wie Susan von ihrer Heimat spricht – oder eben nicht spricht. Aber wie sich das mit der kleinen Ping Chao (oder wie sie auch immer hieß) entwickelt mit ihrer Zwangshochzeit, war leider abzusehen und nicht sehr spannend.

 

Toby:

Ja. Aber vergleich die mal mit den Story Lines, die sie sonst so hat

 

André:

Hey, wenn sich Susan nicht den Knöchel verstaucht, bin ich schon zufrieden.

 

Toby:

Zum Doktor will ich noch sagen, dass es immer so geil ist, dass er sein Alter als Vorwand benutzt, um etwas nicht tun zu müssen, was er nicht will, aber immer motzig ist, wenn jemand andres ihn deswegen anspricht.

 

André:

Der erste Doctor ist ja eh wie ein kleines motziges Kind – und das ist so großartig.

 

André:

Ich muss gestehen, Hartnell war bei mir immer der „mag ich ganz gerne, aber gehört nicht zu meinen Lieblingen“ Doctor – Aber jetzt, wo ich die Serie Chronologisch gucke, steigt er bei mir doch weit auf. Ich glaube er ist auf jedem Fall in den Top 5… Meine Top 3 kann zwar nichts auseinander Bringen, aber in den Top 5 ist er sicherlich. Es ist einfach eine Freude.

 

Toby:

Er ist alt, er darf das.

Bei mir auch. Er steigt immer weiter. Weil man ihm einfach die Lust am Schauspielern ansieht und der Mann einfach talentiert war.

 

André:

Bin wirklich auf die Umsetzung von David Bradley gespannt in „An Adventure in Space and Time“ – Wie er den Hartnell verkörpert.

 

Toby:

Ja. Dann haben wir ja den dritten Hartnell.

 

André:

Naja zumindest den dritten ersten Doctor – wobei dieser ja nicht zum Canon der Serie gehört. Joaquin Phoenix ist auch nicht der neue Johnny Cash

 

Toby:

Bradley spielt aber nicht den Doktor. Sondern Hartnell, wie der den Doktor spielt Das ist voll Meta und so.

 

André:

Aber in dem Fall hätten wir den zweiten Hartnell und nicht den dritten da Hurndall ja nicht Hartnell sondern den Doctor gespielt hat.

 

Toby:

Ach was. Du irrst dich, punkt

Also mit dem Abschweifen würde ich mal sagen, dass du auch nichts mehr zu Marco Polo zu sagen hättest.

 

André:

Wie immer.

Hast du denn noch was zu Marco Polo?

 

Toby:

Naja, meine Wertung halt

André:

Ja ich wäre soweit durch. Dann Hau mal deine Wertung raus.

 

Toby:

Die Folge ist brillant. Fast alles hier ist im schlimmsten Fall gut. Das Setting wunderschön, die Geschichte, wenn auch klischeehaft, fantastisch präsentiert. Das einzige, was mich stört ist eben leider, dass es eine Recon ist. Wäre es eine komplette Folge, hätte sie Aztecs als meine Lieblings Hartnell folge abgelöst. Aber so gefällt sie mir eben einen Ticken schlechter. Wenn ich aber Objektiv bin, kann ich nicht unter der Höchstwertung vergeben.

Die Folge ist perfekt.

 

André:

Die Folge an sich ist unschlagbar. Sie ist nicht die beste Folge aller Zeiten, dafür kommen einfach noch zu viele gute Folgen. Aber sie ist nah dran. Ich vergebe, wie auch schon in meiner Review, ein „nahezu perfekt“. Besser hätte man es kaum machen können und sollte die Folge wiedergefunden werden, ist sie jetzt schon so gut wie gekauft

 

Toby:

Na dann dir mal viel Spaß beim Wiederansehen und alle anderen: Warum habt ihr sie noch nicht

 

André:

Kaufen, auswendig lernen und nochmal kaufen

 

Toby:

Und ich schau mir jetzt Night of the Doctor an.

 

André:

Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und freue mich schon auf unsere nächste Diskussion – wobei, wenn alles läuft wie bisher gedacht, wirst du deine nächste ja sogar ohne mich halten.

Bis denn.

 


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